Café Guglhupf, München

Ja mei, der Kaufhof am Marienplatz. Nicht schön, auch nie gewesen, aber irgendwie hat man sich halt dran G’wöhnt, an den Stilbruch am Eck Rosen- und Kaufingerstraße. Modern wollte man sein – Weltstadt mit Herz – damals, 1972 kurz vor der Olympiade. Dafür bekam München das Olympiagelände mit Fernsehturm und Sportstätten, das Olympische Dorf, ein U-Bahn- und S-Bahn-System und die Fußgängerzone zwischen Altem Rathaus und Stachus. Ja, und den Kaufhof halt, der mächtige waschbetongraue Block mit seiner Granitplatten-Verkleidung galt als grober, gar brutaler Eingriff in das gesamte denkmalgeschützte Ensemble der Altstadt.

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Im Windschatten des Kaufhof entstand das Café Guglhupf, quasi am Hintereingang des großen, neuen Kaufhauses. Hier stand einst das Kaufhaus Roman Mayr. Es war ein wunderschöner Jugendstilbau aus der Feder des Büros Heilmann und Littmann. Im Krieg wurde das 1912 eröffnete Gebäude zerstört und mit einer historisierenden Fassade wieder aufgebaut. Bis der Kaufhof kam. Im Innenhof, zugänglich sowohl von der Kaufingerstraße, als auch vorbei am SZ-Ticketverkauf von der Fürstenfelder Straße, die Terrasse des Cafés. Im Winter, also wenn es einmal Winter werden würde, gibt es hier Glühwein. Im Sommer einige Sonnen- und Schattenplätze vor eher schmuckloser Fassade, Beton, Stahl, Glas, Backstein.

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Doch damals, 1972, war das auf der Höhe der Zeit: eine zugepflasterte Altstadt, Blumenkästen aus Beton, auch der Brunnen am Stachus besteht aus im Kreis angeordneten Steinquadern. Da passt das Guglhupf wie die Faust aufs Auge, wie aus einem Prospekt des Münchner Fremdenverkehrsamt: wir sind wieder wer, wir haben U-Bahn und Olympia und hier trinken wir Eiskaffee und essen Kuchen. Im Stil der Zeit auch die Inneneinrichtung, bayerisch, irgendwie zwischen Bauernhochzeit und Wienerwald. Bedienungen im Dirdl, Bauernmalerei auf den Schränken – und natürlich Guglhupf. Beides, Guglhupf und Dirdl, bitte ohne „e“!

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Auf der Webseite des Cafés steht: „Funde bronzener Guglhupfformen beweisen, dass schon die Römer diese gewellte Form mit einem ‚Schlot‘ in der Mitte verwendeten. Das Wort Gugel kommt daher aus dem lateinischen ‚cuculla‘ und bedeutet Kapuze. Neben der Verwendung verschiedener Teigmassen wie Hefeteig (original), gerührt, marmoriert, aus Biskuitmasse mit Rosinen verfeinert oder ohne, haben sich auch eine Anzahl von Namen eingebürgert. So heißt er im Elsass Kugelhopf, bei den Sachsen ist es der Aschkuchen (von den Escheholzformen herrührend), die Österreicher haben natürlich ihren eigenen Kaiser-Guglhupf und in Süddeutschland wird er auch als Napfkuchen bezeichnet. Aber eines hat der weltweit bekannte Guglhupf gemeinsam: Er wird aus der runden und gewellten Form mit einem Schlot in der Mitte gelupft!“

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Bis heute gibt es ihn hier frisch und täglich. Auch gibt es hier, selten in München, dazu eine Wiener Melange. Der Kaffee kommt übrigens aus dem Münchner Traditionshaus Dallmayr. Die Bedienung ist freundlich, kompetent und fix. Das Publikum gemischt, ein paar Touristen, viele Münchner, darunter ältere Herrschaften, aber auch einige Schüler. Das war schon immer so. Auch, wenn ich selbst hier vor 48 Jahren das erste Mal und vor über 30 Jahren das letzte Mal war, beide Male mit meiner Oma, jetzt muss ich mich fragen, was mich so lange fernhielt. Ich weiß es nicht. Es ist gemütlich hier, es ist münchnerisch hier und der Guglhupf ist lecker. Bis zu meinem nächsten Besuch wird es sicher keine 30 Jahre mehr dauern!

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Café Guglhupf, Kaufingerstraße 5, München-Altstadt; Öffnungszeiten: 365 Tage im Jahre, kein Ruhetag, Montag – Samstag 08:00 – 20:00 Uhr, Sonntag 10:00 – 19:00 Uhr, im Sommer 08:00 – 21:00 Uhr, Freischankfläche in der Fußgängerzone nach Saison bis 22 Uhr, Im Winter (Januar – März) Montag – Samstag 08 – 18:30 Uhr, Sonntag 10:00 – 18:30 Uhr.

 

Quellen: Wikipedia, München-Wiki, Münchner Abendzeitung, Süddeutsche Zeitung, Unternemensseiten.

 

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