Kaffee – besser als sein Ruf?

Seit Jahren zählt Kaffee zu den Lieblingsgetränken der Deutschen. Die Corona-Krise mit Lockdowns und Homeoffice hat den Verbrauch laut Deutschem Kaffeeverband noch einmal gesteigert – trotz lange Zeit geschlossener Cafés und Restaurants. So stieg der Konsum des aromatischen Bohnengetränks im ersten Corona-Jahr auf 168 Liter pro Kopf, das entspricht rund 1.000 normalgroßen Tassen. Ob gemahlen und gefiltert, als Pad, Kapsel oder löslich: Der beste Ruf geht Kaffee jedoch nicht voraus. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, er schade der Gesundheit. „Zu Unrecht“, sagt Dr. Anja Luci, Ernährungswissenschaftlerin der KKH Kaufmännische Krankenkasse.

Kaffee enthält mehr als 1.000 Inhaltsstoffe, darunter Wasser, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße, Säuren, Alkaloide, Vitamine, Mineral- und Aromastoffe. Der wohl bekannteste darunter ist Koffein, ein Alkaloid, das beispielsweise auch in Schwarztee, Kakao und Schokolade vorkommt. „Koffein blockiert den Botenstoff Adenosin im Gehirn, der Müdigkeit auslöst, und wirkt so als Wachmacher“, erklärt Luci. „Es zählt zu den ältesten von Menschen genutzten Stimulanzien, steigert Antrieb und Konzentration und hellt die Stimmung auf. Profi-Athleten setzen es häufig zur Leistungssteigerung ein.“ Darüber hinaus regt Koffein das Zentralnervensystem an, kann Blutdruck und Herzfrequenz nach 15 bis 30 Minuten erhöhen sowie Kreislauf und Verdauung anregen.

Längst bieten Cafés und Restaurants neben dem klassischen Kännchen Kaffee, Milchkaffee, Espresso und Cappuccino auch Exoten an wie Mochacchino oder Frappuccino. „Kaffee ist Kult“, so Anja Luci, aber: „Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Wer ihn zum Beispiel filtert, nimmt weniger Cafestol und Kaherol auf, da sie im Filter verbleiben. Beide Stoffe können für erhöhte Cholesterinwerte sorgen.“ Weiteres Beispiel: Espresso. „Er ist magenfreundlicher als Filterkaffee, da er weniger Säure enthält.“

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, Kaffee sei ein Flüssigkeitsräuber. Das wurde inzwischen widerlegt, denn seine harntreibende Wirkung ist nur leicht erhöht gegenüber der von Wasser. Und so ist Kaffee ein wichtiger Teil der täglich nötigen Flüssigkeitszufuhr. Wissenschaftlich erwiesen sind eine Reihe weiterer positiver Effekte für die Gesundheit. Demnach soll Kaffee unter anderem das Risiko für Diabetes Typ 2 und damit auch für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken, entzündungshemmend wirken, durch enthaltene Antioxidantien Schädigungen durch freie Radikale reduzieren und somit vor Darm-, Leber- und Gebärmutterhalskrebs schützen. Das gilt vor allem, wenn Kaffee nicht kochend heiß getrunken wird.

Damit Kaffee seine positive Wirkung entfalten kann, ist ein moderater Konsum entscheidend. „Für gesunde Erwachsene sind bis zu vier Tassen Filterkaffee am Tag okay“, sagt Ernährungs-Expertin Luci. „Bluthochdruckpatienten, Schwangere und Stillende sollten nicht mehr als zwei Tassen täglich trinken.“ Wie Kaffee bei jedem einzelnen wirkt, ist individuell verschieden und hängt auch von der Sorte des Kaffees, seiner Röstung und Zubereitung ab. Eine Tasse Kaffee enthält zwischen 40 und 120 Milligramm Koffein. Wie lange es im Körper wirksam ist, ist unterschiedlich und auch genetisch bedingt: im Schnitt vier Stunden – bei Frauen meist deutlich länger als bei Männern. Insgesamt wirkt Kaffee bei denen, die ihn regelmäßig trinken, weniger stark als bei Gelegenheitsgenießern.

Bildrechte: Titel-Image by mohamed Hassan from Pixabay, Kaufmännische Krankenkasse, Image by Sammy-Sander from Pixabay; Quelle: Kaufmännische Krankenkasse.

4 Gedanken zu “Kaffee – besser als sein Ruf?

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