Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Patmos – von Riesen, Einhörnern und vergangenen Kulturen

Meine erste Reise hierher lag ja nun schon 30 Jahre zurück. Was mich anfangs erstaunte, dass ich mich kaum an die besuchten Orte erinnern konnte. Pythagorio und Vathi auf Samos? Erinnerungen gelöscht! Keine Chance die Orte von einst, an denen ich bereits gewesen sein muss, wieder zu finden. Ganz anders auf Patmos! Schon das markante Hafengebäude war mir vertraut. Und auch später entdeckte ich mir bekannte Orte wieder. So, wie diese Felsformation, die mitten im Südteil der Insel liegt. Ich war schon damals, also vor 30 Jahren davon überzeugt, dass das eine Burg gebaut von Riesen gewesen sein muss. Merkwürdig nur, dass es dazu nicht die geringste Überlieferung gibt.

Was aber überliefert ist, dass über der Stadt Skala einst eine beeindruckende Akropolis gewesen sein muss – ein Aspekt der Insel, der bis jetzt in keinem Reiseführer Erwähnung findet. Darauf gekommen bin ich nur deshalb, weil vor meinem Hotel ein Wegweiser mit der Aufschrift „Kastelli 25 Minuten“ stand. Der Name Kastelli ist fast immer ein Hinweis darauf, dass hier schon früher eine Siedlung oder Festung gestanden sein muss. Hier verbringt sich dahinter wohl die wichtigste archäologische Stätte von Patmos, wo Ruinen der antiken Akropolis und Fundamente des Tempels von Apollo zu finden sind.

Im Internet finden sich weitere Hinweise: Als natürlich befestigter Hügel erhebt sich Kastelli, die antike Zitadelle von Patmos, westlich von Skala und nördlich von Chora und bietet einen klaren Blick auf drei Buchten: Skala im Osten, Chochlaka im Südwesten und Merika im Norden, während sich am Horizont die Inseln befinden von Naxos und Ikaria, ein sensationeller Blick, der die Wahl der alten Bewohner der Insel erklären, hier ihre Zitadelle zu errichten.

Einige Funde, die oben auf dem Berg gemacht wurden, zeigen, dass es bereits eine Wohnanlage aus der Bronzezeit – etwa 1600 bis 1100 v. Chr., gab. Gleichzeitig weisen Funde aus geometrischer, klassischer, hellenistischer und römischer Zeit auf die fortgesetzte Nutzung des Hügels über alle historischen Perioden hinweg also vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Heute sind noch sichtbar die beeindruckenden Überreste der Festung aus dem Ende der klassischen Periode, die beim Aufstieg auf Skala sichtbar werden. Auch ist ein Tor mit sechs Stufen erhalten.

Auch sind die Entfernungshinweise im Internet etwas zuverlässiger, denn dort ist von drei Kilometern und etwa anderthalb Stunden die Rede. Allerdings ist der Weg dorthin weder ausgebaut noch beschildert. Außerdem muss man über ein fremdes Grundstück. Auch in den wenigen Geocaching-Beiträgen zu dem Thema wurde genau das bemängelt. Doch der Reihe nach. Für die, des es vielleicht einmal versuchen wollen hier eine einfache Wegbeschreibung. Ausgangspunkt ist das Hotel Effie, nur folgen wir nicht dem Wegweiser nach links, sondern gehen rechts am Hotel vorbei.

Schon nach wenigen Metern gehen rechter Hand Treppen noch oben. Es hilft nichts, da muss man ganz hinauf. Jetzt darf man sich nicht verwirren lassen, den der auf Google Maps noch eingezeichnete Weg nach links existiert nicht mehr. Das bedeutet wir müssen rechts und gegen den Uhrzeigersinn ganz um den Hügel herum. Nach dem Erreichen eines kleinen Ziegen- und Hühnerstalls folgen wir dem Weg weiter nach links und auf ein Tor zu. Dort wies mir übrigens ein Einhorn den richtigen Weg. Wie es dahin gekommen ist, verschließt sich mir allerdings. Vielleicht gehörte es ja zu den Riesen…

Im ersten Anlauf hatte ich mich nicht getraut durch das Tor zu gehen. Was mich zu einem weiteren Umweg und sinnloser Kletterei verurteilte. Von Einheimischen weiß ich aber inzwischen, dass das Durchqueren dieses Grundstücks durchaus üblich ist. Jetzt folgt man dem Weg, bis dieser sich gabelt. Halb links geht es zu einem mit Alarmanlagen gesicherten Grundstück, rechts geht der Weg weiter den Hügel hinauf. Jetzt muss man nur noch auf diesem Weg bleiben. Es geht an einem steinernen Stall vorbei, an Windschutzmauern vorbei und schließlich auf einen weiteren Steinbau zu. Von hier kann man eine kleine Kapelle sehen und ist schon fast am Ziel.

Schon von etwas weiter unten kann man nämlich am Gipfel bereits die ersten Steinfundamente ausmachen. Doch erst von ganz oben zeigt sich ein klareres Bild. Von der Akropolis sind noch Fundamente und einige Stufen auszumachen und auch von der Festung sind noch Grundmauern erhalten. Jetzt sind natürlich Vorstellungskraft und etwas Phantasie gefragt. Trotz des streckenweise sehr mühsamen Aufstiegs wird der Wanderer für alle Mühen belohnt, denn einen besseren Ausblick auf eine unvergleichliche Landschaft gibt es auf der ganzen Insel nicht. Und etwas Abenteuer gibt es gratis mit dazu.

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