Bosnischer Kaffee-Moment: morgens in der Baščaršija

Der Sommer klebt an den Hauswänden der Baščaršija, der Altstadt Sarajevos. Es riecht nach gegrilltem Fleisch, aus einem der kleinen Läden tönt Balkan-Pop ungerührt weiter, während von den Minaretten zum Morgengebet gerufen wird. Vor den zahlreichen kleinen Restaurants, Buregdžinicas und Ćevabdžinicas wird mit viel Wasser das weggeschwemmt, was die Nacht übrig gelassen hat. Schade! Die Tauben hatten sich schon auf ein reichhaltiges Frühstück gefreut. In der Gasse hängt noch der Rauch der Shishas vom Vorabend, der Friseur entriegelt früh seine Ladentür, aus den Bäckereien strömt der Duft von Burek und Baklava.

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Sarajevo mag etwa sieben Kilometer breit sein, das Herz der Stadt aber schlägt in Stari Grad, der Altstadt, in der Baščaršija, dem historischen Zentrum. Baščaršija, das ist Marktplatz, Heimat unzähliger Tauben, Boulevard, an dem man sich abends begegnet, kultureller wie kulinarischer Mittelpunkt und Sebilj, ein Brunnen in Form eines Kiosks, ist der Nabel dieser Welt.

Am Morgen blinzelt die Sonne noch etwas verhalten durch Dunst, Smog und den aufgewirbelten Staub der Straßenfeger. Jetzt ist die beste Zeit zum Einkaufen, bevor die Mittagshitze die Altstadt in einen Glutofen verwandelt. Vereinzelt sitzen schon Kupferschmiede vor ihren Buden und Treiben Kännchen und Töpfe aus dem Metall. Ihr Klopfen ist der Puls der Altstadt und begleiten einen bis in den späten Nachmittag. Leider mehr Show als Realität: die meisten der kupfernen Džezvas, Schälchen und Tabletts – unentbehrlich für die Zubereitung Bosnischen Kaffees – kommen mittlerweile aus Fernost. Trotzdem sind sie schön…

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Von meiner Pansion, die heißt wie das Wahrzeichen der Altstadt, Sebilj geht es über den Platz und vorbei an der Baščaršija Moschee zur Mula Mustafe Bašeskije und zur Pekara Edin, zur Bäckerei. Hier riecht es nach frischen Brötchen, Börek und, bei mir als morgendlicher Snack sehr beliebt, Wiener Würstchen im Teigmantel. So gestärkt geht es zurück zur Quelle. Man isst besser nicht im Gehen. Die Tauben haben ein starkes Bedürfnis das Frühstück mit einem zu teilen.

Wer nicht gerade einkauft oder etwas Zeit übrig hat, der setzt sich in eines der zahlreichen traditionellen Cafés. Zu nennen wären hier das Caffe Oryent, das Caffe Aksaraj, das schliche Kaffa, die Bosanska kafana „Tunel“ mit Blick auf den Marktplatz und die Mosche, das Caffe Damar gegenüber, das etwas versteckte Dibek und natürlich die Kafana „Behar“, das älteste – türkische – Café der Stadt.

Hier bekommt man den landestypischen Mokka, immer mit einem Glas Wasser, manchmal mit Rahat Lokum, kleinen, bunten Geleewürfeln in Puderzucker gewälzt. Um sich nicht gleich bei der Bestellung unbeliebt zu machen sollte man besser keinen „turska kafu“ sondern einen „bosanska kafu“ ordern. Kein Unterschied im Produkt, aber ein großer Unterschied in der Weltanschauung. Obwohl, hier in der touristengewohnten Baščaršija, dem osmanisch geprägten Teil der Altstadt, würde man mir diese Unachtsamkeit bestimmt verzeihen. Im serbischen Teil der gespaltenen Nation wäre man das nicht. Hier gibt es – wenn überhaupt – „srpska kafu“.

Im Inneren der Kafana Behar scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: niedrige Tische, Bänke und Hocker und eine Art Theke, an der vor allem Kaffee gebrüht wird. Übrigens im selben Kupfertöpfchen, wie man es nebenan beim Kupferschmied zu kaufen bekommt. Zusammen mit Mühlen, die – je nach Kundenwunsch – entweder historisch originale und traditionelle Pfeffermühlen oder historisch originale und traditionelle Kaffeemühlen. Man nimmt es halt nicht mit allen Traditionen hier so ganz genau. Mit der des Kaffes Gott sei Dank schon. Hvala Bogu!

Es ist schon früh heiß heute. Darum macht sich das große Glas Wasser mit Eiswürfeln besonders gut als Beigetränk zum bosnischen Kaffee. Den kann man übrigens nicht schnell trinken, wie beispielsweise den Espresso. Für bosnischen Kaffee muss man sich Zeit lassen. Einschenken – Vorsicht! – damit nicht gleich der ganze Satz in der Tasse ist. Zucker dazu. Umrühren. Warten bis sich der Kaffeesatz am Boden gesammelt hat. Dann ein paar Schluck trinken. Einen Schluck Wasser dazwischen. Nachfüllen. Zuckern. Warten. Wiederholen so lange man Kaffee, Zeit und Muße hat. Und Zeit hat man hier viel…

Das Geheimnis des Bosnischen Kaffees ist die Zeit!

Deshalb muss man sich auch die Zeit nehmen, um diesen Bosnischen Kaffee-Moment in aller Ruhe zu genießen! Du bist dran! Der nächste Kaffee geht auf Dich! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein kleines Trinkgeld!

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10 Gedanken zu “Bosnischer Kaffee-Moment: morgens in der Baščaršija

  1. Ein Kaffee-Moment, der Lust auf Land und Leute macht. Es war, als sei man in der Altstadt mit dabei gewesen. Ich stelle mir eine harmonische Verbindung zwischen ehemals sowjetischen und nahöstlichen Einflüssen vor. Dazu einen sämigen Kaffee mit viel Zucker. Vielleicht noch eine Shisha. Etwas Gebäck. Und immer mal wieder nach den Tauben schielen…

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    1. Ja, die Tauben sind dort allgegenwärtig. Im Gegensatz zu Griechenland, wo man den Grad der Süße bei der Bestellung festlegt, muss/darf man in Bosnien selber Zuckern. Was bedeutet, dass der Satz frisch aufgewirbelt wird und sich vor dem Trinken erst einmal wieder absetzen muss. Vielleicht muss man sich deshalb für bosnischen Kaffee besonders viel Zeit lassen…

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