Fairtrade-Woche: Probleme mit konventionellem Handel

Das Handelssystem ist komplex und voll von verschiedenen Akteuren und Risiken. Innerhalb des Handels gibt es Hersteller, Käufer (wie Produzenten oder Lieferanten), Transporter und Händler (wie Großhändler oder Lebensmittelgeschäfte) – jeder mit seinen eigenen Risiken, wie Schädlingsbefall, die Verfügbarkeit von Transportmittel oder der Verlust von Produktqualität oder -quantität. All diese Akteure werden im konventionellen Markt den Risiken, wie Nachfrage oder Preis ausgesetzt. Wenn jede Gruppe also seinen eigenen Risiken ausgesetzt wird, was macht die Kleinbauern in einkommensschwachen Regionen dann so viel angreifbarer?

1. Fehlende Infrastruktur des Markts

Kleinbauern werden oft unversicherten Risiken ausgesetzt, besonders wenn sie aus ärmeren Regionen mit einer weniger entwickelten Infrastruktur kommen. Ihnen fehlt oft der Zugang zu Informationen über die Marktpreise, Nachfrage oder sogar alternative Handelskanäle. Dies stellt Kleinbauern schon auf eine niedrigere Verhandlungsposition mit Käufern, vor allem wenn sie als individuelle Kleinbauern mit größeren, mehr etablierten Käufern verhandeln.

In einem globalisierten Handelssystem, in dem schriftliche Verträge und Bedingungen üblich sind, können Kleinproduzenten zusätzliche Herausforderungen bei der Durchsetzung von Vereinbarungen haben. Das kommt daher, dass sie an eine Handelskultur gewöhnt sind, die auf mündlichen Vereinbarungen und zwischenmenschlichen Beziehungen aufgebaut ist. Ohne schriftliche Verträge können Käufer aus den zuvor vereinbarten Käufen ohne rechtliche Konsequenzen zurücktreten und die Hersteller mit unverkaufter und verderblichen Ware zurücklassen, was den Wert verringert.

2. Produktionskosten und -risiken

Die Herstellung von Qualitäts-Lebensmitteln kann für Kleinbauern sehr schwierig sein. Neben den üblichen Risiken, wie Dürre, Flut, Hagel, Schädlingsbefall und Krankheiten, haben viele Kleinbauern auch noch Produktionskosten. Sei es durch Investitionen in Land, Schädlingsbekämpfungsmittel, Düngemittel, landwirtschaftliche Technologien und Systeme oder sogar zusätzliche Arbeit, wenn sie nicht genug helfende Hände in der Familie haben. Diese Produktionskosten steigen nur, wenn Hersteller sich auch noch an die Probleme durch den Klimawandel, wie Wassermangel und Naturkatastrophen anpassen müssen. Diese Probleme wirken sich noch stärker auf Kleinbauern aus, da sie tendenziell geringere Produktionsmengen und geringere Gewinnmargen haben.

3. Preisschwankungen und unbeständige Märkte

Während die Produktionskosten ansteigen, bekommen Kleinbauern zusätzlichen Druck von einem unbeständigen Markt: Produkte können den einen Monat eine höhere Nachfrage und Marktpreis haben, nur um dann den nächsten Monat wieder zu sinken. Diese Schwankungen wirken sich letztendlich auf die Einnahmen der Kleinbauern aus, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Im schlimmsten Fall sind Kleinbauern oft finanziell stärker betroffen als andere Akteure im Handelssystem. Manchmal sinken die Marktpreise sogar unter die Produktionskosten. Dies bedeutet einen Verlust für Kleinbauern, der erschütternd sein kann, wenn man bedenkt, dass viele dieser Produzenten bereits in Armut leben.

Solche angespannten Finanzen und Ressourcen wirken sich folglich auf Landarbeiter und Arbeiter aus, sei es in Form von unfairer Bezahlung, illegaler Arbeit oder schlechten Arbeitsbedingungen (wie lange Arbeitstage und schlechte Hygienebedingungen).

Morgen betrachten wir das Fairtrade Zertifizierungssystem.

Bildrechte: Bild von suju-foto auf Pixabay; Quellen: Fairtrade International, Wikipedia, foodunfolded.de, FoodUnfolded, European Institute of Innovation and Technology (EIT) Food.

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2 Gedanken zu “Fairtrade-Woche: Probleme mit konventionellem Handel

  1. Ich glaube das die meisten Menschen sich nicht annähernd vorstellen können, in was für einen komplexen Welt wir leben. Das fatale daran ist, in dieser Komplexität sind nicht nur äußere Bedingungen entscheidend, sondern auch eine ganze Reihe an Menschen, die soviel wie mögliche Parameter nur für ihren Profit zu nutzen wissen.

    Und so kommt es das letztendlich an der Theke oder am Regal nur der Preis entscheidet. Das ganz am Anfang der Kette jemand kaum zurecht kommt, erfährt doch niemand.

    Gefällt 2 Personen

    1. …oder will niemand wissen! Viele Journalistinnen und Journalisten haben unermüdlich über Landraub, Kinderarbeit, Klimaflüchtlinge und Armut berichtet. So oft, dass man schon gezielt umschalten oder weglesen musste, um nichts davon zu erfahren. Trotzdem: man kann nicht alles wissen. Ich aber möchte hier meine Leserinnen und Leser zu Expertinnen und Experten zum Thema „Fairer Kaffee“ machen. Und zu fairen Konsumenten!

      Gefällt 1 Person

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