Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Reisen im Schatten der Olivenbäume und das Kafenion Enplo in Perivoli

Die Straße ist breit. Und die Straße ist leer. Ich kann entspannt mit Vollgas nach Süden fahren. Das erste Stück zwischen Perama und Moraitika war da anders. Eine schmale Straße mit schadhaftem Belag schlängelte sich entlang der Küste und ist damit für den geneigten Rollerfahrer eher anspruchsvoll. Nachdem ich durch Moraitika durch bin, komme ich an einen Kreisel. Von hier geht es erst rechts ins Inselinnere, dann noch einmal scharf links und dann auf gut ausgebauter Straße gemächlich und in weitem Bogen gen Südspitze.

Hier fahre ich im Schatten der Olivenbäume. Die ganze Ebene scheint damit bepflanzt zu sein. Das ist kein Zufall! Tatsächlich ist über die Hälfte der Fläche der Insel mit Olivenbäumen bedeckt. Während andere Gebiete Griechenlands unter Osmanische Kontrolle fielen, gehörte Korfu über 400 Jahre lang zu Venedig, nämlich von 1386 bis 1797. Viele Gebäude vor allem in der Hauptstadt Kerkyra künden von dieser Zeit. Einerseits entwickelten die Venezianer die Insel, andererseits erhofften sie sich im Gegenzug für sie wichtige Rohstoffe, wie zum Beispiel das damals sehr begehrte Olivenöl.

Mitte des 16. Jahrhunderts begannen die Dogen von der Adria damit den Anbau von Olivenbäumen durch Zahlung einer Pflanzprämie zu finanzieren. Das führte dazu, dass der Olivenanbau anfing den damals vorherrschenden Weinanbau zu verdrängen. Die venezianischen Herren ahnten es vielleicht nicht, aber sie legten mit der Förderung dieser Monokultur den Grundstein für einen bis heute wichtigen Wirtschaftsfaktor der Insel. Heute schätzt man die Zahl der Olivenbäume auf Korfu auf etwa vier Millionen und einige davon stammen noch aus der Zeit der venezianischen Besatzung.

Da einige von den Olivenbäumen nicht geschnitten wurde, konnten sie ungehindert ihre zum Teil beeindruckende Größe erreichen. Was aber die Ernte erschwert. Zumeist werden Plastiknetze in den Olivenhainen ausgelegt und gewartete, bis die Oliven herunterfallen. Oder sie werden mit langen Stangen abgeschlagen, was sehr mühsam ist. Allerdings macht das auch das Besondere des korfiotischen Olivenöls aus. Während anderenorts die noch grünen Oliven von den niedrigeren Bäumen gepflückt werden, wird hier erst die Reife Frucht geerntet, was seine goldene Farbe und den milden Geschmack des Öls erklärt. Damit ist dieses Olivenöl dem kretischen durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen.

Der hohe Wuchs der alten Olivenbäume erlaubt es mir unter ihrem Schatten über die Landstraße zu brausen. Mich umspielt ein warmer Wind, der mir die unterschiedlichsten Gerüche zuträgt, von trockenen Gräsern bis zu wilden Kräutern – vor allem der hier verbreitete Oregano, aber auch Thymian und griechischer Bergsalbei. So bringe ich die knapp 15 Kilometer von Moraitika bis Perivoli wie im Flug hinter mich. Hier biege ich aber von der Landstraße ab und fahre durch den Ort. Es wird Zeit für eine koffeinhaltige Erfrischung – und ich weiß auch schon wo.

Perivoli ist ein typisches, Korfiotisches Dorf mit etwa 1.200 Seelen. Zum kleinen Fischerhafen und zum Strand sind es nur anderthalb Kilometer. Hier leben noch einmal etwa 50 Menschen. Da sich früher der ganze Verkehr, der jetzt über die Umgehung abgeleitet wird, durch das Dorf schob, wurden die meisten alten Häuser entlang der Hauptstraße gebaut. Ein leicht erkennbares Zentrum gibt es nicht, aber etwa in der Mitte des langgezogenen Dorfes zwei Kirchen, davon eine in Betrieb, ein kleiner Supermarkt, einige Tavernen und Cafés, darunter direkt an der Kreuzung das Kafenion Enplo.

Als ich dort ankomme ist gerade Mittag, das Dorf wie ausgestorben. An der Ecke mit dem Supermarkt, der eher einem Tante-Emma-Laden gleicht, wartet eine Schülerin auf irgendwen. Wir werden nie erfahren auf wen, denn er oder sie wird nicht kommen. Im Schatten des Kafenions sitzen der Wirt und zwei Gäste. Die Türe auf ganzer Ladenbreite ist weit offen, weshalb drinnen und draußen hier keine Rolle spielt. Der Wirt sitzt hinter der Bar, die beiden Gäste an verschiedenen Tischen. Wie schon so oft beobachtet unterhält man sich natürlich quer durch den Raum.

Man erkennt mich sofort als Fremden, grüßt und bedient mich aber freundlich. Ich entscheide mich für mehr draußen als drinnen, bin aber durch das Terrassendach vor der sengenden Sonne geschützt. Meine Bestellung mache ich auf Griechisch, was mir von den anderen Gästen ein kurzes Kopfnicken einbringt. Dann widmen sie sich wieder ihrer Diskussion und ich mich meinem Nescafé frappé. Das Mädchen wartet noch, zunehmend ungeduldig.

Im Dorf tut sich gerade nichts. Gerade einmal zwei Wagen und ein Motorrad kommen während meines Aufenthalts vorbei. Für das Mädchen ist niemand dabei. Ich spiele mit dem Gedanken ihr anzubieten sie zu fahren, befürchte aber, dass dieses durchaus freundlich gemeinte Angebot missverstanden wird. Ich will es mir mit dem Wirt und den zwei Gästen nicht verscherzen. Kurz bevor ich aufbreche stapft das Mädchen dann genervt davon – Entscheidung abgenommen. Die Mittagssonne hat mich träge gemacht. Ich mache noch ein paar Bilder von der alten Kirche, die sicher eine ganz spezielle Bedeutung und Geschichte hat, die ich nicht kenne. Dann sitze ich wieder auf – der Süden ruft!

Der nächste Frappé geht auf Dich?

Sehr gerne! Lass uns diesen mittäglichen Kafenion-Besuch doch gemeinsam erleben! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld.

3,80 €

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10 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Reisen im Schatten der Olivenbäume und das Kafenion Enplo in Perivoli

  1. Ich finde es immer wieder schön diese „Sehenswürdigkeiten“ zu erkunden, aber dann doch nicht um deren Bedeutung zu wissen. Es bleibt ein einfacher aber auch unverfälschter Eindruck. Einen netten Tag noch. 😉

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      1. Ich hatte mir damals von meinem zweiten Kreta-Aufenthalt eine Tüte getrockneter, gemischter Kräuter mitgenommen. Und jedesmal, wenn mich die Sehnsucht packte, habe ich die Tüte aufgemacht und die Nase reingehalten, und tiiiiiieeeef eingeatmet. 😉

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