Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: korfiotische und griechische Küche II

Kommen wir gleich zum dritten Abend meines Korfu-Aufenthaltes. An diesem Kehre ich in der Taverna Mythos ein. Sie nimmt unter den Restaurants in Gouvia eine Sonderstellung ein. Sie hat nicht nur die umfangreichste Speisekarte im Ort, sie hat auch schon am Morgen geöffnet. Gerade Briten bekommen hier ein ausgiebiges Englisches Frühstück, es gibt aber auch Waffeln, Kuchen, verschiedene Eiergerichte und dergleichen mehr.

Ich wähle das Stifado, DER griechische Klassiker. Stifado ist ein Rinderschmortopf mit Zimt, Kreuzkümmel und vielen kleinen Zwiebeln, oft mit einer feinen Zimtnote. Traditionell wird Stifado allerdings mit Kaninchen zubereitet, so wie auch mein allererstes Stifado auf Samos vor 30 Jahren. Manche der Kaninchen, so munkelte man damals, hätten keine Ohren. Dieses Stifado jedenfalls ist lecker, nur für meinen Geschmack etwas zu fett. Ein Ouzo danach kann helfen. Und was der Rand aus trockenen Gewürzen und Kräutern sollte erschließt sich mir nicht. Aber was solls…

Zum Stifado gibt es ein Pils von der Corfu Beer Brewery, der einzigen auf der Insel ansässigen Brauerei im kleinen Ort Arillas Agiou Georgiou. Die kleine aber feine Brauerei produziert hauptsächlich für die Insel und will sich bewusst von den Marken der großen Bierkonzerne abheben. Inhaber Spiros Kaloudis versteht sich als regionaler Anbieter von Bierspezialitäten. Das ist alles sehr schön, nur mir ist dieses Bier zu bitter – was eine reine Geschmackssache ist.

Apropos bitter: eine neue Speisekarte verleitete mich zu einem Besuch in „Authentic Greec Taverna Vergina“, ein Restaurant mit einer derart wahnwitzigen Einrichtung, dass man nicht weiß, ob man es bewundern oder verdammen soll. Es sieht in etwa so aus, wie die Fieberphantasien von Atlantis eines geisteskranken Innenarchitekten. Letztes Jahr servierte man mir hier zum Sofrito ein Sägemesser, da offenbar selbst der Koch seinen Kochkünsten misstraute. Wie sich herausstellte völlig zu Recht, denn das Kalbfleisch war zäh wie Leder.

Was mache ich also hier? Es war nicht das Ambiente, das eher an exzessiven Drogenkonsum während im Fernsehen Ben Hur läuft erinnert. Es war das mir bis dato völlig unbekannte Gericht „Gondola“, was mich in seinen Bann zog. Versprochen wurde mir Kalbfleisch auf Aubergine mit Käse überbacken. Ich bin ja nicht prinzipiell der Meinung, dass Fleischkonsum Mord ist, Kalbfleisch aber so zuzubereiten ist es aber bestimmt. Zwei steinharte Fleischtrümmer auf bitterer Aubergine mit schwarzer, zäher, ungenießbarer Haut. Dazu kalte Pommes und Rohkost – ohne Essig, Öl oder Gewürze. Kein Wunder, dass der Koch auch gleich die Laubsäge mit dazulegt.

Ich war an diesem Abend nicht der einzige unzufriedene Gast, wie ich beobachten konnte. Das Bier der griechischen Brauerei Alfa beschreibe ich lieber beim nächsten Restaurant, denn ich will dem Vergina nicht mehr Raum zubilligen, als unbedingt nötig.

Den gastronomischen Reigen beschließt das La’Kantas Restaurant & Taverna. Auch hier bin ich letztes Jahr schon eingekehrt. Hier hatte ich, wie auch dieses Jahr, den letzten Abend verbracht. Schließlich gehört es in Gouvia eher zu den teuren Restaurants. Doch bei mir war es in bester Erinnerung.

Etwas Hunger sollte man schon mitbringen. Im gehobenen Preis inkludiert ist nämlich eine kleine Vorspeise: Oliven von der Insel, zwei Dipps und frisches Weißbrot. So einfach es aussieht, so lecker ist es. Drei Geschmäcker, drei kleine Köstlichkeiten. Das machte Lust auf mehr.

Der Hauptgang war, wie letztes Jahr auch, die korfiotische Spezialität Pastitsada. Pastitsada ist ein griechisches Gericht, das aus Nudeln mit geschmortem Fleisch in einer würzigen Tomatensauce besteht. Oft wird es mit der Insel Korfu in Verbindung gebracht, wo es ein traditionelles Sonntagsessen ist, und wird deshalb manchmal auch Pastitsada Korfiatiki genannt. Trotzdem ist das Gericht wohl ein Überbleibsel aus der Zeit der venezianischen Besatzung.

Leider wurde der Koch diesem Wahrzeichen der korfiotischen Küche diesmal nicht gerecht. Es blieb farblos und fade – und damit weit hinter den Erwartungen zurück. Darüber kann der leckere Nachtisch nur bedingt hinwegtrösten. Hätte ich nur Verspeise und Nachtisch genommen, es wäre besser gewesen. Vielleicht hatte der Koch auch einfach nur einen schlechten Tag. Wer weiß.

Wäre noch über das Bier zu berichten. In den beiden letzten Fällen stammt es aus der Brauerei Alfa in Athen, eines der meistverkauften Biere in Griechenland. Die Brauerei gehört heute zum Heineken-Konzern. 1961 gegründet geriet die Marke Ende der 90er Jahre langsam ins Hintertreffen, startete aber 2000 mit einem neuen Marketingkonzept noch einmal durch und konnte verlorenes Terrain wieder gutmachen. Für viele Griechenlandurlauber wird es eine schöne Erinnerung sein, wobei es mir persönlich aus dem Fass deutlich besser schmeckt, als aus der Flasche.

Das war meine kleine Tour durch die korfiotische und griechische Küche – mit Licht, Schatten und in einigen Fällen viel Luft nach oben. Dabei ist klassisches Tavernenessen gerne einmal eher einfach. Wenn es dabei auch noch gut ist, dann passt es auch.

Das nächste Bier geht auf Dich?

Das fällt jetzt etwas aus der Reihe, ich weiß, aber so spät trinke ich keinen Kaffee! Wenn Dir mein Blog trotzdem gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

2,50 €

2 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: korfiotische und griechische Küche II

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