Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: „Lost Place“ Agía Ekateríni und das Nordende der Insel

Die laue Luft weht mir um die Nase. Er riecht nach Meer und wilden Kräutern. Und die Sonne hat noch so viel Kraft, dass ich den Fahrtwind als angenehm empfinde. Über die nach Kalami gut ausgebaute Straße geht es zügig nach Norden. Da hinter Kassiopi auch die Ausläufer des Pantokrator-Gebirges abebben, ist die Straße gut und ohne große Höhenunterschiede zu fahren, bis man die sanfte Ebene am Nordende der Insel erreicht.

Hier gibt es an der Straße genau einen Wegweiser zu einem der „Lost Places“ auf der Insel. Der Klosterruine Agía Ekateríni., der heiligen Katharina gewidmet. Zuerst geht es durch einen kleinen Ort und dann vorbei am Strand Agios Spyridon. Über eine sehr schmale Brücke geht es über den Zufluss zum Lagunensee Antinioti, bestimmt schön, aber schwer zugänglich, den ich links liegen lassen. Ab da ist man auf seine Instinkte angewiesen.

Die Straße ist nämlich eher ein Feldweg. Gut, dass ich mir die Lage der Klosterruine vorher auf Google Maps angesehen habe. Ich folge dem Weg, bis ich das Meer erreiche. Jetzt müsste da linker Hand das Kloster zu sehen sein. Und tatsächlich spitzen schon die ersten Mauerstücke durch die niedrigen Kiefern und Zypressen. Erreicht sind die Klostermauern schnell. Doch wie reinkommen? Offiziell ist die Klosteranlage nicht für Besucher geöffnet.

Ein kurzer Umrundungsversuch – die Vegetation ist stellenweise sehr dicht! – bringt es an den Tag: der einzige Zugang ist über ein Loch in der Mauer auf der Westseite. Nun heißt es also Krabbeln. In meinem doch eher gesetzten Alter ein eher ungewohntes Unternehmen. Doch es gelingt und ich betrete einen nur halb zugewachsenen Seitenhof des Klosters mit den Nebengebäuden.

Das Kloster Agia Ekaterini wurde im frühen 18. Jahrhundert erbaut. Neben Landwirtschaft wurde hier hauptsächlich eine Olivenmühle betrieben. Während die Nebengebäude fast vollständig leer sind, werde ich, was Einrichtung betrifft, erst in der Klosterkirche fündig. Die erreiche ich, in dem ich den Nebenhof hinter mir lasse. So finde ich das Portal, den früheren Eingang zur Kirche. Von den Kirchenfenstern ist nur dass über der Tür geblieben.

Der rechte Türflügel steht offen. Ab hier bewege ich mich sehr vorsichtig. Einige Balken des ansonsten nur noch in Ansätzen vorhandenen Kirchendachs sind inzwischen abgestürzt und die Restkonstruktion mach keinen sehr vertrauenserweckenden Eindruck mehr. Über die Mauern schauen inzwischen die Sonne und die Bäume herein.

Vom Altarraum steht noch eine reich verzierte, weiße Wand, das Chorjoch. Von einem Nebenaltar sind nur noch die die filigranen weißen Säulen zu erkennen.

Gemessenen Schrittes durchquere ich den nach oben offenen Raum. Hinter der weißen Wand ist die Apsis, die bis auf einen hölzernen Altar mit vergilbten Christus- und Mariendarstellungen leer ist.

An beiden Seiten entdecke ich noch die Reste von Fresken. Aus welcher Zeit die stammen weiß ich nicht. Auch nicht, wen sie darstellen. Ich meine unter dem Heiligen so etwas wie einen Drachen zu erkennen. Trifft das zu, dann könnte das eine Michaels-Darstellung sein.

Ich gehe noch etwas auf dem Klosterhof herum. Im Internet war von einem begehbaren Turm die Rede. Ich finde aber von innen keinen Zugang und von außen war ja kein rankommen. Einen zweiten Ein- oder Ausgang finde ich auch nicht. Noch ein Blick zurück auf die Kirche und dann bleibt nur die Krabbelei durch das Loch in der Westmauer.

Zurück am Roller gehe ich erstmal weiter an den Strand. Einen Sinn für schöne Aussichten müssen die Mönche schon gehabt haben, wenn man die Wahl ihres Standortes bedenkt. Ein paar Schritte noch durch die Dünen und dann habe ich ihn erreicht: den offiziell nördlichsten Punkt von Korfu!

So, jetzt habe ich eines meiner Ziele für diesen Urlaub erreicht. Mal sehen, was ich noch alles entdecken kann. Auf dem Weg durch Agios Spyridon war mir eine Taverne am Strand aufgefallen. Ein Kaffee käme mir jetzt gerade recht…

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19 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: „Lost Place“ Agía Ekateríni und das Nordende der Insel

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