Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Orange Pie bei Nautilus

„Do you have some cake?“

„No, sorry, we don’t have any cake!“

„No sweets or dessert at all?“

„Of cause we have dessert!“

„For instance?“

„Well, we have some delicious orange pie!“

Genau genommen ist Orange Pie – auf Griechisch Portokalópita – in der Tat kein Kuchen. Sucht man allerdings nach einem Rezept für diese süße Spezialität, dann findet man es am ehesten in der Rubrik „Kuchen“. Portokalópita ist ein typisch griechisches Rezept: Es handelt sich dabei um einen Orangenkuchen, der ohne Mehl, dafür aber mit Filoteig hergestellt und anschließend mit Sirup getränkt wird. Er ist schnell gemacht und man isst ihn am besten noch lauwarm in Begleitung mit etwas Schmand. Aber eben weil er ohne Mehl und mit Filoteig hergestellt wird, ist er in den Augen der Griechen oben kein Kuchen, sondern eine Portokalópita.

Derartige Feinheiten sind mir gerade egal. Ich habe einen ereignisreichen Tag hinter mir. Erst der britische Friedhof, dann das Kloster Vlacherna und die Mäuseinsel und schließlich Mont Repos, der Kardaki-Tempel und die gleichnamige Quelle, um nur die Highlights zu nennen. Von Mont Repos geht es mit dem Roller zurück durch das Einbahnstraßengewirr. Dann eine scharfe Linkskurve und unvermittelt ist man wieder am Meer.

Hier, am Südende der Garitsa-Bucht, erhebt sich Korfus einzig verbliebene historische Windmühle – zumindest die einzige, der ich gewahr wurde – und damit ein außerordentlich beliebtes Fotomotiv. Hier ist auch ein kleiner Jachthafen an deren Anlegern die Bewohner von Kerkyra gerne mal zum Baden herkommen. Vor allem dann, wenn sie unter sich bleiben wollen – also ohne Touristen, wie mich.

Jetzt stellte ich ein Hüngerchen bei mir ein. Kein ausgewachsener Abendessenhunger, sondern eher Lust auf ein leckeres Stück Kuchen. Was zum oben zitierte Dialog führte. Mit der damit verbundenen Begriffsverwirrung. Für mich war aber die Aussicht auf ein leckeres Stück Orange Pie ausschlaggebend um hier zu bleiben. Hier, das ist das Restaurant Nautilus, eines mit einem der schönsten Blicke der Insel.

Schon zur Begrüßung stellt man mir eine großzügige Karaffe mit Wasser auf den Tisch. Der Cappuccino ist cremig und lecker. Unübertrefflich aber ist der Orange Pie, eine saftige Nachspiese, die perfekt zu meinem Cappuccino passt. Dazu diese wundervolle Aussicht! Am anderen Ende der Bucht erhebt sich das markanteste Gebäude der Insel, die neue Festung. Tatsächlich ist der auffällig geformte Festungshügel von allen Seiten unverwechselbar. Wir werden der berühmten Silhouette noch häufiger begegnen.

Der Name Nautilus stammt übrigens aus einigen phantastischen Romanen von Jules Verne, namentlich aus „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ und „Die geheimnisvolle Insel“. Die Nautilus ist ein fiktives Unterseeboot unter dem Kommando von Kapitän Nemo. Das Boot ist zum einen eine Art Asyl für „Aussteiger“ aus der irdischen Welt und zugleich unterseeische Forschungsstation. Zum anderen ist sie ein Rachewerkzeug, mit dem Nemo die Schiffe derer, die er als seine früheren Feinde oder die Feinde eines friedlichen Zusammenlebens der Menschheit ansieht, versenkt.

Ich sauge die salzige Luft in meine Lungen. Einige Seevögel rufen, am Horizont erscheint ein Piratenschiff – herrlich! Dazu mein leckerer Pie und mein Cappuccino. So lasse ich mir das Leben gefallen! Mein roter Roller wartet schon auf mich. Schnell geht es von hier über die vom Nachmittag noch warmen Straßen zurück zum Hotel. Den morgen warten schon wieder die nächsten Abenteuer auf mich…

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Ein besonders leckerer korfiotischer Kaffee-Moment!

Jetzt schnell mit dem Roller zurück nach Gouvia! In einer Woche geht es mit dem korfiotischen Kaffee-Tagebuch II weiter! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

4,80 €

2 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Orange Pie bei Nautilus

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