Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: rund um den Georgios-Theotokis-Platz

Heute will ich etwas geruhsamer angehen. Die Strapazen der letzten Tage stecken mir noch in den Knochen. Daher fahre ich erstmal nach Kerkyra. Auch dort gibt es noch einiges zu besuchen und zu sehen. Meinen ersten Stopp habe ich am Georgios-Theotokis-Platz, der einen ganzen Stadtteil beherrscht. Auch die Architektur hier ist einzigartig, was eng mit der Geschichte seiner Entstehung zu tun hat.

Während die Altstadt zu Füßen der neuen Festung sehr eng und zugebaut ist, wurde das Viertel hinter der Festung deutlich großzügiger angelegt. Das mag auch daher rühren, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Die Grundzüge der Altstadt wurden bereits unter venezianischer Herrschaft entworfen. Enge Gassen sind das Ergebnis. Das Viertel westlich der Altstadt stammt aus einer späteren Periode, etwa vergleichbar unserer Gründerzeit. Den Grundstein legten die Franzosen, umgesetzt wurde es aber von den Briten. Die entwickelten eine geradezu rege Bautätigkeit. Schließlich war Korfu nun die Hauptstadt der Republik der Ionischen Inseln unter britischem Protektorat.

Kaum ein Platz in Korfus Inselhauptstadt Kerkyra ist südländischer, als der Georgios-Theotokis-Platz. Wer mit dem Auto zum Liston, zum Flughafen oder zum Achilleion will, kommt unweigerlich an diesem Verkehrsknoten vorbei. Und kaum ein Platz ist lauter und chaotischer. Und kein Platz bildet eine Kulisse, die mehr an Italien erinnert, als dieser hier. Nicht zuletzt deshalb trägt er den Beinamen „San Rocco“. Und in kaum einer Ecke gibt es mehr Cafés und Restaurants, als hier! Gerade die Leoforos Alexandras, eine Allee, die vom Platz zur Bucht von Garitsa führt, ist gesäumt von Straßenrestaurants. Der Platz selbst beherbergt auf rechteckigem Grundriss einen kleinen Park mit alten Bäumen, eingefassten Grünflächen und einigen Freischankflächen, die zu den anlegenden Cafés gehören.

Der Namensgeber des Platzes Georgios Theotokis war ein Kind der Insel! 1844 wurde er hier geboren. Er entstammte einer Politikerfamilie und machte sich nach einem Jura-Studium an der Ionischen Akademie auf Korfu und an der Sorbonne in Paris einen Namen als Politiker. 1879 wurde er Bürgermeister von Korfu, wechselte aber vier Jahre später als Abgeordneter in die Nationalversammlung nach Athen. Ab 1886 bekleidete er verschiedene Ministerposten, von 1899 bis 1909 war er mit Unterbrechungen sogar viermal Ministerpräsident des Landes. Er geht als Modernisierer, Reformer und moderater Außenpolitiker in die griechische Geschichte ein.

Sein Sohn Ioannis Theotokis trat in seine Fußstapfen und wurde Landwirtschaftsminister, stellvertretender Ministerpräsident, Präsident der Nationalversammlung und schließlich selbst Ministerpräsident. Ioannis älterer Bruder Nikolaos Theotokis war ebenfalls Politiker und wurde nach der Niederlage im Griechisch-Türkischen Krieg als Hochverräter hingerichtet. Ionnis Sohn  Spyros Theotokis wurde später Außenminister.

Ich hingegen ziehe einen Platz an dem vom Verkehr umtosten Platz vor. Funfact: die Bedienung muss sich bei jeder Bestellung ihren Weg vom kleinen Café an der Ecke durch den Verkehr zu den Sitzplätzen nahe des kleinen Parks bahnen. Trotzdem möchte ich diesen Tag, der etwas geruhsamer ausfallen soll, als der letzte, natürlich mit einem Kaffee beginnen. Also sauge ich die Atmosphäre in mich auf, beobachte die kleinen Szenen des Alltags, die sich um mich herum abspielen. Da rennen Schulkinder nach dem Bus, Touristen suchen nach dem Büro der Busgesellschaft, Passanten halten an für einen Schnack. Und mitten drin ich mit meinem Kaffee!

Später schlendere ich noch durch das Viertel, bekomme endlich mein lang ersehntes Souvlaki-Pita auf die Hand und verspeise es genüsslich auf einer Bank in dem kleinen Park auf dem Platz. Die Sonne wärmt mich, sie hat noch Kraft. Und hier zwischen den Häusern weht kein Wind. Ich blinzle etwas in das Licht des noch jungen Tages hinein und döse vor mich hin. Eigentlich könnte ich ja hierbleiben. Doch es gibt noch mehr zu sehen heute. Also mache ich mich schweren Herzens wieder auf den Weg…

Der nächste griechische Kaffee geht auf Dich?

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8 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: rund um den Georgios-Theotokis-Platz

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