Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Von Mäusen und Fliegern I

Durch die angenehme Mittagssonne fahre ich vom britischen Friedhof nach Perama. Heute steht nämlich noch einiges auf dem Programm. Zum Beispiel das am häufigsten fotografierte Motiv der Insel. Doch da muss ich erstmal hin. Auch auf der To-do-Liste: einige der Attraktionen, die ich beim letzten Besuch auf der Insel gar nicht oder nur von weitem gesehen habe.

In Perama macht die Straße nach Benitses und Maraitika eine scharfe Kurve. Hier steht das Nisos Restaurant Cafe, bekannt für seinen fantastischen Blick auf die „Notio Steno“, eine Lagune zwischen Perama und der Halbinsel Analipsi. Die Lagune ist durch den Kanoni-Perama-Steg vom Meer abgetrennt und ist für ihren Fischreichtum bekannt. Der Steg ist Schmal und eigentlich nur für Fußgänger, was den einen oder Motorradfahrer trotzdem nicht davon abhält, ihn als Abkürzung zu benutzen.

Ich lasse den Roller oben am Restaurant stehen und mache mich an die Überquerung. Rechts sieht man die berühmte Mäuseinsel. Die österreichische Kaiserin Sisi soll es geliebt haben zu dieser Insel zu schwimmen – zum Leidwesen ihrer Leibgarde! Wie man heute weiß war Elisabeth von Österreich eine Fitness-Fanatikerin, weshalb die Strecke für sie wohl keine besondere Herausforderung gewesen sein dürfte. Wie viel Leibwächter ertrunken sind ist hingegen nicht überliefert.

Links vom Steg die Lagune. Einige kleine Fischerboote säumen das Ufer. Auf der anderen Seite die Start- und Landebahn des Flughafens von Kerkyra, dahinter die Stadt und am Horitont der Pantokrator, der höchste Berg der Insel und bis zu diesem Tag für mich unerreichbar. Wir werden sehen…

Am anderen Ende des Stegs erhebt sich die Anhöhe von Kanoni. Die Erhebung, an deren Stelle früher einmal die antike Stadt gewesen sein soll, ist heute bis auf den letzten Quadratmeter zugebaut mit Hotels, Restaurant und Cafés. Vom traditionellen Kafenion von Kanoni, bis heute ein beliebtes Ausflugsziel der Städter, habe ich letztes Jahr auf den Steg herunter gekuckt. Heute schaue ich von unten herauf. Den Aufstieg werde ich mir sparen.

Zu Füßen von Kanoni ist eine kleine Anlegestelle für Fischerboote und einige kleine Fährschiffe. Über den Anleger gelangt man zum Kloster Vlacherna, dem touristischen Hotspot von Korfu und – wie oben erwähnt – Fotomotiv Numero uno. Das Kloster wurde 1685 auf einer nur wenige Quadratmeter großen Felseninsel errichtet. Heute steht das ehemalige Nonnenkloster weitestgehend leer. Nur der Blumengeschmückte Klosterhof, die kleine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria und ein Souvenirschop werden heute noch betrieben.

Doch der Kanoni-Perama-Steg ist noch für etwas berühmt. Etwa in der Mitte des Stegs steht immer ein kleines Knäuel von Schaulustigen. Dass sie ihre Kameras in Bereitschaft halten, lässt auf den Zweck ihres Aufenthalts hier mutmaßen. Und schon bald schwebt die Erklärung herbei: es sind Planespotter, denn nur selten kommt man einem Flugzeug im Flug so nahe, wie hier.

Das liegt daran, dass der Steg mitten in der Einflugschneise liegt. Die meisten Flugzeuge fliegen über Albanien an, fliegen dann eine Rechtskurve und nähern sich dann von Süden der Landebahn. Die liegt so nah am Meer, dass die Befeuerung zum Landeanflug im Wasser steht. Die letzten paar hundert Meter geht es zwischen Perama und Kanoni in die Schneise, bis der Vogel dann aufsetzen kann.

Und in der Tat kann man nicht nur die Nieten am Rumpf des Flugzeugs zählen, während der Flieger vorbeibraust, man meint auch die Zahl der Streifen auf den Schulterklappen des Copiloten zählen zu können. Übrigens: die sollten beim Reifen hinten rechts mal aufs Profil achten! Da muss bald ein Neuer drauf…

Aber werfen wir doch noch einmal einen Blick aufs Kloster. Kein Wunder, dass es unter Touristen wie für Fotografen, so viel Begeisterung auslöst. Mit dem kleinen Anlegehafen lässt sich mit wenigen Klicks das zusammenfassen, was im Geist des Urlaubers Griechenland ausmacht: ein weißes Kloster am Meer mit Schifferbooten im Vordergrund. Ein Klassiker!

Doch bevor es zu Kloster geht, muss ich erstmal ein kleines Geständnis machen. Es gab nämlich das Gerücht, man könne von hier zur Kardaki-Quelle laufen. Ja, ich hatte sogar einen Plan gesehen, auf dem eine gestrichelte Linie eingezeichnet war. Für wen dieser „Weg“ gedacht ist, weiß ich nicht. Vielleicht für Reinhold Messner. Oder Taucher. Für normale Menschen gibt es hier keine direkte Verbindung. Aber ich bekomme eine Wegbeschreibung, eine von vier an diesem Tag. Mal sehen, wo das noch hinführt.

Ich jedenfalls genieße im „Flisvos The Seaside Experience Day Night Bar Restaurant“ (sic!) einen Cappuccino. Das Restaurant selbst ist, nicht zuletzt der exponierten Lage geschuldet, eher hochpreisig. Nichts für mich. Als Restaurant meine ich. Für meinen Kaffee-Moment nehme ich die „Seaside Experience“ gerne mit.

Denn der Cappuccino kommt jetzt schon sehr recht. Vor allem mit diesem Blick auf’s Meer. Schließlich hat Anne, meine Insta-Beraterin, ja gesagt, ich soll doch was mit mehr Hintergrund machen. So geschehen. Auf Instagram kann man übrigens viele Fotos schon sehen, bevor sie im Blog veröffentlicht werden. Aber das nur am Rande…

Auch als Planespotter kommt man hier natürlich auf seine Kosten. Hier kann man den eintrudelnden Flieger in Kombination mit dem Kloster ablichten. Was einige auch machen. Deshalb werden meine Bilder so einzigartig nicht sein. Schön finde ich sie trotzdem!

Doch noch einmal zurück zum Kloster Vlacherna. Über den Landungssteg kommt man nach wenigen Metern auf die kleine Felseninsel. Darauf erheben sich die weißen Mauern des Klosters. Weithin sichtbar der Glockenturm. Das Kloster liegt seewärts, ist aber verlassen.

Über den blumengeschmückten Hof erreicht man die kleine Kapelle. Typisch für orthodoxe Kirchen das viele Gold und die vielen Ikonen. Außerdem leben auf der Insel drei Kloster-Hühner, zu welcher Rasse sie gehören entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht warten sie darauf beim nächsten Klosterfest im Topf zu landen. Von den Touristen lassen sie sich jedenfalls nicht beeindrucken und halten ihren Mittagsschlaf.

Ein letzter Blick noch von der Klosterinsel aufs Meer. Jetzt möchte ich mit dem Schiff zur Mäuseinsel. Darauf, dorthin zu schwimmen, wie weiland die Kaiserin, verzichte ich lieber. Doch auch so ein Nachfahre des großen Charon hat so seine Tücken…

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Das war jetzt sehr fotolastig…

Der Ort war aber auch zu fotogen! Wenn Dir die Bilder und mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

5,80 €

5 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Von Mäusen und Fliegern I

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