Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Kunst

Mein zehnter Beitrag für die Fotochallenge von ROYUSCH-UNTERWEGS. Er schreibt in seinem Blog: „Bei diesem Projekt soll des darum gehen, dass ich einmal pro Woche (Sonntags) einen Begriff vorgebe und Ihr dann die Woche über Zeit habt für Euch einen Beitrag zu erstellen und auf meinen zu verlinken; aber das kennt Ihr ja schon. Auch für dieses Projekt gilt: keiner muss, jeder kann und wie immer nur ein Bild. Hier jetzt der sechzehnte Begriff, der lautet: Kunst.“

Und weiter: „Das Wort Kunst (lateinisch ars, griechisch téchne) bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit von Menschen, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede). Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Nach Tasos Zembylas, einem österreichischer Philosoph und Kulturwissenschaftler unterliegt der Formationsprozess des Kunstbegriffs einem ständigen Wandel, der sich entlang von dynamischen Diskursen, Praktiken und institutionellen Instanzen entfalte.

Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber auch der Prozess bzw. … Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt. Quelle: Wikipedia.

Hier mal ein paar Beispiele zur Bedeutung des Begriffs Kunst:

  • schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt (die bildende Kunst, die darstellende Kunst, angewandte Kunst, abstrakte Kunst, sich der Kunst widmen, Kunst und Wissenschaft usw.).
  • einzelnes Werk, Gesamtheit der Werke eines Künstlers, einer Epoche o. Ä.; künstlerisches Schaffen (die antike, moderne, mittelalterliche, europäische Kunst, Kunst am Bau, im öffentlichen Raum, die Kunst der Ägypter, der Romantik, die Kunst Rembrandts, Bachs, Kunst sammeln, nichts von Kunst verstehen).
  • das Können, besonderes Geschick, [erworbene] Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet (die ärztliche Kunst, die Kunst des Lesens und Schreibens, hier kann keine Kunst mehr helfen, die Kunst des Schweigens, er will seine Kunst an dieser Aufgabe erproben).
  • Wendungen, Redensarten, Sprichwörter (eine brotlose Kunst (eine Ausbildung, Tätigkeit, die nichts einbringt), keine Kunst sein (umgangssprachlich: leicht, einfach sein, keine besonderen Fähigkeiten erfordern), alle seine Künste spielen lassen (umgangssprachlich: alle möglichen psychologischen Tricks anwenden), mit seiner Kunst am Ende sein (nicht mehr weiterwissen, sich oder anderen nicht mehr helfen können), Kunst kommt von können (meist ironisch gesagt, wenn jemandes [künstlerische] Fähigkeiten nicht ausreichen), Kunst sein (umgangssprachlich: künstlich, nicht echt sein: der Wurstdarm ist Kunst)).“

Für mich immer eine doppelte Herausforderung. Schließlich muss ich den Begriff der Challenge mit dem Thema meines Blogs kombinieren, nämlich Kaffee. Und damit begann für mich das Problem. Ich habe viele Fotos von Kunst. Ich habe viele Fotos von Kaffee. Die Schnittmenge von Kunst und Kaffee auf EINEM Bild ist gleich null. Auf einem Bild der antike griechische Tempel, ein paar Bilder weiter die Tasse Kaffee, die ich danach getrunken habe. Viele schöne Bilder von Stücken aus der Münchner Antikensammlung, dann ein Bild von meinem Kaffee im Museumscafé. Aber nicht beides auf einmal…

Sollte ich jetzt den Kaffee zur Kunst erheben? Viele Schriftsteller haben in Cafés und Kaffeehäusern geschrieben. Jetzt einfach den Buchdeckel von „Romanisches Café“ oder „Dichter im Café“ ablichten? Zu einfach! Aber ich war auf der richtigen Spur. Kunst und Kaffee, Kunst und Kaffeehaus hingen schon immer untrennbar miteinander zu tun, zumindest seitdem es in unseren Breiten Kaffee gibt. Alle Künstlerkreise des 19. und angehenden 20. Jahrhunderts wären ohne den Rahmen des Kaffeehauses undenkbar gewesen. Aber wie sollte ich das abbilden?

Und wenn das Kaffeehaus selbst das Kunstwerk ist? Das war die Lösung! Der Ort, an dem Kunst und Kaffeehaus miteinander verschmelzen. Und wenige Orte verkörpern das heute besser, als das New York kávéház in Budapest, oder wie ich es nenne: das schönste Kaffeehaus der Welt!

Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Bereits im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts – in der Budapester Gründerzeit – von der New York Live Insurance Company errichtet, hat das prunkvolle Gebäude seinen Charme bewahrt. Von Anfang an war im Erdgeschoss ein Kaffeehaus, in dem die Crème de la Crème verkehrte. Immerhin war nur wenige Jahre zuvor aus Buda und Pest eine Stadt geworden. Die neue Rolle, die Budapest in der k. u. k. Monarchie fortan spielen sollte, drückte sich in städtebaulichen Großprojekten wie der Neugestaltung des Heldenplatzes oder der Einweihung der ersten U-Bahn auf europäischem Festland aus.

Einen Eindruck der Stimmung, die in der ungarischen Metropole um die Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert herrschte, erhaschen wir im New York Kaffeehaus. Fast könnte man meinen, man hätte sich statt in ein Café in eine Barockkirche verlaufen. Vergoldete, reich verzierte Säulen, Stuck und allerlei anderer Zierrat, verschnörkelte Geländer. Der gast sitzt bequem auf rot gesamteten Stühlen an Marmortischen. Die Küche, ein Mix aus internationalen und traditionell-ungarischen Gerichten, ist preisgekrönt, die Auswahl reichlich. Kuchen, Torten und Desserts sind kleine Köstlichkeiten. Hier wird der New York Cheesecake nicht serviert – er wird zelebriert.

Schon das Gebäude des New York Palace beeindruckt. Statt eines Hotels könnte es auch ein Ministerium oder ein Parlament beherbergen. Aber es war keine Regierung, die New York Life Insurance Company ließ zu Beginn der 1890er Jahre an der heutigen Adresse Erzsébet körút 9–11, im VII. Budapester Bezirk Erzsébetváros dieses prunkvolle Gebäude errichten. Entworfen wurde der Bau vom ungarischen Architekten Alajos Hauszmann, unterstützt von seinen Landmännern Flóris Korb und Kálmán Giergl. Heute ist es ein Hotel der italienischen Hotelgruppe Boscolo Hotels mit 117 Luxuszimmern.

So ist es auch der italienischen Boscolo Hotel-Gruppe zu verdanken, dass es das New York in dieser Form noch gibt. Nach der Jahrtausendwende übernahm Boscolo das Gebäude, restaurierte und rettete so das Café, dass während der Zeit des Kommunismus „Hungaria“ hieß und richtete im restlichen Haus das New York Palace Boscolo, Budapest ein, ein Hotel der Luxusklasse mit 107 Zimmern und direktem Zugang zum Café. Nach der stilechten Renovierung erhielt das New York kávéház die Europa Nostra-Medaille, ein Symbol des europäischen Denkmalschutzes. So ist ein Besuch nicht nur ein touristisches Erlebnis, es ist die Begegnung mit einer historischen Epoche.

Im Erdgeschoss und Tiefgeschoss befand sich und befindet sich noch heute das New York kávéház. Am 23. Oktober 1894 eröffnet überdauerte es Kriege, Revolutionen und Regimewechsel, überstand Kaiserreiche, Kommunismus und Demokratien so gut wie unbeschadet, wenn auch deutlich in die Jahre gekommen und wurde nach aufwendiger Renovierung am 5. Mai 2006 wieder eröffnet.

Marmorne Fußböden und Säulen, Fresken und Stuck an Decken und Wänden, große Kronleuchter spendenden schummriges Licht und jede Menge Gold und Zierrat – wären nicht die vielen Tische, die Kellner, das Gedränge und Geraune, man meinte man wäre in einer barocken Kirche gelandet oder zumindest im Palast eines absolutistischen Herrschers. Hier läuft man nicht, man schreitet, vorbei an eckigen Tischen aus Glas und Metall, an mit rotem Samt bezogenen Stühlen.

Trotz der Größe eines mittleren Doms sind die wenigen freien Plätze schnell besetzt – eine Kathedrale der Kaffeehaustradition und ein Denkmal des „fin de siècle“, Ausdruck von wiedergefundener Freiheit und erstarktem Selbstbewusstsein, Mittelpunkt von Boheme, Intellektuellen- und Literatentreff. Unter anderem verkehrten, dichteten und und schrieben hier: Ferenc Molnár, Dezső Kosztolányi, Frigyes Karinthy. Später trafen sich hier auch Filmschaffende wie Alexander Korda und Michael Curtiz, als der noch Mihály Kertész Kaminer hieß.

Manche sagen, das New York kávéház sei das schönste Kaffeehaus der Welt. Dafür spricht einiges. Gastlichkeit wird hier nicht nur zelebriert, sie wird gelebt. Zugegeben: Kaffee und Kuchen sind – auch nach deutschen Maßstäben – hier kein Schnäppchen,  dem Service und vor allem dem Ambiente aber durchaus angemessen. Die Küche ist ungarisch-international und preisgekrönt, die Kuchen, Torten und Pâtisserien sind aus eigener Konditorei. Was passt besser zum New York kávéház als ein New York Cheesecake und eine üppige Melange?

Das schönste Kaffeehaus der Welt? Das New York Café war und ist zweifellos das üppigste, feudalste, prachtvollste, ja ausschweifendste unter all den Kaffeehäusern Budapests. Und das schönste der ungarischen Hauptstadt bestimmt. Weder das Wiener Central, noch das Salzburger Bazar können es mit ihm aufnehmen. Vielleicht käme noch die Kavárna Obecní dům in Prag in Betracht, aber dieser Vergleich hinkt, wie der eines evangelischen Gotteshauses mit einem katholischen: beim Pomp und Prunk ist das New York unschlagbar – und ein Ort, an dem das Kaffeehaus selbst zur Kunst wird!

Diesmal haben mich besonders beeindruckt:

Windrose.Rocks

Jürgen’s Fotowelt

Hallöle

Wanderlustig

Royusch-unterwegs

Sailing-escape

Jetzt eine schöne Melange?

Ja gerne! Lass uns zusammen einen gemeinsamen Kaffeehausmoment erleben! Wenn Dir mein Beitrag gefallen hat, dann freue ich mich über ein kleines Trinkgeld!

1,70 €

32 Gedanken zu “Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Kunst

  1. Vielen Dank Tom, dass du wieder mit einem sehr interessanten Beitrag und einem tollen Bild vom New York kávéház in Budapest bei meiner „Kunst“-Challenge dabei bist 😊
    Liebe Grüße und habe noch eine schöne Woche
    Roland

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  2. Ein ganz bezauberndes Foto dieses Budapester Kaffeehauses und insgesamt ein Kunstwerk, das ich leider selbst noch nie besuchte, obwohl ich bei Urlauben in Ungarn schon mehrmals auch in Budapest war.
    Liebe Grüße von Hanne und komm gut in die Woche 🍀

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  3. Was für ein wunderbares Kaffeehaus! Traumhaft schön, spektakulär und wahrlich beeindruckend. Da würde ich zu gerne einmal sitzen und nicht nur den ganz sicher hervorragenden Kaffee, sondern insbesondere auch das ganze Anbiente drumherum genießen!!

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  4. Dagegen verblassen selbst die Wiener Kaffeehäuser, und ich dachte die sind unschlagbar! Ganz klar handelt es sich hier um ein Gesamtkunstwerk. Aber den vorgegebenen Begriff „Kunst“ auf so unterhaltsame und informative Weise mit Kaffee zu kombinieren, ist allerdings auch eine Kunst. 🙂

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    1. Oh danke! Ich liebe die österreichischen Kaffeehäuser, wie das Tomaselli und das Bazar in Salzburg, das Katzung, das Sacher und das Central in Innsbruck, das Traxlmayr und das Glockenspiel in Linz und natürlich das Sacher, das Central, das Goldegg und das Gloriette in Wien. Trotzdem läuft ihnen das New York den Rang ab. Vielleicht, weil es einer der wenigen übriggebliebenen Kaffeetempel aus der Gründerzeit ist, ein beinahe sakraler Ort mit zahlreichen Räumen auf mehreren Etagen – und trotzdem gut besucht! Das angemessen zu beschreiben ist dann schon – fast – keine Kunst mehr…

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