Toms Kaffee-Moment: zurückgelassen – Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“

Mein vierzehnter Beitrag für die Fotochallenge von ROYUSCH-UNTERWEGS. Er schreibt in seinem Blog: „Bei diesem Projekt soll des darum gehen, dass ich einmal pro Woche (Sonntags) einen Begriff vorgebe und Ihr dann die Woche über Zeit habt für Euch einen Beitrag zu erstellen und auf meinen zu verlinken; aber das kennt Ihr ja schon. Auch für dieses Projekt gilt: keiner muss, jeder kann und wie immer nur ein Bild. Hier jetzt der zweiundzwanzigste Begriff, der lautet: zurücklassen.“

Und weiter: „Zur Einführung habe ich eine Zitat von Johann Wolfgang von Goethe gewählt, welches ich sehr passend zu diesem Begriff fand.

‚Was sogar Frauen an uns ungebildet zurücklassen, das bilden die Kinder aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben.‘

Hier mal ein paar Beispiele zur Bedeutung des Begriffs zurücklassen

  • jemanden, etwas an einem Ort lassen und sich entfernen; nicht mitnehmen (das Gepäck im Hotel zurücklassen, ich lasse dir/für dich eine Nachricht zurück, der tödlich Verunglückte ließ eine Frau und zwei Kinder zurück, eine Spur zurücklassen, die Wunde hat eine Narbe zurückgelassen)
  • zurückgehen, -fahren, -kehren lassen (sie wollen ihn nicht [nach Hause, in seine Heimat] zurücklassen)

Dies könnte man sicherlich noch fortsetzen, aber ich belasse es wieder mal bei dieser Auswahl.“

Mein Wahl fiel diesmal auf das Bild dieses Kameraden, der schon nach kurzem Einsatz hier zurückgelassen wurde. Zwar tendenziell eher ein Pappkamerad, so ist er doch mit zahlreichen zum Teil problematischen Stoffen ausgestattet, wie zum Beispiel einer Plastikbeschichtung, die ein Durchweichen verhindern soll. So einsam dieser Becher hier am Straßenrand steht, er ist doch nicht so einsam, wie es auf den ersten Blick scheint. Alleine in München werden täglich 190.000 Einwegbecher weggeworfen. Das bedeutet, dass jeder achte Münchner einmal am Tag einen Becher wegwirft, Kleinkinder und Greise mitgerechnet.

Jedes Jahr landen so knapp 70 Millionen Becher im Abfall – nur in München. Der schnelle Coffee-to-go erfreut sich allerdings in ganz Deutschland großer Beliebtheit: 2,8 Milliarden (2.800.000.000) Pappbecher verbrauchen wir jährlich. Das Leben eines solchen Bechers ist dabei sehr kurz: Kaum wurde er im Kiosk oder Café gefüllt, landet er nach wenigen Metern schon im nächsten Mülleimer. So entstehen 40.000 Tonnen Müll für ein paar Minuten Kaffeegenuss!

Umso absurder ist es, wenn man einmal betrachtet welche Ressourcen die Herstellung der kurzlebigen Pappbehälter verschlingt: Pro Jahr werden dafür unter anderem

  • 43.000 Bäume gefällt
  • 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht
  • 320 Millionen KWh Strom benötigt
  • 3.000 Tonnen Rohöl verarbeitet
  • 111.000 Tonnen CO2 in die Luft gepustet
  • und am Ende 40.000 Tonnen Abfall produziert

Das Argument Recycling zieht an dieser Stelle leider nicht. Die Pappbecher sind innen mit Kunststoff beschichtet und daher nicht recyclebar, von den Kunststoffdeckeln ganz zu schweigen. Auch kompostierbare Becher sind keine Lösung, da die Coffee-to-go-Becher praktisch alle in öffentlichen Abfalleimern landen und dann als Restmüll verbrannt werden. Wenn sie es überhaupt in den Abfalleimer schaffen und nicht – wie im Foto zu sehen – einfach irgendwo zurückgelassen werden.

Die einfachste Lösung: Seinen eigenen Becher mitbringen. In vielen Cafés ist das inzwischen erlaubt oder sogar explizit erwünscht, dafür setzt sich beispielsweise „coffee to go again“ ein. Oder man holt sich den Kaffee im Pfandbecher von „reCup“ und gibt den an einer der über 200 Pfandstationen im gesamten Stadtgebiet wieder ab. Oder man nimmt sich einfach mal fünf Minuten Zeit – so ein gemütlicher Kaffee im Sitzen oder Stehen aus der Porzellantasse schmeckt doch eh viel besser…

Quellen: muenchen.de, avm-muenchen.de

Besonders beeindruckt hat mich diese Woche:

windrose.rocks

Steinegarten

awapi

Meine kleine Fotosammlung

Gelassen ausgebremst

Lieber ein Coffee-to-stay als ein Coffee-to-go!

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17 Gedanken zu “Toms Kaffee-Moment: zurückgelassen – Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“

    1. Ich habe mir schon länger ein Ziel gesetzt: maximal ein Einwegbecher pro Monat. Ganz lässt es sich ja nicht verhindern, aber zumindest auf ein absolutes Minimum einschränken. Leider haben viele das Befüllen von Mehrwegbechern wegen Corona ausgesetzt. Ich hoffe, dass sich das bald wieder ändert…

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  1. Vielen Dank Tom, dass du wieder mit diesem hoch interessanten Beitrag und dem zurückgelassenen Pappkamerad bei meiner wöchentlichen Foto-Challenge zum Thema „Zurücklassen“ dabei bist 😊
    Ich empfand deine Zahlen als sehr erschreckend und frage mich, ob dies tatsächlich sein muss oder ob es nicht doch eine bessere Lösung gibt?
    Liebe Grüße und dir noch einen schönen Tag,
    Roland

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, es gibt andere Lösungen: den Kaffee im Sitzen statt im gehen trinken, eigenen Becher mitbringen, Pfandbecher verwenden und so weiter. Gerade im Blick auf den Klimawandel sollte man sich schon die 111.000 Tonnen CO2 alleine bei der Herstellung sparen, die Umweltbelastung bei der Müllverbrennung noch gar nicht mitgerechnet. Diese Unarten sollten wir „zurücklassen“!

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  2. Das macht einmal nachdenklich. Wir nehmen uns zu wenig Zeit für Dinge, die wir tagtäglich tun. Wie den Genuss eines Kaffees zum Beispiel. Einen Kaffee im Vorbeigehen zu leeren macht doch keinen Spaß. Dann lieber die ruhige Minute mit einrechnen, schon fällt der Einwegmüll weg. Ich glaube, irgendwann wurde es einfach hip, mit so einem Becher Kaffee durch die Stadt zu stolzieren, denn man ist ja „so beschäftigt“. Das Umdenken wird ein wenig brauchen. Danke für diesen wertvollen Beitrag.
    Und für die liebe Erwähnung und Verlinkung.

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    1. Sehr gerne! Ich weiß nicht wer uns eingeredet hat, dass wir uns in der U-Bahn unbedingt an einem Kaffee festhalten müssen – zumal wir ihn wegen der Maskenpflicht dort gar nicht trinken können… Deshalb liebe ich die italienischen Cafèbars so sehr. Bus verpasst? Rein ins Cafè, ein Espresso bitte“! Trinken, zahlen, oh, da kommt der nächste Bus…

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