Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Venezia und Phönix

Die Forthwoths sind gerade aus Malta angekommen. Dort war es „totally hideous, dusty and way to hot!“ Um so schöner sei es jetzt wieder auf Korfu zu sein. Malta hat zwar mehr historische Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber sonst gibt es nichts auf der Insel außer Steinen und Staub. Das Ehepaar Saunders hingegen ist gerade im Abreisen begriffen. Schön sei es wieder einmal gewesen hier, doch jetzt stünde das nächste Reiseziel an: Italien!

Mister Richardson kommt gerade von einer Radtour zurück, die „absolutely fantastic“ gewesen ist. Doch auch hier steht die baldige Abreise im Vordergrund. Schließlich geht es morgen schon weiter nach Rhodos. Wie dort die Straßen wohl sein werden. Die Bennetts jedenfalls sind „completely exhausted“ von ihrer Shopping-Tour durch die Altstadt, stellen ihre Einkäufe in der Lobby an und gehen gleich durch in den kleinen Garten. Woher ich dass alles weiß? Ich bin ja schon lange genug hier! Denn eigentlich wollte ich ja hier einen Kaffee trinken und sitze deshalb erwartungsfroh im Café, dass gleichzeitig als Hotelbar und Lobby dient. Die Geschichten sind nämlich echt, nur die Namen habe ich erfunden.

Im Internet ließt sich das auf der Hotel-Webseite so: „Das Boutique-Hotel Bella Venezia liegt im Herzen von Korfu-Stadt in einem liebevoll restaurierten Bürgerpalast im neoklassizistischen Stil. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert als Wohnhaus einer der führenden Familien der Insel erbaut und diente im 20. Jahrhundert als Konsulat, als Sitz der Nationalbank von Griechenland und als Mädchengymnasium. 1988 wurde das aprikosenfarbene Gebäude ein Hotel und wurde nach der Serenìsima repùblica benannt. Das Hotel Bella Venezia führt damit die Tradition des ehemaligen Beautiful Venice Hotel fort, das seit 19. Jahrhundert das beste Haus am Platz gewesen war (…).

Das Bella Venezia ist eines der ersten Häuser der Insel und unser Ruf basiert sowohl auf der ausgewählten Ausstattung unseres Hotels als auch auf dem zuvorkommenden Service durch unsere langjährigen Mitarbeiter. Viele unserer Gäste sind Stammgäste. (…) Das Hotel Bella Venezia ist auf jeden Fall die richtige Wahl und eine Garantie für einen unvergesslichen Urlaub auf der Ionischen Insel.“ In der Wirklichkeit sieht der zuvorkommende Service so aus, dass ich nicht bedient werde, dabei bin ich in keinem schlechteren Zustand als der von der Radtour verschwitzte Mister Richardson. Er trägt – wie könnte es anders sein – das Gelbe Trikot mit großen Rändern unter den Armen.

Die Dame hinter dem Schalter am Eingang ignoriert mich konsequent, der junge Mann im hellgrauen Anzug scheint ein langjähriger Mitarbeiter zu sein, denn er kennt alles Gäste und die Gäste kennen ihn. Und das führt natürlich zu Gesprächen, denen ich obige Informationen entnommen habe. Verstohlen wirft er mir ab und zu einen Blick zu, vor allem dann, wenn ich wieder einmal dezent versuche auf mich aufmerksam zu machen, alleine es bringt mich einer Tasse Kaffee nicht wirklich näher. Vielleicht ist gerade das mein Problem: ich gehöre schlicht nicht dazu und will es partout nicht begreifen! Nach exakt 30 Minuten stehe ich deshalb auf und gehe, vorbei an dem jungen Mann mit dem hellgrauen Anzug, der gerade mit Mister Saunders die Details der Abreise bespricht und ignoriert von der Griechin am Schalter.

Ein paar Schritte die Straße hinunter zieht ein weiteres Gebäude meine Aufmerksamkeit auf sich. Wie ich später in Erfahrung bringe ist es das ehemalige Theater Phönix, jetzt ein Lost Place mit nicht abgeschlossener Türe. Ich betrachte das als Einladung. Innen schon leidlich entkernt, lassen einige Verzierungen an den Säulen etwas von der früheren Pracht erahnen. Vor meinem inneren Auge entsteht das Bild eines luxuriösen Kaffeehauses mit Marmorfußboden und großen Leuchtern. Leider habe ich für dieses Investment gerade das Kapital nicht zur Hand.

Aus dem Haus gegenüber, eine langsam verfallende Villa mit einem verzauberten wilden Garten, könnte man ein exklusives, kleines Hotel machen. Die Lage wäre ideal: nur wenige Meter von den Resten der alten Stadtmauer entfernt, leicht erhöht über der Stadt, 300 Meter zum Zentralmarkt und 200 Meter vom Meer. Aber auch so gefällt mir das Phönix. Selbst, wenn ich auch hier keinen Kaffee bekomme, schlechter als im Bella Venezia ist der Service hier auch nicht.

no-coffee-cups

Diesmal gab es keinen Kaffee!

Wenn Du mich aber zum nächsten Kaffee einladen möchtest, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

2,60 €

Icon made by juicy_fish from www.flaticon.com.

12 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Venezia und Phönix

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..