Toms Kaffee-Moment: Stille zum Sonntag

Genau eine Woche nach der Biker Demo demonstrieren die Radfahrer. Ich merke das daran, dass es leiser ist wie sonst. Sogar leiser, wie am eher verkehrsruhigen Sonntag üblich. Da fahren sie also über die selbe Kreuzung wie letzte Woche die Krachräder, doch statt infernalischem Getöse hört man Stimmen, vereinzelt eine Klingel und – Stille!

Mein Blogbeitrag von letztem Sonntag war nicht unumstritten. Vor allem auf Facebook durfte ich jede Menge verbale Prügel einstecken. Ich sei halt einer, der „immer alles schlechtmacht“, der „ständig nur am meckern ist“ und offenbar anderen gar nichts gönnt. Ich hatte am Montag ja den direkten Vergleich zur Baustelle gegenüber. Selbst die war leiser, als so mancher Knall-Verbrenner.

Deshalb stelle ich hier noch einmal fest: ich habe nichts gegen Motorradfahrer. Trage ich mich doch selbst mit dem Gedanken meinen Führerschein auf A1 zu erweitern (sollte wieder Geld da sein). Und ich habe auch nichts gegen Freiheit. Doch die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Gemeinschaft stört. Und dass Motorradfahren nur dann schön ist, wenn man dabei den selben Geräuschpegel erzeugen darf, wie ein Luftwaffenstützpunkt beim Manöver, das glaube ich einfach nicht.

Also genieße ich meinen Sonntagskaffee auf meinem Balkon und freue mich über die ruhige Radl-Demo. So gesehen ist Lärm, beziehungsweise fehlender Lärm, nämlich tatsächlich ein Argument für oder gegen etwas. Klar, auch Radfahrer können eigensinnig sein. Aber am heutigen Sonntag stört mich keine von ihnen auf meinem Balkon… In diesem Sinne: Euch einen schönen Sonntag!

16 Gedanken zu “Toms Kaffee-Moment: Stille zum Sonntag

  1. Na ja, die „sozialen“ Medien im allgemeinen und Facebook im einzelnen sind so ein Forum, wo jeder meint, ungefiltert und unreflektiert seine Grütze ablassen zu können. Ich bin da schon seit längeren nur sporadisch unterwegs und versuche, mich in verschiedene Arten von Diskussionen nicht reinziehen zu lassen. Kommentieren die Menschen hingegen direkt auf einem Blog und müssen erstmal die Moderation passieren, scheinen sie sich eher zusammen zu reißen und den richtigen Ton zu finden. Man kann alles sagen und alles kritisieren, es kommt nur darauf an, wie man es macht. Und es ist schön, wenn man seinen Standpunkt mit (sinnhaften) Argumenten untermauern kann. Das fehlt eben oft bei Facebook und Co.

    Ich denke, dass die Biker mit ihrer Aktion inzwischen wohl den letzten gegen sich aufgebracht haben, der nicht selber fährt (und auch so mancher, der selber fährt, kann es nicht nachvollziehen, siehe meiner einer 😉 ).

    Klar ist der Radverkehr leiser. Aber ich kann dich nur zu einem Motorradführerschein ermutigen. Macht mehr Spaß 😉

    Und am Ende entscheidet jeder für sich, was für eine Maschine er fährt, und wie er sie fährt. Es muss nicht sein, dass eine startende Rakete am Cape Canaveral leiser ist als ein Biker, der mit seinem Vehikel von dannen zieht…

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    1. Ich finde es gut, hier einmal die Meinung zu lesen, von einer „Betroffenen“. Es zeigt mir, dass Zweiradfahren mit Rücksicht auch möglich wäre. Und das dass Spaß macht, kann ich bestätigen. Bin über Jahre hier in der Stadt mit der 50er gefahren und in jedem Griechenland-Urlaub. Wie toll sich richtiges Motorradfahren anfühlt kenne ich allerdings nur als Mitfahrer. Klar, Motorradfahren hat eine Faszination, die natürlich nicht nur vom Wind, sondern auch von Vibrationen und dem Betriebsgeräusch abhängt. Aber auch das ist in moderaten Lautstärken möglich.

      Es will ja niemand Motorradfahren generell verbieten. Nicht einmal an Sonn- und Feiertagen ist ein Fahrverbot für alle motorisierten Zweiräder geplant. Es geht nur um die sehr und sehr sehr lauten Maschinen – und es verwundert mich etwas, wie viele an der Demo teilgenommen haben, die es eigentlich gar nicht betrifft. Im Prinzip wird von Kommunen- und Behördenseite nichts anderes versucht, als den Motorradverkehr in für alle erträgliche Bahnen zu lenken. Übersetzt heißt diese Demo nämlich nichts anderes, als „Wir wollen keine Rücksicht nehmen!“

      Das die asozialen Medien kein Ort für eine gepflegte Diskussion sind, das dürfte mittlerweile fast jedem klar sein. Dadurch, dass man seinen Gesprächspartner nicht sieht, meint man alles nach belieben raushauen zu können. Vor allem aber haben jetzt auch die eine Stimme, die besser schwiegen. Gute Argumente lassen sich halt weder durch Sharepics, noch Bauchgefühl ersetzen. Was bin ich froh, dass die Kommentare hier in meinem Blog so friedlich und gesittet abgegeben werden!

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      1. Ich vermute, dass die Demo in der Biker-Community nach dem Motto „Sie wollen uns das Fahren am Wochenende verbieten“ verbreitet wurde. Oft ist es so, dass das kaum jemand hinterfragt und sich kaum einer, ob betroffen oder nicht, für die Hintergründe interessiert. In der Szene geht schon länger das Gerücht um, man hätte allgemein was gegen Biker. Das habe ich bei früheren Demos so mitbekommen…

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        1. Es hat ja auch sei Gutes: ohne die beiden Demos dieses und letztes Jahr hätte ich mich gar nicht so eindeutig positionieren können, da mir der direkte Vergleich zur eher leisen Baustelle gefehlt hätte. Offenbar wurde das Demo-Konzept „Mit Lärm gegen Lärmverbote“ nicht hinlänglich durchdacht…

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