Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Textur

Mein achter Beitrag für die Fotochallenge von ROYUSCH-UNTERWEGS. Er schreibt in seinem Blog: „Bei diesem Projekt soll des darum gehen, dass ich einmal pro Woche (Sonntags) einen Begriff vorgebe und Ihr dann die Woche über Zeit habt für Euch einen Beitrag zu erstellen und auf meinen zu verlinken; aber das kennt Ihr ja schon. Auch für dieses Projekt gilt: keiner muss, jeder kann und wie immer nur ein Bild. Hier jetzt der zwölfte Begriff, der lautet: TEXTUR (Oberflächenattribut).“

Und weiter: „Die Textur, ursprünglich aus dem lateinisch textura = Gewebe, ist eine Beschreibung der Beschaffenheit von Oberflächen, die ursprünglich aus der Textilindustrie stammt. Der Textur.

Der Begriff findet vor allem Verwendung in der Herstellung von Baumaterialien und Gebrauchsgegenständen, aber auch in der Malerei. Von Interesse sind hier einerseits optische und ästhetische Merkmale, andererseits die haptischen Eigenschaften.

Hier mal ein paar Beispiele zur Bedeutung des Begriffs Textur:

  • bildungssprachlich (die dramaturgische Textur des Stücks)
  • in der Geologie (räumliche Anordnung und Verteilung der Teile, aus denen sich das Gemenge eines Gesteins zusammensetzt)
  • in der Chemie, Technik (gesetzmäßige Anordnung der Kristallite in Faserstoffen und technischen Werkstücken)
  • in der Botanik (Struktur, Gefüge der pflanzlichen Zellwand)
  • in der Computergrafik (Oberflächenstruktur eines grafisch dargestellten Objekts)“

Für mich immer eine doppelte Herausforderung. Schließlich muss ich den Begriff der Challenge mit dem Thema meines Blogs kombinieren, nämlich Kaffee. Tatsächlich gibt es den Begriff der Textur auch dort. Doch um das zu beschreiben muss ich etwas weiter ausholen.

Wer sich mit den Feinheiten des Kaffees beschäftigt, der wird früher oder später auch dem Begriff Textur begegnen. Entlehnt wurde der Begriff – wie übrigens vieles was die Sensorik beim Kaffee betrifft – aus der Welt des Weines. Das kommt vor allem daher, dass man sich schon viel länger mit der Entfaltung von Aromen im Wein befasst. So ist der Beruf des Sommeliers als Weinkellner – also jemand mit besonderen Kenntnissen über Wein – schon lange ein feststehende Begriff, während der Kaffee-Sommelier ein relativ neues Berufsbild ist.

Viele Dinge, wie etwa das Aromarad, kommen also ursprünglich vom Wein und auch die Herangehensweise Kaffee und seine Aromen zu bestimmen wurde von dort übernommen. Aromen sind sowohl das Resultat einer langen Kette biochemischer, önologischer als auch anbaulicher Vorgänge. Dabei ist Kaffee tatsächlich um einiges komplexer als Wein. Die Zahl bislang identifizierter Aromen beziehungsweise Aromavorstufen liegt beim Wein bei etwa 500, beim Kaffee hingegen geht man mittlerweile von 800 bis 1.000 verschiedenen Aromen aus.

Übernommen wurde auch der Begriff der Textur. Als Textur wird in der Organoleptik allgemein das Mundgefühl – englisch mouth feeling – also Beschaffenheit, Struktur, Adstringenz und Zusammensetzung von Weinen oder eben Kaffees bezeichnet und speziell, wie das jeweilige Getränk in der Mundhöhle sensorisch wahrgenommen wird. Organoleptisch bedeutet „erregend auf ein Sinnesorgan“, „Sinne und Organe berührend“ beziehungsweise „erregend auf einen sensorischen Rezeptor“.

Wie immer, wenn es um die Schwierigkeit geht, ein sensorisches Erlebnis verbal zu vermitteln, verwendet die Weinsprache blumige und griffige Bezeichnungen, um die Textur eines Weines anschaulich zu beschreiben. Trocken, samtig, lieblich, voll, seidig, tiefgründig, leicht, harmonisch oder vornehm mögen hier als Beispiele herhalten. Die Schwierigkeit liegt darin ein subjektives Erlebnis, eine persönliche Wahrnehmung zu beschreiben und für jemand anderen verständlich und nachvollziehbar zu machen.

Beim Kaffee ist das nicht anders. Die Textur ist der Körper eines Kaffees. Es ist das Gefühl, dass der Kaffee im Mund ergibt. Es ist die Viskosität, das Gewicht oder die Stärke, die auf der Zunge wahrgenommen wird. Bemerkenswert ist, dass es in diesem Bereich erhebliche Unterschiede gibt. In „The Coffee Dictionary“ schreibt Maxwell Colonna-Dashwood: „Es ist interessant zu bedenken, dass man einen leichten Körper mit einem frischen Mundgefühl oder einen vollen Körper mit einem saftigen Mundgefühl beschreiben könnte.“

Körper ist also nicht etwas, das man schmeckt, sondern eine Empfindung, die man fühlt. Es kann jedoch den Gesamtgeschmack eines Kaffees beeinflussen sowohl negativ als auch positiv. Dies liegt daran, dass Geschmack eine Kombination aus vielen Faktoren ist. Aroma, Textur, Würze, Vorlieben, Duft und sogar eine Momentaufnahme haben Einfluss auf das Geschmackserlebnis. Wenn ein Kaffee eine sirupartige Konsistenz aufweist und deshalb länger auf der Zunge verweilt, bleibt mehr Zeit um den Kaffee zu analysieren. Die Geschmacksnoten erscheinen intensiver. Wenn hingegen ein wässeriger Kaffee schnell von der Zunge abperlt, befinden sich darin auch weniger gelöste Stoffe. Die geringe Intensität und ihre kurze Verweilzeit führen dazu, dass die Geschmacksnoten nur unzureichend wahrnehmbar sind.

Die Qualität des Mundgefühls – also die Textur – spielt in der sensorischen Beurteilung eines Kaffees eine wichtige Rolle. Selbst wenn ein Kaffee tolle Aromen und komplexe Säuren aufweist – wenn das entsprechende Mundgefühl fehlt, ist der Kaffee weniger ansprechend und die Geschmacksnoten weniger erkennbar.

Herhalten für diesen Exkurs musste ein Bild von meinem letzten Besuch der Hamburger Speicherstadt und der gleichnamigen Rösterei vor drei Jahren. Verkostet habe ich dort einen Cappuccino mit der Tagesempfehlung, dem Espresso „Il Gusto“. Die Produkt-Beschreibung der Speicherstadt Kaffeerösterei zeigt anschaulich, wie man versucht einen Kaffee und seine Textur zu erklären: „Ein unvergleichliches Genusserlebnis beschert dieser kraftvolle Spitzen-Bio-Espresso Il Gusto. Die Kombination hoch-qualtitativer Bio-Robustabohnen aus Indien, gepaart mit Arabicasorten aus Papua-Neuguinea und Brasilien, verleihen dem Kaffee langanhaltendes Aroma und vollmundiges Geschmackserlebnis. Seine aromatischen Noten erinnern an Kakaonibs, Trockenfrüchte und einem Hauch Zedernholz. Im Nachgeschmack setzt sich eine Note von Bitterschokolade und Sauerkirsche durch. Bei idealer Zubereitung des Il Gusto erhält man, unter anderem durch den Anteil an Robustabohnen eine sehr feinporige, haselnussbraune und sehr stabile Crema.“

Auch zeigt das Bild die feine Textur aufgeschäumter Milch sowie ein schönes Beispiel für „Latte Art“, also eine Spielerei mit den verschiedenen Texturen von Milchschaum und Espresso. Mehr Textur in einem Bild geht nicht.

 

Quellen: Wikipedia, Kaffeemacher:innen (Schweiz), Handcraft-Coffee, The Coffee Dictionary.

Mich haben diesmal besonders beeindruckt:

one photo a day

Hallöle

Mein neuer Fotoblog

 

Jetzt ein leckerer Espresso mit feiner Textur?

Ja, gerne. Lass uns gemeinsam einen Espresso trinken. Wenn Euch mein Beitrag gefallen hat freue ich mich über Eure Unterstützung.

1,70 €

20 Gedanken zu “Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Textur

      1. Für mich der Spezialist unter den Spezialisten !!
        Du wärst für mich ein Kandiat für Wetten Das ! Gibt es ja nicht mehr aber da hättest du als Kaffeekenner bestimmt mitmachen können. So nach dem Motto “ Ich erkenne am Geschmack 20 verschiedene Sorten “ oder so ähnlich !

        Gefällt 1 Person

  1. Vielen Dank Tom, für deinen sehr interessanten Beitrag zu meiner „Textur“-Challenge 😊
    Ich habe wieder einiges zum Thema Kaffee dazugelernt. Für mich war Kaffee immer „nur“ ein Getränk, welches der eine oder andere gerne zu sich nimmt, aber dass da so eine Wissenschaft dahinter steht, war mir neu.
    Also noch mal recht herzlichen Dank auch für dein sehr schönes Textur-Bild.
    Liebe Grüße
    Roland

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr wissenswert und informativ. Ich hätte nicht geglaubt, was für einen Einfluss die Textur, in dem Fall Viskosität und Mundgefühl, auf das Geschmacksempfinden eines Getränks haben können…

    Gefällt 1 Person

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