Wie die DDR das sozialistische Bruderland Vietnam zum Kaffee-Exporteur No. 2 machte.

Denken wir an Kaffee, dann fallen uns zuerst die Anbaugebiete in Südamerika und Afrika ein. Bei Asien hingegen denken wir an Tee. Zu Unrecht! Immerhin ist Vietnam Kaffeeproduzent Nummer zwei auf dem Weltmarkt, gefolgt von Indonesien mit seinen Kaffee-Inseln Sumatra, Sulawesi, Timor und und Java auf Platz drei. Indien belegt den sechsten Platz und selbst Thailand schafft es auf den 21. Rang knapp hinter den Wirtschaftsriesen China. Und Kaffee wird in diesen Ländern nicht nur angebaut sondern auch getrunken.

Coffee Producer

Mitte des 19. Jahrhunderts brachten französische Missionare die ersten Arabica-Pflanzen nach Vietnam. Gerade in der südlichen Hochland-Provinz Đắk Lắk findet der Kaffee auf 600 Metern Höhe ideale Voraussetzungen. Zum großen Aufschwung kam es allerdings erst nach dem Vietnamkrieg. Das sozialistische Bruderland DDR brauchte dringend Kaffee. Die Nachfrage dort ließ sich kaum befriedigen – vor allem nicht ohne wertvolle Devisen aus dem Westen dafür zu opfern. Gleichzeitig erkannt die Sozialistische Republik Vietnam die Chance mit dem Kaffeehandel die eigene Wirtschaft anzukurbeln.

Man setzte dabei allerdings mehr auf Masse als auf Qualität und entschied sich für den großflächigen Anbau von Robusta, der auch heute noch 95% der Kaffeeproduktion ausmacht. Innerhalb weniger Jahre löste Vietnam Kolumbien als zweitgrößten Kaffeeproduzenten ab. Auch, wenn die DDR inzwischen als Handelspartner ausfällt, die damaligen Investitionen des Arbeiter- und Bauernstaats wirken bis heute nach, denn nur sie ermöglichten den großflächigen Kaffeeanbau. Mittlerweile steigt auch die Qualität der Handelsware, verbunden mit einer langsamen Umstellung auf die hochwertigere Arabica-Bohne.

enjoying hot vietnamese black coffee on a restaurant terrace in Sapa

 

Süß muss er sein und aromatisch. Sagt ein Vietnamese Ca Phe Sua Da, dann meint er ein süßes, etwas cremiges Getränk, dass oft auch kalt oder mit Eiswürfeln getrunken wird. Zubereitet wird Ca Phe mit einem kleinen Metallfilter, dem Phin, durch den er langsam direkt in die Tasse tropft. Gesüßte Kondensmilch sorgt für die gewünschte cremige Konsistenz. Diese Vorliebe für süßen, aromatischen Kaffee eröffnete der inländischen Produktion ganz neue Möglichkeiten für neue Kaffeesorten. Eine Rösterei, die das frühzeitig erkannt hat, ist Trung Nguyên, ein Unternehmen, dass in nur zehn Jahren den asiatischen Markt erobert hat.

 

Bildrechte: eyegelb/fotolia.com, Melinda Nagy/fotolia.com, Grafik: jennyb79/fotolia.com.

2 Gedanken zu “Wie die DDR das sozialistische Bruderland Vietnam zum Kaffee-Exporteur No. 2 machte.

  1. Das wusste ich nicht, danke. Schon, dass der echte Kaffee knapp und teuer war und wer Westpäckchen bekam, immer angab mit dem „guten Bohnenkaffee“. Statt Apfelsinen hatten wir grün-gelbe, trockene „Kuba-Orangen“, aber dass der Kaffee aus Vietnam kam, war (mir) nicht bekannt. Aber vielleicht war ich auch zu jung und noch keine richtige „Kaffeetante“ , die das interessiert hätte.

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