Unfreiwilliges Ende von Emilo Spezialitätenkaffee

Es ist weder Corona, noch die gestiegenen Energiekosten, weder Fachkräftemangel, noch Überschuldung. Es ist eine plötzlich angesetzte Zwangsräumung durch den neuen Vermieter, die Emilo Spezialitätenkaffee zum Aufhören zwingt. In der Pressemeldung „emilos Herz hört auf zu schlagen!“ vom 21.12.2022 steht: „Hintergrund für dieses plötzliche Aus ist, dass die Räumlichkeiten unserer Rösterei – das Herzstück von emilo – trotz bestehenden und langfristigen Mietvertrag durch eine Immobilienentwicklungsgesellschaft als neue Eigentümerin des Grundstücks, mehrere Jahre vor Ende der vereinbarten Laufzeit gekündigt wurden und sich diese nunmehr entschieden hat, trotz des daraus resultierenden und noch nicht beendeten Rechtsstreits sowie intensiv geführter Vergleichsgespräche, in für uns nicht nachvollziehbarer Weise und letztendlich völlig überraschend am 19.01.2023 die Zwangsräumung (juristisch: Besitzeinweisung) durchführen zu lassen.“

Und weiter: „emilo muss durch die Vorgehensweise der Fa. neuplan seinen Betrieb aufgeben und bedauerlicherweise aus diesem Grund sämtliche Mitarbeiter entlassen. Dabei war emilo ein gesundes Unternehmen, das nicht nur die letzten Krisen erfolgreich im Team gemeistert hatte! Während Corona ruhten wir keinen Tag und waren gemeinsam immer für die Mitarbeiter, Gäste, Kunden und Lieferanten da. Trotz des Krieges in Europa und den dadurch bedingten Rohstoffengpässen, kam es bei emilo dennoch nie zu einem Lieferverzug. Kurz um kann man sagen, uns wurde durch die Vorgehensweise unserer Vermieterin leider sprichwörtlich der
Stecker gezogen. (…)

neuplan selbst beschreibt die Unternehmensgrundsätze, auf der Startseite ihrer Website wie folgt: „Wir entwickeln Gewerbeimmobilien die Ästhetik, Ökologie, Technologie und soziale Verantwortung auf ganzheitliche Weise vereinen.“ Wie sozial dieser Immobilienentwickler „neuplan“ wirklich ist, wurde uns nach dem Eigentümerwechsel schnell klar. neuplan kaufte zwar das Objekt samt einem langfristigen Mietvertrag mit emilo, doch hatte der neue Vermieter von Anfang an nur Eines im Sinn: Das in einem einwandfreien Zustand befindliche Bestandsgebäude, in dem sich unsere Rösterei befindet, schnellstmöglich
abzureißen und auf dem Grundstück frühestmöglich einen „nachhaltig – zertifizierten“ Neubau einer Gewerbeimmobilie zu errichten (…)

Neben dem Klageverfahren und zahlreichen anwaltlichen Schriftsätzen wurden gerade in letzter Zeit intensive und fortwährende Vergleichsgespräche geführt, um eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Im Rahmen der zahlreichen Telefonate und auch persönlichen Gespräche mit den Geschäftsführern der neuplan wurde mit keinem Wort erwähnt, dass die Zwangsvollstreckung eingeleitet wurde. Dies haben wir selbst erst wenige Tage vor Weihnachten durch die Ankündigung der Gerichtsvollzieherin erfahren. Die neuplan hat damit Fakten geschaffen und scheint damit ihr eigentliches Ansinnen, den schnellstmöglichen Abriss unserer Produktionsstätte, voranzutreiben. (…)

Wir bedauern dies ausgesprochen – vor allem vor dem Hintergrund, dass wir emilo mit der Idee und dem Wunsch betrieben haben, Menschen mit dem Genuss von hochwertigem und gutem Kaffee, Freude zu schenken. Zumindest ist uns dies über die letzten mehr als zehn Jahre gelungen und wir durften gemeinsam mit Euch sehr viele herrliche Momente erleben. Aus diesem Grund werden wir auch immer gerne mit einem großen Lächeln an diese Zeit zurückdenken. So sind auch die gemeinsamen Erfolge unzählig, allen voran der Titel der Besten Kaffeerösterei 2018 – dem „Röster des Jahres“.“

Investor Neuplan stellt indess die Geschichte gegenüber der Süddeutschen Zeitung anders dar: „Im Zuge dieser Projektentwicklung ist Neuplan auf sämtliche Bestandsmieter der Altgebäude zugegangen, um in einem offenen konstruktiven Dialog über eine vorzeitige Beendigung der gewerblichen Mietverhältnisse und damit einhergehenden Konditionen zu sprechen“, heißt es in einer Mitteilung. Emilo-Geschäftsführer Clemm habe sich einem sinnvollen Austausch verschlossen und eine angebotene Ersatzfläche ausgeschlagen, steht dort außerdem. Und auch, dass ihm eine sechsstellige Abfindungssumme angeboten worden sei. „Wir sind nach wie vor verhandlungsbereit und wundern uns über diese Eskalation“, sagt ein Sprecher von Neuplan. Neuplan sehe auch keinen direkten Zusammenhang zwischen der Geschäftsaufgabe und dem Mietstreit.

Neuplan erklärt, Emilo-Chef Clemm habe offensichtlich von sich aus entschieden, die Vergleichsgespräche abzubrechen. Emilo hätte außerdem die Möglichkeit gehabt, mehrere Monate länger in den Räumen zu bleiben. Dem entgegen steht die Beauftragung einer Gerichtsvollzieherin und der auf den 19.01.2023 festgesetzte Zwangsräumung. „Einen Produktionsbetrieb wie eine Rösterei kann man nicht einfach ausräumen wie einen Schreibtisch. Das ist rein technisch gar nicht möglich“, sagt Emanuel Clemm gegenüber der SZ. Allein, um die großen Maschinen abzubauen, müsse er eine Spezialfirma beauftragen, die hätten lange Vorlaufzeiten. „Wir suchen schon seit dem Zeitpunkt der Kündigung händeringend nach einem Alternativstandort“, sagt Clemm.

Die angebotene Summe reiche vielleicht für die Mietdifferenz, aber das löse das grundsätzliche Problem am Gewerbemietmarkt nicht. Bei seinem Umzug von Haidhausen in die ehemaligen Togalwerke in Berg-am-Laim hatten alleine die Beschaffung der zum Betrieb nötigen Genehmigungen ein Jahr in Ansprung genommen. Der Mietvertrag mit dem früheren Besitzer Togal wäre eigentlich noch bis Anfang 2024 gelaufen. So lange möchte der neue Investor offenbar nicht warten. Clemm blieb, nach eigenem Bekunden, nur die Betriebsaufgabe, die die Läden im Glockenbachviertel und Westend eingeschlossen. „Da ist eine Dynamik reingekommen, die es mir nicht mehr möglich macht, meinen Verpflichtungen nachzukommen“, sagt er. Er sei verantwortlich für die 30 Mitarbeiter, aber auch den Kunden gegenüber und wolle das Geschäft ordentlich abwickeln. Coffeenewstom bedauert das unvermittelte Ende von Emilo sehr!

Quellen: Pressemeldung, Süddeutsche Zeitung, tz, Abendzeitung, neuplan.com. Bildrechte: Coffeenewstom. Schreibweise der Pressemitteilung beibehalten, insbesondere der Kleinschreibung.

2 Gedanken zu “Unfreiwilliges Ende von Emilo Spezialitätenkaffee

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