Grüne Woche 2020: Kaffee und Menschenrechtsverstöße

Trotz steigendem Kaffeekonsum leiden Kaffeebäuerinnen und Bauern unter Armut. Gerade bei Kaffee werden bei Anbau und Transport oft nicht einmal Menschenrechte eingehalten. So sehen sich deutsche Firmen bis heute außer Stande die Einhaltung von Menschenrechten während der gesamten Lieferkette zu garantieren. Genauer betrachtet bedeutet das, dass wir zum Beispiel für einen niedrigen Kaffeepreis bereit sind Kinder- und Sklavenarbeit billigend in Kauf zu nehmen. Am vergangenen Freitag überreichte Friedel Hütz-Adams, Autor einer Studie über Menschenrechtsverstöße in der Wertschöpfungskette von Kaffee, bei der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche diese persönlich an Bundesentwicklungsminister Gerd Müller.

„Die Deutschen trinken mehr Kaffee als Wasser, doch nur die wenigsten von ihnen wissen, wo dieser herkommt und wie er angebaut wird. Derzeit freuen sie sich darüber, dass Kaffee billig zu bekommen ist. Dabei ist die Kehrseite des niedrigen Preises, dass Millionen Familien, die Kaffee anbauen, noch ärmer geworden sind, als sie vor dem 2016 einsetzenden Preisverfall schon waren“, so Hütz-Adams.

 

SÜDWIND legt Studie über Menschenrechtsverstöße vor

Friedel Hütz-Adams (2. von li.) erläutert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (li.) und Sara Nuru auf der Gruenen Woche die menschenrechtlichen Probleme beim Kaffeeanbau.

 

In der Studie wird erläutert, welche Auswirkungen der Preisverfall auf die verschiedenen, wichtigsten Anbauländer von Kaffee hat: Die Bedingungen in Äthiopien, Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Uganda und Honduras sind jeweils sehr unterschiedlich. Dennoch lässt sich übergreifend feststellen, dass ein großer Teil der kaffeeanbauenden Familien, wie auch der Beschäftigten im Sektor, nicht über existenzsichernde Einkommen beziehungsweise Löhne verfügt. Damit werden in der Lieferkette für Kaffee grundlegende Menschenrechte missachtet. Dies ist ein fundamentaler Bruch mit den 2011 vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verabschiedeten „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ und den Leitsätzen, die die OECD für Unternehmen aufgestellt hat.

„Alle Akteure entlang der Produktionskette von Kaffee müssen ihr Verhalten ändern. Dies gilt sowohl für die Regierungen in den Anbauländern, die Bäuerinnen und Bauern besser unterstützen müssen, als auch für die Regierungen der Importländer. Diese sollten Gesetze beschließen, die Unternehmen dazu verpflichten, zumindest grundlegende Menschenrechte in der Lieferkette zu beachten und entsprechende Preise für den Kaffee zu zahlen, die ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen. Unternehmen wiederum sollten ihre Aktivitäten verstärken, die eigene Lieferkette transparent zu gestalten und ihrerseits dafür sorgen, dass existenzsichernde Einkommen gezahlt und grundlegende Menschenrechte eingehalten werden“, fasst Friedel Hütz-Adams die Studie zusammen.

Der ursprünglich aus Ostafrika stammende Kaffee wird heutzutage weltweit entlang des Äquators angebaut. Die größte Nachfrage besteht nach Arabica-Sorten, doch aufgrund des besonderen Geschmacks haben auch Robusta-Sorten weiterhin einen stabilen Marktanteil. Der Anbau von Kaffeebäumen ist aufwendig, gleiches gilt für die Ernte und Weiterverarbeitung der Bohnen. Ein großer Teil des Anbaus findet auf Plantagen statt, die von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern betrieben werden, doch es gibt auch große Plantagen mit Lohnarbeitern. Schätzungen zufolge bestreiten weltweit mindestens 12 Mio. Familien zumindest einen erheblichen Teil ihres Einkommens mit dem Anbau von Kaffee, hinzu kommt noch einmal ungefähr die gleiche Zahl von Familien, die ganz oder teilweise von den Lohnzahlungen auf den Plantagen abhängen. In vielen Regionen der Welt entscheidet die Preisentwicklung beim Kaffee somit über die Lebenssituation eines erheblichen Teiles der Bevölkerung.

 

Bildrechte: Messe Berlin, obs/SÜDWIND e.V./GIZ/Thomas Koehler/photothek, Quelle: Original-Content von: SÜDWIND e.V., übermittelt durch news aktuell.

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