Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Paleo Karlovasi

Zuerst schlängelt sich die Straße steil den Berg hoch, macht dann eine Spitzkehre und verläuft weiter auf dem Sattel dieses Berges. Riesige Bäume stehen hier am Rand der Straße, darunter Platanen, Maulbeerbäume und Lorbeerbäume. Dazwischen tummeln sich bunte Oleanderbüsche und Feigenbäume. Der Name der Straße – Agiou Ioannou Prodromou Straße – erinnert an ein Kloster, dass hier früher existiert haben muss.

Dann scheint der Weg schmaler zu werden und an dem kleinen Platz mit dem Kafenio ist dann auch Schluss. Mag meine 125er mich auch bisher auf jeden Berg gebracht zu haben, Treppen gehen mit ihr nicht. So geht es Stufe um Stufe aufwärts bis zum höchsten Punkt des Dorfes, an dem, wie könnte es anders sein, eine Kirche steht.

Glaubt man den Chronisten, dann war das Dorf früher vom Meer aus gar nicht zu sehen. Zu groß war die Angst vor Seeräubern und anderen Angreifern. So versteckte man sich oben in den Bergen. Auch zeigt nur ein kleiner Wegweiser den Weg hinauf ins „alte Dorf“. Erst, als man sich sicherer fühlte, errichtete man an exponierten Stellen Kirchen. Davon gibt es gleich mehrere auf dem Hügel der Triada, dem Hügel der Dreifaltigkeit.

Die Kirche an der Spitze ist tatsächlich neueren Datums und wurde erst vor wenigen Jahren erbaut. Sie ist als einzige von weithin sichtbar. Natürlich geht das auch in Gegenrichtung: von der Kirche hat man den wohl besten Blick auf den Hafen und die Stadt. Der kleine Platz mit den übrigens jahrhundertealten Platanen hat einen Spitznamen. Er wird inoffiziell mikro Parisi, klein Paris genannt.

Der ehemalige Erzbischof von Samos, Iōsēph Geōrgarinēs, berichtet in seiner Schrift aus dem Jahr 1677 von der Umgebung und von der Stadt Karlovasi, die er als größte Stadt der Insel Samos bezeichnete. „Höher auf dem Berg, gegenüber dem Dorf Leka, befindet sich das Kloster der Mönche des Elias. In ihm leben Männer aus allen weltlichen Berufen… Sechs Meilen von hier, in Richtung Megalocampos (er meint Marathokambos), liegt Carlovasy, die größte Stadt der Insel, neben Megale Chore (heute Chora).

Es liegt etwas vom Meer entfernt gegenüber von Sio und dem Schloss von Siatsky (?) auf dem asiatischen Kontinent (Kleinasien). Der Ort besitzt nicht weniger als 500 Häuser und 5 Kirchen. Die Einwohner sind die reichsten auf dieser Insel, vorwiegend aufgrund ihrer Verbindungen über die See nach Sio, Smyrna, Chios und anderen Orten. Ihr Haupthandelszweig besteht aus dem Anbau und dem Verkauf von Zwiebeln und dem Muskatwein.“

Man nimmt an, dass die Byzantiner hier einen militärischen Stützpunkt errichtet hatten, zumindest lassen die Überreste der Festung, deren Besuch mir ja verwehrt wurde, darauf schließen. Später könnten die Genueser das kleine Kastell übernommen haben. Die schützten aber nur das, was aus wirtschaftlichen Aspekten wertvoll war, weshalb man durchaus davon ausgehen darf, dass diese Region damals vom Weinanbau profitierte.

Aus heutiger Sicht mag der Weg vom Dorf in der Höhe in die Niederungen des Hafens mühsam erscheinen (und tatsächlich wandern immer mehr Familien aus den Höhendörfern in die Ebenen ab!), es ist trotzdem auch im 21. Jahrhundert noch etwas Besonderes über den Köpfen der anderen zu leben. Ich jedenfalls habe meinen Besuch hier sehr genossen.

Quellen: Wikipedia, insel-samos.net.

2 Gedanken zu “Samiotisches Kaffee-Tagebuch: Paleo Karlovasi

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