Herbstspaziergang mit Cafébesuch in Fürstenfeldbruck

Das Glück war mir mal wieder hold: unverhofft bringt mich eine Taxifahrt ins sonnige Fürstenfeldbruck. Nachdem ich nahe des Klosters meinen Fahrgast abgesetzt habe, fahre ich die Schöngeisinger Straße bis zum Zentrum. Vor der Conditorei Wiedemann stelle ich das Taxi ab und unternehme einen kleinen Spaziergang. Kaffee und Kuchen können warten, ich komme ja eh wieder hierher zurück.

Der Name Fürstenfeldbruck ist die Anreihung der Namen Fürstenfeld und Bruck. Der Namensteil Fürstenfeld sagt aus, dass diese Flur ehemals zum Besitz der Wittelsbacher gehörte. Dort wurde im Jahre 1263 das Zisterzienserkloster Fürstenfeld gegründet. Die Siedlung Bruck in direkter Nachbarschaft des Klosters war schon vorher am dortigen Amper-Übergang entstanden. Für die Überquerung dieser Brücke, die zu der – damals sehr bedeutenden – Salzstraße gehörte, erhob die Familie der Gegenpointer im Auftrag der Welfen Zoll. Unterschiedliche Schreibweisen des Marktes Bruck durch verschiedene Behörden veranlassten die Regierung, eine einheitliche Bezeichnung festzulegen: Sie lautet seit dem 6. August 1908 Fürstenfeldbruck.

Bemerkenswert ist der Ortskern nahe der Amperbrücke, das Ensemble Hauptstraße mit Leonhardsplatz. Die Hauptachse wird durch die Richtung der Brücke bestimmt, deren Endpunkte durch das heutige Rathaus und die Kirche St. Leonhard hervorgehoben sind. Die geschlossene Bebauung, die zum größten Teil aus dem 18./19. Jahrhundert stammt, wird durch die zahlreichen ehemaligen Gasthöfe mit stattlichen Giebeln und Fassaden geprägt. Die übrigen Bürgerhäuser sind meist zu geschlossenen Fronten mit Putzgliederung zusammengebaut.

In einer Seitengasse entdecke ich mehrere Mosaike. Sie wurden um 1953 von dem Fürstenfeldbrucker Georg Brameshuber von einem Münchner Unternehmen gekauft und in die Wand des ehemaligen Café Brameshuber eingelassen. Um die Abbildung eines Bischofs ist eine Kontroverse entbrannt: ist er wirklich, wie jahrzehntelang angenommen, der Heilige Nikolaus? Der Bienenstock allerdings deutet darauf hin, dass es auch der Heilige Ambrosius sein könnte. Die interessante Hauptstraße birgt sicher noch viele Geheimnisse. Allerdings ist mir gegenüber von der Conditorei Wiedemann noch eine Gasse aufgefallen, die ich erkunden möchte.

Ich folge dem Durchgang in Richtung Amper. Hier gehe ich vorbei an Hauswänden und Gartenmauern. Viel Platz ist nicht. Über den Silbersteg, eine schmale Brücke, erbaut um Michaeli im Jahr MDCCCII (1893) von Anton und Pauline Aumiller, wie eine Innschrift am Tor zum Steg verrät, erreiche ich die Kneipp-Insel, ein kleiner, verwilderter Park auf einer Amper-Insel. Hier befindet sich die kleine Kneippanlage mit einem Wassertretbecken und einem Becken zum Armbad.

Zum 200. Geburtstag des Pfarrers aus Bad Wörishofen wurden Stimmen im Ort laut, man solle die Anlage renovieren und auch dem Park wieder ein gepflegteres Aussehen verpassen. Mich stört der Zustand der Kneippanlage allerdings nicht. Zum Kneippen bin ich ja nicht gekommen. Für mich hat gerade das kleine Biotop, dass hier entstanden ist, seinen ganz eigenen Reiz. Ein paar Bänke scheinen wohl vor allem jüngeres Publikum anzuziehen, zumindest den Spuren eines Grillgelages nach zu urteilen. Öfters mal durchputzen und gut ist!

Ich folge dem Steg auf die andere Amperseite. Hier erwartet mich noch ein Baudenkmal: die Aumühle. Hier begegne ich auch den Aumillers vom Steg wieder. Die Ursprüngliche Bullachmühle wird bereits 1321 urkundlich erwähnt, als sie aus dem Besitz der Herren von Gegenpoint in den des Klosters Fürstenfeld für 40 Pfund Pfennig übergeht. Ab etwa 1600 gehört die Mühle – eine von vier im Ort – der Familie Aumiller, die sie bis 1928 auch betreibt. In den über 300 Jahren in Familienbesitz wird die Mühle mehrfach umgebaut und erweitert. Das Magazingebäude und der Silo-Turm bekommen 1897 ihre markante Form.

1928 erwirbt die Gemeinde Fürstenfeldbruck die gesamte Anlage für 310000 Reichsmark, verpachtet erst den Mühlbetrieb und führt ab 31. Oktober 1945 unter dem Namen „Städtische Aumühle“ Säge und  Mühle in eigener Regie. Die Remise, heute Lesecafé, wird 1953 aufgestockt. Doch nur drei Jahre später wird der Betrieb des Sägewerkes eingestellt. 1956 folgt im Ramen dem bundesweit verordneten Abbau der Mühlenkapazitäten auch die Mühle. Das Gebäude dient nun als als Lagerhaus für Getreide- und Futtermittel.

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Ende 1985 erfolgt der erste Schritt zur Umnutzung. Der Kulturausschuss empfiehlt dem Stadtrat, das denkmalgeschützte Mühlengebäude der Aumühle, das im Februar 1985 nach langer Vermietung frei geworden ist, als neuen Standort für die künftige Stadtbibliothek. Bis zum März 1989 dauern die Bauarbeiten und der Umzug der Bibliothek steht kurz bevor, als ein Brand die Gebäude schwer beschädigen. Der Stadtrat beschließt den sofortigen Wiederaufbau unter Aufrechterhaltung der ursprünglichen Konzeption. Besonderes Augenmerk sei auf die Wiederherstellung der vertrauten Stadtsilhouette mit den markanten Türmen zu legen.

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Die zweite Katastrophe, nach dem Brand 1989 ist das Pfingsthochwasser 1999. Die Amper überschwemmt nahezu das gesamte Erdgeschoss, legt Aufzug und Audiothek lahm, beschädigt Möbel und Material. Was das Wasser nicht geschafft hat, übernehmen die Ratten, die die zum Abpumpen geöffneten Fenster nutzen, um das Haus in Besitz zu nehmen. Der gesamte Kinderbuchbestand muss ausgetauscht werden, das Haus und der verbliebene Medienbestand desinfiziert und danach akribisch geputzt werden. Erst am 4. September 1999 kann die Bibliothek mit einem großen Fest wieder geöffnet werden. Nach so viel Kultur wird es Zeit für Kaffee und Kuchen! Nach einem Blick über die Kneipp-Insel geht es wieder zurück zur Schöngeisinger Straße – und damit zur Conditorei Wiedemann.

Auch dieser Ort hat eine spannende Geschichte: Die Deutsche Mark war noch nicht einmal ein Jahr alt, die Tüte Eis kostete zwanzig Pfennige und bezahlt wurde mit 5 und 10 Pfennig- Scheinen. Im Mai 1949 eröffneten Max und Pepi Wiedemann in der Augsburger Straße 4, in Fürstenfeldbruck, ein kleines Eis-Stüberl. Da wurde schon der Grundstein gelegt für den Erfolg des beliebten Café Conditorei Wiedemann in der Schöngeisinger Straße 28 das im Jahre 1958 dort eröffnet wurde. Schnell wurden die Räumlichkeiten zu klein und man entschloss sich, das Cafe zu erweitern. Ein paar Jahre später folgte dann auch noch der Laden. Jetzt präsentierte sich das Café in einem schönen Wiener Kaffeehaus Stil.

Anfang der 80er Jahre übernahm Konditormeister Johann Wiedemann zusammen mit seiner Ehefrau Anita das Geschäft von seinen Eltern. Inzwischen ist in dritter Generation Konditormeister Martin Wiedemann mit in der Geschäftsführung. Die gemütliche Wiener Kaffeehaus Atmosphäre blieb auch nach den Renovierungs- und Umbau-Arbeiten in den Jahren 2010 bis 2011 erhalten und wurde mit geschmackvollen Stilelementen zeitgemäß verfeinert. Im gleichen Zeitraum wurde der schöne ruhige Cafégarten in mediterranem Stil, mit plätscherndem Brunnen und blühenden Blumenbeeten zu einer grünen Oase gestaltet. Highlight im Winter ist der urgemütliche Kamin.

Doch der Hauptgrund meines Besuchs sind die leckeren Torten. Ja, es ist nicht das erste Mal, dass ich hier einkehre. Mein letzter Besuch fand allerdings noch vor Corona statt. Auch bei dieser Stippvisite in Fürstenfeldbruck lasse ich mir den leckeren Cappuccino und ein phantastisches Stück Torte nicht entgehen – in meinem Fall Cassis-Joghurt-Sahne! So findet meine Taxifahrt hier noch ihren krönenden Abschloss.

Im Gehen werfe ich noch einen Blick auf die Torten-Auswahl. Ich bin versucht mir noch ein Mitbringsel einpacken zu lassen, muss aber befürchten, dass das gute Stück Transport und Wartezeit nicht überlebt. Bis zum Schichtende sind es noch etwa drei bis vier Stunden. Durch das herbstliche Bayern fahre ich also zurück in die Landeshauptstadt – um ein paar schöne Herbstimpressionen und einen Kaffee-und-Torte-Moment reicher.

Quellen: Wikipedia, Münchner Merkur, Amper Kurier, Süddeutsche Zeitung, Stadtbibliothek Fürstenfeldbruck, Conditorei Café Wiedemann.

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Das nächste Stück Cassis-Joghurt-Sahne geht auf Dich?

Sehr gerne! Lass uns diesen ganz besonderen Kaffee-Moment in Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre doch gemeinsam erleben! Wenn Dir mein Beitrag gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

5,20 €

8 Gedanken zu “Herbstspaziergang mit Cafébesuch in Fürstenfeldbruck

  1. Da habe ich dich jetzt virtuell ausgesprochen gerne auf deinem Rundgang durch Fürstenfeldbruck begleitet, tausend Dank dafür! Denn du hast grade mit deinem feinen Post sehr viele Bildungslücken geschlossen. Und ich habe mir fest vorgenommen, mir FFB auch mal genauer anzusehen.
    Hab einen schönen Sonntag!

    Gefällt 1 Person

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