Kirche, Kaffee und Corona

Abraham Kartiko wohnt auf der indonesischen Insel Java, hat einen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft und eröffnete bereits während seines Studiums das erste Café „Trikopi“ in seiner Heimatgemeinde Madiun. Als Mitglied der Evangelischen Kirche Ost-Java (GKJW) qualifizierte er sich im März 2019 für eine Schulung junger Start-up-Unternehmer*innen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), die von dem in Sumatra ansässigen VEM-Regionalbüro Asien und der Stiftung „Yayasan Rumah Perubahan“ zusammen mit 26 jungen Erwachsenen der Millennial-Generation durchgeführt wurde. Ziel war es, den teilnehmenden Jungunternehmern und Jungunternehmerinnen Analysewerkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Lösungsfindungsstrategien in Krisenzeiten entwickeln können. Die Nützlichkeit der in dieser Schulung vermittelten Fähigkeiten zeigte sich während der anschließenden Corona-Pandemie, die den Inselstaat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mit 4,2 Millionen Covid-19-Infizierten und mehr als 140.000 Todesfällen hart traf.

In den ersten Jahren expandierte das Start-up-Unternehmen von Abraham Kartiko mit drei Cafés und 15 Angestellten. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 zwangen Lockdowns und weitere staatliche Schutzvorschriften den Jungunternehmer jedoch dazu, Filialen zu schließen und fast die Hälfte seiner Angestellten zu entlassen. „Der Beginn der Pandemie war der schwierigste Moment. Ich fühlte mich hoffnungslos und frustriert“, so Kartiko. In der wirtschaftlichen Krise besann sich der junge Betriebswirt auf die gelernten Analyse- und Lösungsfindungsansätze und änderte seine Geschäftsstrategie von der Café-Lounge hin zu einem diversifizierten Dienstleistungsangebot. Mittlerweile brüht Abraham Kartiko nicht nur Kaffee, sondern bietet die Röstung gleich mit an. Dabei nutzte er die vorteilhaftere Wettbewerbssituation im Segment der Kaffeeröstung aus. Die Einnahmen konnten so in kurzer Zeit gesteigert und das alte Umsatzniveau wieder erreicht werden. Networking und Marketing erfolgten über Online- und Social-Media-Kanäle.

Mit dem Anbau von Arabica-Kaffee an den Hängen des Mount Lawu in Ost-Java baut der Jungunternehmer die Wertschöpfungskette seit 2020 dynamisch aus. Auf einer drei Hektar großen Plantage wachsen bereits 1000 der vorgesehenen 2000 Kaffeepflanzen. Die örtlichen Kaffeebauern werden im Kaffeeanbau geschult und erhalten zudem eine faire Gewinnbeteiligung. Für Anfang 2022 plant Kartiko die Eröffnung eines Schulungszentrums rund um die Kaffeepflanze. Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren Kaffeebohnen von hoher Qualität für die eigenen Café-Filialen und darüber hinaus zu ernten.

„Kaffeetrinken ist zum Lebensstil geworden, deshalb bietet der Kaffeemarkt nach wie vor gute Aussichten. Die Pandemie haben wir dank unserer starken Netzwerke und Partnerschaften überlebt. Aber den wichtigsten Erfolgsfaktor, nämlich meine persönliche Weiterentwicklung im Umgang mit Krisen, den habe ich in der Schulung der VEM 2019 gelernt, dafür danke ich Gott,“ freut sich Kartiko, der seine Erfahrungen mittlerweile an andere junge Talente weitergibt.

Die VEM führt regelmäßig Aufbauseminare für junge Erwachsene in Kooperation mit ihren Mitgliedskirchen und mit Fachorganisationen in Afrika und Asien durch, um ihre Fähigkeiten zur Bewältigung von Krisensituationen zu stärken und ihre unternehmerische Selbständigkeit zu fördern. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Bildrechte: GBKP/Indonesien/Vereinte Evangelische Mission (VEM); Quelle: Vereinte Evangelische Mission (VEM). Das Bild zeigt eine Teilnehmerin eines Aufbauseminars für Frauen und Jugendliche in Indonesien, die Opfer von Gewalt wurden. Die junge Frau erhielt zudem einen Betriebsmittelkredit, um ihr Kaffeeunternehmen aufzubauen.

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Da soll noch mal einer sagen, dass Kaffee nichts mit Religion zu tun haben!

Das Engagement der Kirchen für die Ausbildung von jungen Menschen in Entwicklungsländern ist für viele die einzige Möglichkeit auf ein freies und selbst bestimmtes Leben. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich würdigen! Wem mein Blog gefällt, dem danke ich für ein Trinkgeld!

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2 Gedanken zu “Kirche, Kaffee und Corona

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