Fairtrade-Woche: Kommt Fairtrade auch den Landwirtschafts-Arbeitern zugute?

Dir wird in den vergangenen Tagen vielleicht aufgefallen sein, dass wir nur besprochen haben, inwieweit Fairtrade die Kleinbauern beeinflusst. Was ist aber mit dem Einfluss auf die landwirtschaftlichen Arbeiter? Die Hilfsarbeiter sind die am stärksten marginalisierte Gruppe in der Nahrungskette, verdienen das niedrigste Einkommen und sind zusätzlich oft ungerechten Arbeitsverhältnissen ausgesetzt. Funktioniert das Fairtrade-System auch in der Hinsicht, dass es auch diese Arbeiter stärkt?

Ja, Fairtrade hat auch Zertifizierungsstandards für seine Hersteller – egal ob es Kleinbauern sind oder größere Güter und Plantagen. Diese sind so konstruiert, dass sie für soziale und ökologische Kriterien verantwortlich gemacht werden können. Zusätzlich zum Befolgen von nationalen Arbeits- und Umweltrechten beinhalten die Fairtrade Standards auch:

  • Keinerlei Missbrauch (das beinhaltet auch den verbalen Missbrauch)
  • Keinerlei Diskriminierung gegen irgendein Mitglied oder irgendeine soziale Gruppe
  • Lohnsätze müssen gleich oder höher sein, als die gesetzlichen und regionalen Mindestlöhne
  • Verbotener Einsatz von Schwarzarbeit, Zwangsarbeit und Kinderarbeit
  • Verbotener Einsatz von Gefahrenstoffen
  • Verbotener Einsatz von genetisch veränderte Organismen (GVOs)

Die Fairtrade Zertifizierung von größeren Gütern und Plantagen gilt für bestimmte Produkte (wie Bananenplantagen, Tee-Güter), während die Zertifizierung von anderen Produkten (wie Kaffee und Kakao) nur auf kleinbäuerliche Genossenschaften beschränkt ist. Überprüfungen werden regelmäßig von FLOCERT, einem unabhängigen externen Prüfer durchgeführt, um sicherzugehen, dass alle Produkte den Fairtrade Standards entsprechen. Während Fairtrade die Entwicklung fördert und Möglichkeiten bietet, unerfüllte Standards anzugehen, werden sämtliche Hersteller Organisationen oder Händler, die gegen wesentliche Kernanforderungen (z. B. illegale Arbeit) verstoßen, suspendiert oder dezertifiziert.

Die Rechte der Arbeiter schützen

Es ist wichtig zu wissen, dass kleinbäuerliche Farmen in einkommensschwachen Regionen normalerweise von Familien besessen und betrieben werden. Manchmal stellen größere kleinbäuerliche Betriebe dennoch Arbeiter ein, allerdings sind ländliche Gemeinden oft auf soziale Beziehungen (wie Verwandte und Nachbarn) angewiesen, um zusätzliche Hilfe zu erhalten. Diese Arbeiten werden in der Regel informell vereinbart weswegen es an offiziellen vertraglichen Diensten fehlen kann.

Auf Plantagen oder Gütern hingegen werden normalerweise Arbeiter eingestellt, um sich um die Pflanzen und Ernte zu kümmern. Hier schaffen die Fairtrade Standards eine Infrastruktur, um Leiharbeiter zu schützen und zu stärken. Fairtrade zertifizierte Plantagen oder Gütern müssen Verträge für ihre Leiharbeiter haben und ihnen erlauben sich zusammenzuschließen, um für ihre Rechte einzustehen. Außerdem müssen sie die Fairtrade Standards für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Arbeiter (zusätzlich zu den sozialen Kriterien, die schon erwähnt wurden) einhalten.

Fairtrade-Prämien für Arbeiter

Die Fairtrade-Prämien sind auch für Lohnarbeiter auf Fairtrade zertifizierten Plantagen oder Gütern reserviert. Die Prämien werden in der Regel einem gemeinsamen Ausschuss auf der Plantage übergeben, der von den Arbeitern verwaltet wird. Sie selber können zusammen entscheiden, was sie mit der Prämie anstellen wollen – ohne, dass der Plantagen Eigentümer was dazu sagen kann. Besonders bei Leiharbeitern können diese Prämien als Zusatzlohn oder als Lohnaufstockung verwendet werden, da zwischen dem gezahlten Mindestlohn und einem existenzsichernden Einkommen oft eine Lücke besteht.

„Ein existenzsicherndes Einkommen ist nicht dasselbe wie der Mindestlohn. Viele Länder verwenden tatsächlich ein Mindestlohnniveau, es könnte aber auch einfach nicht reichen, um die Situation zu verändern. Der Punkt eines existenzsichernden Einkommens ist ein Lohn, der sich an den Lebenshaltungskosten orientiert: was sind die Kosten einer vernünftigen Unterkunft, vernünftigen Lebensmitteln, vernünftiger Bildung, Zugang zu medizinischer Versorgung, Transport. Das alles zusammen bestimmt ein existenzsicherndes Einkommen. Und wir sind sehr darauf ausgerichtet, das Niveau existenzsichernder Einkommen für Arbeiter zu erreichen. Wenn es eine Lücke zwischen den derzeitigen Löhnen und einem existenzsicherndem Einkommen gibt, dann schließen die Zusätze diese Lücke vielleicht,“ erklärt Peter d’Angremond (FairtradeNL).

Morgen stellen wir uns die finale Frage, ob Fairtrade tatsächlich funktioniert.

Bildrechte: Bild von suju-foto auf Pixabay; Quellen: Fairtrade International, Wikipedia, foodunfolded.de, FoodUnfolded, European Institute of Innovation and Technology (EIT) Food, Fairtrade Netherlands.

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