Cafè Borgia: süße Versuchung mit herrschaftlichem Namen

Schlicht, einfach zu machen, aber sehr lecker: Cafè Borgia. Das Rezept für diese süße Kaffeespezialität stammt aus der Renaissance, also aus der Anfangszeit europäischen Kaffeegenusses. Weil Kaffee aber bitter ist, versuchte man mit etwas Honig, Zimt und Zucker das Ganze dem hiesigen Gaumen anzupassen. Und so hat sich das Rezept bis heute erhalten. Grundlage bietet eine starker Mokka, wahlweise auch ein Espresso, auf Honig, gekrönt mit einer kleinen Haube aus Milchschaum oder Sahne, die mit Zimt bestäubt wird. Nicht weniger herrschaftlich ist der überlieferte Name: „Cafè Borgia“.

Die Familie Borgia hat bereits im 15. Jahrhundert belegt, dass es gut ist Verwandte in höchsten Kreisen zu haben. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht stellte sie zwei Päpste, Kalixt III und Alexander VI (natürlich nacheinander!), scheiterte allerdings in ihren Bemühungen aus der vatikanischen Religionsfirma ein Familienunternehmen zu machen. Cesare und Lucrezia Borgia erlangten noch einige Berühmtheit. Cesare, weil er als erfolgreicher Feldherr der Kirche Erwähnung bei Macchiavelli fand. Lucrezia, weil sie offenkundig sowohl schön als auch gerissen war. Das beide – zwangsläufig uneheliche – Papstkinder waren, mag ihre jeweiligen Karieren befördert haben. Im kollektiven Bewusstsein wird der Name Borgia deshalb mit Machtgier, moralischem Verfall, Korruption und Rücksichtslosigkeit verbunden bleiben.

Der „Cafè Borgia“ wurde im Café Tambosi serviert. Das Café Luigi Tambosi am Odeonsplatz war bis vor wenige Jahren ein originales, traditionelles Stück München. 1775 hatte Giovanni Pietro Sardi  die Erlaubnis erhalten, am Münchner Hofgarten nächst der Residenz einen Kiosk zum Ausschank von Kaffee, Schokolade und Limonade zu eröffnen. So entstand das erste Kaffeehaus in München. Zwischenzeitlich hieß das Café auch Annast, wurde aber wieder in Tambosi rückbenannt. Doch 2016 endete eine 241-jährige Kaffeehaustradition am Platz. Das in die Jahre gekommene Tambosi musste weichen, nachdem die Pacht unbezahlbar wurde. Jetzt verkauft Promi-Wirt dort Edel-Pizza. Was wieder einmal beweist, dass Kultur und Tradition auch im schönen München nichts mehr gelten, wenn es um Kommerz und Umsatzmaximierung geht. Das Rezept für diesen legendären Cafè Borgia lebt aber fort!

2 Gedanken zu “Cafè Borgia: süße Versuchung mit herrschaftlichem Namen

    1. Es ist leider nicht viel geblieben in dem Eck: Tambosi und Haag-Rottenhöfer sind Geschichte, das Erbshäuser bis zur Unkenntlichkeit modernisiert, das Operncafé rausgedrängt – ein Trauerspiel! Bleibt noch das Luitpold, das Stereo will ich gar nicht dazuzählen! Und natürlich Dallmayr! Aber wir könnten schon etwas behutsamer mit unserer Kaffeehaustradition sein! Aber vielen Dank für’s Kompliment! :-))

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