Balkan-Kaffee

Jedes Balkanland von Anatolien bis hinauf zum Brenner hat seine ureigenste und individuelle Art seinen landestypischen Kaffee zuzubereiten. Selbst auf die Gefahr hin jetzt einige Illusionen zu zerstören: das ist so nicht ganz richtig. Denn genau genommen sind Türkischer Mokka, Bosanska Kava und Café Elliniko zumindest recht ähnlich. Fein gemahlenes Kaffeepulver wird – oft zusammen mit Zucker – in einem kleinen Tiegelchen mit Wasser aufgekocht. Und wenn man beim Trinken nicht aufpasst, dann hat man den Satz zwischen den Zähnen.

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Historisch gesehen ist das auch die „klassische“ Form der Kaffeezubereitung, wie sie sich in Afrika und Arabien entwickelt hat und über die Türkei langsam nach Europa verbreitete. Daher kennt man das Getränk vor allem als Türkischen Kaffee oder Mokka.  Tatsächlich war Griechischer Kaffee bis in die 70er Jahre auch in Griechenland Türkischer Kaffee – bis politische Meinungsverschiedenheiten dem ein Ende bereitete. Danach entdeckten auch die übrigen Balkanländer ihren Nationalismus. Deshalb heißt der landestypische Kaffee eben oft genauso wie das Land, in dem man gerade ist.

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Trotzdem ist gerade dieser Kaffee mehr als nur ein koffeinhaltiges Heißgetränk. Er ist Ausdruck der Gastfreundschaft, weshalb eine Einladung zum Kaffee niemals ausgeschlagen werden darf, unabhängig davon, ob man nicht insgeheim ein anderes Getränk bevorzugt. Doch eigentlich sollte man sich das mit dem Kaffee verbundene Ritual nicht entgehen lassen, angefangen mit dem unvergleichlichen Kaffeeduft, der sich beim Aufkochen unweigerlich verbreitet, bis zu den Gesprächen, die sich rund um den Kaffeegenuss entwickeln.

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Während man in Griechenland eher Mokka- oder dickwandige Espressotassen her nimmt, werden in Serbien und Bosnien speziell dafür hergestellte Kaffeesets benutzt, meist aus Kupfer oder Messing. In den engen Gassen der Altstadt von Sarajevo reihen sich die Kupferschmiede aneinander, die diese Sets – zwischen Deko- und Gebrauchsgegenstand – herstellen und vertreiben. Zumindest soll dieser Eindruck vermittelt werden. Oft stammen die typisch bosnischen Sets aus asiatischer Massenproduktion. Doch egal aus welchem Trinkgefäß: die Einladung zum Kaffee ist immer eine Ehre. Sagt sie doch „Du bist willkommen!“

2 Gedanken zu “Balkan-Kaffee

  1. Ich meine Cowboy-Kaffee wird auch so zubereitet. *überleg* Müsste ich nochmal nachschauen. Jedenfalls, so ein Set, oder auch nur die Kanne müßte ich mir eigentlich auch noch besorgen. Und der besondere Reiz sollte darin liegen, den Kochvorgang über einer entsprechenden Hitzequelle zu machen. Glühende Kohlen, oder ein Holzfeuer. ;-). Einen schönen Tag noch!

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  2. Es gibt in Griechenland und der Türkei auch Cafés, die ihren Mokka in heißem Sand zubereiten. Für mich zu kompliziert. Viel niederschwelliger ist da der Einstieg mit einem Mokkatöpfen für 3,95 vom türkischen Supermarkt um die Ecke. Übrigens: Mokka sollte wirklich „mokkafein“ gemahlen sein. Das ist noch feiner als Espresso. Die wenigsten Mühlen packen das, weshalb viele den fertig abgepackten Mokka kaufen. Dir ein schönes Wochenende!

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