Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Liapádes

Eben noch im lauten Paleokastrítsa, jetzt in der Stille eines Bergdorfes. Und Dörfer gibt es auf Korfu zu Hauf, eines schöner, als das andere. Dabei darf man die Dörfer in der Bevölkerungsstruktur Griechenlands nicht unterschätzen. Während in Deutschland 77 % der Menschen in den Städten leben, sind es in Griechenland, je nach Schätzung, nur zwischen 50 % und 60 %. Das bedeutet: fast jeder zweite Grieche lebt auf dem Land, beziehungsweise in kleinen Dörfern und Gemeinden.

Hier auf Korfu ist das nicht anders. Bis auf Kérkyra-Stadt gibt es nur Kleinststädte und Dörfer. Zwangsläufig bedeutet das, dass viele Menschen in den Dörfern leben. Nur, dass die Dörfer hier noch etwas „intakter“ sind, als bei uns. Denn es gibt kaum ein Dorf ohne Kafenio, ohne Dorfcafé. Auch, wenn in der Nachsaison viele davon geschlossen sind, ein offenes Café gibt es in jedem Dorf!

Und das hat verschiedene wichtige Funktionen, denn hier laufen die Fäden des Dorfes zusammen. Wer von irgendwo nach irgendwoanders unterwegs ist, der kommt fast zwangsläufig hier vorbei: eine Mutter hat gerade die Kinder von der Schule geholt, einige Touristen warten auf ihren Lift zum Flughafen, ein Engländer holt sich bei einem griechischen Freund Ratschläge zum Hauskauf, jemand führt seinen Hund aus, zwei Handwerker haben Feierabend. Nicht erfunden! All das habe ich genau so im Kafenio von Liapádes erlebt.

Von Paleokastrítsa aus geht es also zurück Richtung Osten. Doch kurz nach der Abzweigung Richtung Lákones und Makrádes geht es rechts (kurz ist wörtlich zu nehmen, das sind nur etwa 200 Meter!), weg von der Straße 25 auf eine weit weniger befahrene Strecke. Die Straße verläuft im Gegensatz zur Hauptstrecke mehr in der Inselmitte. Nach nur etwa einem Kilometer weist ein Schild nach Rechts: Liapádes! Und schon nach wenigen Kurven erklimmt man die Anhöhe, auf der das Bergdorf thront.

Folgt man der Straße einfach weiter, dann kommt man unweigerlich zur Platía, zum Dorfplatz, mit einem großen Baum in der Mitte und mit Marmorplatten gepflastert. Sage und schreibe sechs Cafés gibt es rund um den Platz, doch das klassische Kafenio ist gerade das einzige direkt am Baum geöffnet hat. Dort lasse ich mich nieder und genieße den Blick auf das ruhige, unaufdringliche Treiben.

Zu meinem griechischen Kaffee (1,50 €) in der großen Tasse bestelle ich einen Souvlaki-Spieß mit Pommes (2,50 €). Der kleine Snack kommt jetzt gerade genau richtig! Außerdem sind – wie so oft – gerade die einfachsten Dinge die besten. Während ich griechischen Katzen ja unterstelle heimlich an Kursen im Niedlichsein teilzunehmen, scheint diese Bildungsmaßnahme am Kafenio-Hund völlig vorbeigegangen zu sein. Im Gegenteil, er könnte sich um die Titel „hässlichster Hund der Insel“ bewerben. Er bekommt auch nichts ab. Hätte ein niedliches Kätzchen aber auch nicht.

Im Kaffeesatz versuche ich noch meine Zukunft zu lesen. Reichtum? Gesundheit? Eine schöne Frau? Neue Abenteuer? Aber alles, was ich sehe, ist Kaffee. Auch nicht schlecht! Eine Zukunft mit Kaffee lass ich mir eingehen!

Schließlich drehe ich noch eine Runde durch das Dorf und komme aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus. An jeder Ecke ein reizvolles Motiv, ein verwinkeltes Haus, eine einladende Gasse. Doch ich muss weiter. Schließlich muss ich ja noch zurück nach Gouvia und die Wolken sehen immer drohender aus. Doch die 25 will ich diesmal nicht nehmen. Die kenne ich ja schon. Also bleibe ich auf der Nebenstrecke und mache mich auf Richtung Süden…

Im Gegensatz zu meiner üblichen Gewohnheit hänge ich hier ohne zusätzlichen Text noch Bilder an. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welches ich weglassen sollte und der neue Editor lässt keine platzsparende Darstellung nebeneinander zu.

9 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Liapádes

  1. Das Leben in anderen Ländern ist eben anders, genauso anders wie die Menschen dort. Ich halte es inzwischen für vermessen das wir anderen Ländern vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Das ist als Wink mit dem Zaunpfahl auf die europäische Politik zu verstehen. Aber Politik gehört hier nicht hin.
    Wenn man schon mal dort ist, sollte man sich einfach dazu setzten und sehen wie das Leben so läuft. Und es läuft gut.

    Gefällt 1 Person

    1. Wenn man dort ist und sich einfach dazusetzt, dann wird einem schnell klar, dass hier gerade alles so läuft, wie es gut und für die Leute hier richtig ist. Bestimmt lässt sich immer was verändern und verbessen. Die Lebensweise sollte aber nicht unbedingt dazugehören…

      Gefällt 1 Person

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