9-Euro-Ticket-Tours: Augsburg – Confiserie Euringer

Vom Augsburger Stadtmarkt ist es nur ein Katzensprung zum Rathausplatz. Hier wird gerade eine Art Arche gezimmert. Etwas zu pessimistisch, meiner Meinung nach. Für einen entspannten Kaffee auf diesem historischen Platz aus dem 17. Jahrhundert aber eindeutig zu laut. Nutzen wir die Gelegenheit aber für einen Blick auf die bewegte Geschichte der Stadt.

Augusta Vindelicum wurde um das Jahr null vom ersten römischen Kaiser Gaius Octavius genannt Augustus gegründet. Neben einem Militärlager gab es schon in der Anfangszeit bereits eine zivile Siedlung. Demzufolge wäre Augsburg nach Trier eine der ältesten Städte Deutschlands. Gesichert ist, wann ihr das Stadtrecht verliehen wurde, nämlich im Jahr 121 durch Kaiser Hadrian. Schon damals war der Ort verkehrsgünstig gelegen: die Via Claudia Augusta verband Augsburg mit Rom, die Allgäustraße verlief von Oberitalien über Bregenz bis nach Mainz und die Via Julia führte bis nach Salzburg – um nur die wichtigsten Verbindungen zu nennen.

Nach der Teilung der römischen Provinz Raetia im Jahr 294 wurde Augsburg Hauptstadt der Provinz Raetia Secunda, die erste Blütezeit der Stadt, die um 450 jäh endete als die Alamannen einfielen. Funde legen aber nahe, dass die Stadt fortbestand. Aus dieser Zeit stammt allerdings die exklusive Stadtheilige, die heilige Afra, die zu Beginn des dritten Jahrhunderts den Märtyrertod fand und sowohl von der katholischen als auch von der orthodoxen Kirche als Heilige verehrt wird.

Weniger zuverlässig sind da die Quellen über die Entwicklung der Stadt im Mittelalter. Zwischenzeitlich verwüstet erhielt Augsburg 1156 Augsburg durch Kaiser Friedrich Barbarossa wieder das Stadtrecht. 120 Jahre wurde sie sogar zur Reichsstadt erhoben, was in der Folge dazu führte, dass die Patrizierfamilien – am bekanntesten sind wohl die Fugger – mehr und mehr Einfluss gewannen. Zu nennen wären aber dann aber unbedingt noch der Augsburger Religionsfrieden von 1555. Nur 250 Jahre später verlor die Stadt die Reichsfreiheit und fiel an das Königreich Bayern, was die Herrschaft der Patrizierfamilien beendete.

Heute ist Augsburg ist eine kreisfreie Großstadt, Universitätsstadt und Sitz der Regierung des Bezirks Schwaben, hat heute rund 300.000 Einwohnern und ist damit nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt Bayerns. Viel Stadtgeschichte lässt sich schon am Rathausplatz entdecken: der Augustusbrunnen aus der Renaissancezeit weist auf den namensgebenden Stadtgründer hin, der über 1.000 Jahre alte Perlachturm zur Linken ist das Wahrzeichen der alten Reichsstadt und das Rathaus aus dem frühen 17. Jahrhundert steht für die Macht der Patrizier und Bürger.

Links vom Rathausplatz führt „Am Perlachberg“ steil nach unten zur „Stadtmetzg“, einem ehemaligen Schlachthaus, in dessen Schatten die Confiserie Eulinger auf mich wartet. Auch hier lässt sich viel geschichtliches erblicken, wenn auch nicht so altes. Der Gast betritt das angeschlossene Café durch den Laden. Bei der Auswahl an Kuchen und Torten fällt einem die Entscheidung schwer. Dann geht es durch eine Seitentüre weiter ins Café.

Während sich die Stadt weiterentwickelt hat, scheint die Zeit hier stehengeblieben zu sein. Allerdings hat man das Mobiliar gut in Schuss gehalten. Holzvertäfelung und Einrichtung mögen alt sein, alleine sieht man ihnen das Alter nicht an. Gar nicht aus der Zeit gefallen ist die junge, hübsche Bedienung, wohl eine Studentin, die sich hier etwas dazuverdient, die wohl noch etwas üben muss, doch was ihr an Berufspraxis fehlen mag macht sie durch ihre freundliche Art mehr als wett.

Ich nutze die Gelegenheit den hier angebotenen Cappuccino mit Sahne zu bestellen, ein Stück Torte – natürlich wieder etwas mit Blaubeere – habe ich mir bereits beim Betreten des Cafés ausgesucht. Der Kaffee ist vom Dinzler und die Bedienung meint es mit der Sahne wohl etwas zu gut. Der Kuchen ist, wie nicht anders zu erwarten, sehr lecker und zeitgemäß. Beides zusammen ergeben ein perfektes Duo. Fast bedauere ich es bald wieder gehen zu müssen, aber ich will noch etwas von der Stadt sehen…

Quelle: Wikipedia.

2 Gedanken zu “9-Euro-Ticket-Tours: Augsburg – Confiserie Euringer

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