Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Landung auf Patmos

Patmos, heilige Insel, die Insel der Apokalypse, das Jerusalem der Ägäis, religiöser und spritueller Anziehungspunkt für eine wachsende Zahl von Christen.

1802 schrieb der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin:

„Und da ich hörte
Der nahegelegenen eine
Sei Patmos,
Verlangte mich sehr,
Dort einzukehren und dort
Der dunkeln Grotte zu nahn.“

Das Gedicht heißt schlicht „Patmos“ und enthält die zum Sprichwort gewordenen Verse:

„Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.“

Während Hölderlin nie auf Patmos war, nähere ich mich der Insel schon zum zweiten Mal – das erste Mal liegt über 30 Jahre zurück – auf dem einzig möglichen Weg: per Schiff. Patmos hat keinen Flugplatz. Und so wird schon die Ankunft zum Erlebnis. Sanft steigt die karge Insel aus dem morgendlichen Dunst herauf und schon bald sieht man auf dem höchsten Punkt der Insel, so scheint es, die tausendjährigen Mauer des Klosters, dass die ganze Insel zu beherrschen scheint: das Kloster des Heiligen Johannes des Theologen.

Die Kargheit täuscht nicht: nicht ist Patmos in der Lage seine Bewohner selbst zu versorgen. Es gibt kaum Bäume, nur die typische Phrygana bedeckt das Land. Einst war Patmos die Insel der Göttin Artemis. Schon in der Antike lebten hier Menschen. Die Ruinen auf dem Berg Kastelli belegen das. Doch bald naht ein neuer Gott: Johannes der Evangelist wurde im Jahr 96 vom damaligen Kaiser Domitian nach Patmos verbannt, weil er gepredigt hatte. Hier hörte, sah und schrieb der Lieblingsjünger des Herrn in einer dunklen Höhle die Offenbarungen, die wir als Apokalypse kennen. „Ich, euer Bruder Johannes, (…) ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.“ So beginnt die Schrift.

Die weltlichen Herren kamen und gingen: 1204 die Venezianer, 1309 eroberten die auf Rhodos ansässige Ritter des Johanniterordens die Insel. Als 1453 Konstantinopel fiel und Byzanz unterging, wurde Patmos dem osmanischen Reich zugesprochen, behielt aber weitestgehend seine Freiheit und wurde nicht türkisch besiedelt. Das zog zahlreiche griechische und christliche Flüchtlinge an: 1433 kamen Siedler aus Konstantinopel, wo bis dahin eine große griechische Gemeinde gab. 1522 kamen Flüchtlinge von Rhodos und Kreta.

Erst 1669 wurde Patmos türkisch und blieb es, bis sich 1912 die Italiener die Insel aneigneten. Aus der italienischen Zeit stammen der Hafen und auch die Hafenverwaltung mit Polizeistation, Zoll und Postamt. Die weißen Gebäude fallen einem sofort ins Auge, sobald man das Schiff verlässt. Doch erst muss man ankommen. Langsam schiebt sich das Schiff, die Dodekanisos Pride, an der Landzunge entlang – Untiefen wurden schon manchem Seefahrer hier zum Verhängnis – bis die den Blick auf den Hafen freigibt, der weiß zu leuchtend scheint auf der braunen Insel. Ehrfürchtig gibt jedes sich nähernde Schiff zwei Mal Signal, bevor es in den Hafen einläuft. Nur hier tun sie das, zu Ehren der heiligen Insel, wie sie mit Parlamentsbeschluss seit 1983 offiziell heißt.

Doch kaum auf der Insel reißt mich der lebendige Strudel der Hafenstadt Skala mit. Plötzlich Verkehr und Leute und Lärm. Schwer nur kann ich mich von dem Zauber, der mich noch vor Augenblicken fesselte, lösen. Heiß ist es plötzlich, staubig und laut. Und doch bin ich froh und dankbar wieder hier zu sein – und gespannt darauf welche Abenteuer hier auf mich warten…

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