Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Rückkehr nach Kerkyra II – Boschetto Durrell und der Garten der Götter

Die Auswahl der Denkmäler und Gebäude am Spianada wäre unvollständig ohne diejenigen zu erwähnen, die sich zwischen Gouverneurspalast und Festungsgraben befinden. Nächst dem Palast und heutigem Museum für asiatische Kunst ist das die kleine aber auffällige Kirche Panagia Mandrakina. Die griechisch-orthodoxe Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde 1949 vollständig restauriert. Sie ist der Jungfrau Maria und dem Heiligen Panteleimon gewidmet und wird hauptsächlich für Hochzeiten und Taufen genutzt.

Der Kirche folgt der überschaubare „Garten des Volkes“. Daran schließt sich ein Highlight an, dass meine zweite Korfu-Reise maßgeblich mitgestalten wird, den Boschetto Garden, seit 2016 auch Durrell Garden genannt. Hier wird an drei weitere Engländer, drei Philhellenen erinnert, die sich um Korfu verdient gemacht haben.

Schon von weitem sieht man eine weiße Gestalt auf einem Thron. Man könnte meinen, hier einen Philosophen des griechischen Altertums vor sich zu haben. Tatsächlich handelt es sich aber um Frederick North, 5. Earl of Guilford, oft schlich Lord Guilford genannt. Im Jahr 1824 gründete der jüngste Sohn eines Premierministers die Ionische Akademie auf Korfu, das damals unter britischem Protektorat stand. Als erste Universität des modernen Griechenland hatte sie, obwohl sie 1864 bereits geschlossen wurde, wesentliche Bedeutung für die geistige Wiedergeburt Griechenlands. North, der zum griechisch-orthodoxen Bekenntnis konvertierte, blieb bis zu seinem Tod ein großzügiger Mäzen der Ionischen Universität.

Wenn diese Statue älteren Datums sein dürfte, die beiden Bronze-Reliefs sind nur wenige Jahre alt. Sie sind den beiden Durrell-Brüdern Lawrence und Gerald gewidmet. Lawrence war Anfang der 30er Jahre mit seiner Frau Nancy auf die Insel gezogen, 1935 kamen seine Louisa Florence Durrell mit ihren drei jüngeren Kindern Leslie, Margaret und Gerald nach. Während ihres dreijährigen Aufenthalts auf der Insel freundeten sich die Durrells mit den Einheimischen an und prägten die Erinnerungen der Älteren, die sie getroffen haben und noch heute leben. Die Durrells liebten die Insel und die Menschen und wurden von den Einheimischen geliebt. Sie schrieben Bücher über Korfu, die sie als ihr Paradies betrachteten.

Von Gerald Durrell stammt das Zitat: „Korfu ist der Garten der Götter.“ Sei älterer Bruder Lawrence schrieb in seinem Buch „Schwarze Oliven – Korfu, Insel der Phäaken“: „In anderen Ländern kannst Du Gewohnheiten, Gebräuche und Landschaften entdecken; Griechenland macht es Dir schwerer – hier hast Du Dich selbst zu entdecken.“ Als der Zweite Weltkrieg Korfu erreichte, endete diese unbeschwerte Zeit. Gerald Durrell, der jüngere Bruder, war ein beliebter Naturforscher, Ökonom, Fernsehmoderator und Schriftsteller. Seine Erlebnisse brachte er in der „Korfu-Trilogie“ zu Papier.

Lawrence Durrell arbeitete in verschiedenen Positionen für die britische Regierung, meist als Presseattaché. 1947 und 1948 kam er mit dem britischen Kontingent auf das gerade von den Deutschen befreite Rhodos, 1952 folgte ein Aufenthalt auf Zypern. Ein weiteres Mal wurde er durch geschichtliche Verwerfungen von einer griechischen Insel Vertrieben, durch den Aufstand der Zyprioten gegen die englische Besatzungsmacht. Seine Erlebnisse schilderte er in den beiden Büchern „Leuchtende Orangen“ und „Bittere Limonen“.

Während meiner ersten Korfu-Reise kam ich zufällig in diesen Park. Bis dahin waren die Durrells für mich kein Begriff. Das hat sich deutlich geändert. Die Bücher von Lawrence Durrell habe ich verschlungen, die von Gerald werden folgen. Was ich bisher gelesen habe, hat meinen Blick auf Griechenland und seine Menschen geschärft und verändert. Und nicht zuletzt habe ich durch Lawrence Durrell vieles auf der Insel Korfu erst entdecken können, was mir sonst verschlossen geblieben wäre.

Ja, wir haben uns unseren Kaffee schon mehr als verdient. Doch vorher werfen wir noch einen Blick in die Altstadt. In einer Woche geht es weiter…

Ein Urlaub im Garten der Götter!

Für mich war die zweite Reise nach Kerkyra wie die Rückkehr zu Freunden! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

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4 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch II: Rückkehr nach Kerkyra II – Boschetto Durrell und der Garten der Götter

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