Ägyptischer Kaffee-Moment

Ihr habt richtig gelesen: ägyptisch! Kam bisher hier im Blog nicht vor. Das mag vor allem daran liegen, dass die Reise schon 2005 stattfand und man damals aus heute nur schwer nachvollziehbaren Gründen nicht jedes Essen und jedes Getränk fotografierte – eine verrückte Zeit! Weshalb es diese Bilder auch nicht gibt. Dann stolperte ich kürzlich über diese Bilder. Der Kaffee ist zwar nicht im Bild, allerdings gibt es Pyramiden und so. Und Freund Stephan. Und mich im Coffee Shop „Gizeh“ zu Füßen der Sphinx… Doch der Reihe nach.

Es war Stephan, der auf die Idee kam gemeinsam Urlaub zu machen. Mit der S-Bahn fuhren wir zu den Reisebüros am Flughafen. Wir wollten uns beraten lassen. Der freundliche Reiseverkäufer zeigte uns viele hübsche Hotels auf vielen hübschen Hochglanzbilder in hübschen Hochglanzkatalogen – doch wie mag die Wirklichkeit aussehen? Oder anders gefragt: „Waren Sie schon einmal da?“

Das nicht. Dann zeigte er uns Bilder eines Hotels im ägyptischen Hurghada und erklärte, er sei zwar noch nie dagewesen, er hätte aber einen Kumpel in dieses Hotel vermittelt. Und dem Kumpel hätte es dort nicht nur gefallen, er habe auch viele hübsche Fotos mitgebracht, die denen im Hochglanzkatalog in nichts nachstünden. Für uns war das DAS Kaufargument und wir schlugen zu. Und wurden nicht enttäuscht, doch davon ein andermal…

Ich wollte keinen Urlaub in Ägypten machen ohne wenigstens die Pyramiden gesehen zu haben – das letzte noch existierende der sieben Weltwunder! Nun ist von Hurghada gesehen Kairo ja nicht gerade um die Ecke, aber auch dafür eine Lösung. Man muss halt nur eine Nacht durchmachen und dann – ich weiß nicht mehr ob um zwei oder drei Uhr oder gar eins? – zu gottloser Zeit mit dem Bus vom Hotel abgeholt zu werden. Stundenlang ging es durch die Wüste, aber die Rast an einer kleinen Oase mit Tankstelle bei Sonnenaufgang bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Gab es Kaffee? Ich weiß es nicht mehr.

Morgens erreichten wir dann Kairo, ein Moloch, der sich wie ein wucherndes Geschwür im Niltal breit macht. So breit, dass die Pyramiden, einst weit vor der Stadt, inzwischen in Spuckweite zu der urbanen Bebauung liegt. Aus Rücksicht auf die Gemüter der Touristen gibt es aber durchaus noch Blickwinkel, die einem Aufnahmen erlauben, die wiederum den Eindruck erwecken die Pyramiden ständen irgendwo verlassen in der Wüste. Hübsch und fotogen der Touristen-Polizist in seiner feschen blütenweißen Uniform hoch zu… äh… Kamel.

Statt uns in die Schlange vor der Cheopspyramide zu stellen, liefen wir lieber herum. Es gab nämlich nur zwei Alternativen: entweder stundenlang unter einer immer sengenderen Sonne darauf zu warten im Schweinsgalopp durch die Cheopspyramide geschleust zu werden ODER sich in aller Ruhe die Pyramiden von außen, die Sphinx und so das ganze drumherum anzusehen und gemütlich einen Kaffee zu trinken. Die Wahl viel einstimmig aus und war leicht.

Drinnen waren wir dann allerdings irgendwie doch. Zwar nicht in der Cheopspyramide aber dafür hatten wir mehr oder weniger einen Privatbesuch im Mykenios-Tempel – gegen Bakschisch, welches allerdings im Vergleich zu dem Preis eines Pyramideneintritts geradezu ein Schnäppchen.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 100_1326cairogizethiefsstephan.jpg.

Danach hatte wir noch genügend Zeit um uns mit Beduinen zu streiten, die uns mit Kamelen entführen oder ähnliches wollten. Wir wollten aber nicht. Für die Sphinx hatten wir dann auch noch Zeit und Muße, hinter der, nicht wie man so oft fälschlich annimmt, die Cheops- sondern die Chephrenpyramide steht. Und dann ging es schon zum Coffee Shop.

Wo hat man sonst ein Café zu Füßen der Sphinx und mit Blick auf die Pyramiden? Eben! Hier einen Kaffee zu trinken war schon damals Pflicht. Ein ägyptischer Kaffee-Moment eben! Der Rest des Tages war übrigens nicht weniger ereignisreich. Das Mittagessen gab es in einem Restaurant in einem Schiff auf dem Nil. Dann gab es noch einen Besuch in einer Papyrus-Manufaktur. Zu den unvergesslichen Reiseerinnerungen gehört, wie der arme Verkäufer, der sonst ahnungslose Touristen übers Ohr haut, sich beim Feilschen die Zähne an meinem Kumpel Stephan ausbiss. Letzterer ist übrigens Pfandleiher.

Etwas hektischer wurde es während unseres Besuchs des Ägyptischen Nationalmuseums nahe des Tahir-Platzes. Etwa 20 Minuten nachdem wir dort aus dem Bus ausgestiegen waren, explodierte vor dem Museum eine Bombe. Den Knall hörte man bis ins Museum, wobei es sich eher so anhörte, als hätte ein unachtsamer Tourist eines der hohen Regale umgestoßen, welches dann auf dem Marmorfußboden aufschlug. Als man uns aus dem Nationalmuseum rausließ waren die Spuren des Anschlags bereits beseitigt. Wasserpfützen verrieten, wo das Blut weggewischt worden war…

Im Vorbeifahren gelang mir dann noch eine Aufnahme vom Tahir-Platz. Später erinnerte ich mich wieder an den Platz, der damals einer riesigen Baustelle glich und nur wenig repräsentativ war. Die Erinnerung setzte ein, als sich dort eine Revolution festsetzte, die schließlich zum Sturz eines korrupten Regimes führte, dass dann durch das nächste korrupte Regime ersetzt werden sollte. Doch damals, als wir im Coffee Shop zu Füßen der Sphinx saßen und unseren Kaffee tranken, da ahnte davon noch niemand etwas.

Wenn ich diesen Urlaub zurückblicke, dann mache ich das mit großer Dankbarkeit. Denn die Reisekosten übernahm Stephan damals ganz. Ich musste nur für das aufkommen, was während der Reise so anfiel, Kaffee, Zigaretten und Gedöns. Wo wäre man ohne Freunde? Wir kennen uns jetzt seit über 20 Jahre und haben schon viel miteinander erlebt. Und ich kann sagen, das Stephan einer der großzügigsten Menschen ist, die ich kenne – bis heute!

Ein Kaffee zu Füßen der Sphinx?

Sehr gerne! Lass uns gemeinsam diesen ägyptischen Kaffee-Moment erleben und in Reise-Erinnerungen schwelgen! Wenn Dir mein Blog gefällt, dann freue ich mich über ein Trinkgeld!

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25 Gedanken zu “Ägyptischer Kaffee-Moment

  1. Tja Ägypten da waren wir auch mal und ebenfalls mit dem Kumpel. Aber damals, exakt nur wenige Woche vor den ersten Anschlägen. Auch in Hurgada entspannten baderulaub machen und dann für einen drei Tragetrip nach Kairo. Der wurde aber mit dem Flieger gemacht, was dann auch ein Erlebniss pur war. Schönes Land, sehr interessant, aber eben leider auch politisch alles andere als stabil. Und Urlaub in einem Land zu machen, wo Hotelanlagen, Busse und alles andere mit Maschinenpistolen bewacht werden… .

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      1. Da gebe ich Dir völlig recht. Wir haben ebenfalls die Wüste mit einem Konvoi an bewaffneten Sicherheitspolizisten durchquert, nachdem es kurz zuvor viele Anschläge auf Touristen gegeben hatte. Ich hatte dasselbe Gefühl, und – es ist schade für das wirklich sehenswerte Land mit seinen liebenswürdigen Menschen.

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  2. Einen Bombenanschlag fast live miterlebt 😱? Braucht kein Mensch! Zum Glück waren eure anderen Abenteuer harmloserer Natur. Du kannst dich glücklich schätzen, so einen guten und großherzigen Freund zu haben. Solche Menschen sind rar gesät!

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  3. Das ist ein sehr schöner Beitrag. Aus der Zeitperspektive scheint es so, als sei der Urlaub in Ägypten (oder überall sonst) noch etwas Besonderes gewesen. Warum? Vielleicht weil man eben nicht alles mal schnell im Internet nachrecherchieren konnte, man verließ sich da voll und ganz auf die Empfehlungen von Bekannten und die des Reisebüros.

    Wie es aussieht, war die Lage auch damals recht prekär. Schwer einzuschätzen, wie das heute ausschaut. Eine Kreuzfahrt den Nil aufwärts wäre ein tolles Erlebnis, aber mein Mann protestiert, es ist ihm zu unsicher. Wie dem auch sei, sehr schöne Reiseerinnerungen. Der Kaffee ist dabei fast schon ein wenig untergegangen, aber das ist okay 😉

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    1. Wie gesagt: als wir rauskamen waren die Bombenschäden schon beseitigt. In den Nachrichten kam damals sehr wenig. Besser, denn dann brauchte ich meine Verwandten und Freunde nicht beruhigen. An dieser Art von Nachrichten war man damals von ägyptischer Seite aus nicht interessiert. Heute dürfte es wieder relativ sicher sein. Was bedeutet relativ? In meinem Fall 15 Minuten und etwa 80 Meter Luftlinie. Das komische daran ist, dass ich seit dem vor Terroranschlägen weniger Angst habe. Die haben mich schon einmal um 15 Minuten verpasst…

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      1. Na ja, faktisch ist die Wahrscheinlichkeit, wirklich am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein, sehr gering. Wie man – glücklicherweise! – an deinem Beispiel sehen kann. Vielleicht relativiert das die Betrachtungsweise. Und gut, dass deine Familie nichts mitbekam, nicht nötig, dass sie Ängste ausgestanden hätten…

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  4. Donnerwetter, was für eine Reise! Inklusive Terroranschlag – grausig so was. Mir reicht das ungute und höchst beklemmende Gefühl, das ich während des Massakers im OEZ vor fünf Jahren hatte, obwohl ich sicher und geborgen zuhause war…

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    1. Mir zeigt das, dass uns so etwas überall erwischen kann, in der U-Bahn in Madrid, im Bahnhof von Bologna, im Doppeldeckerbus in London, im OEZ, vor dem Ägyptischen Nationalmuseum. Oder eben um 15 Minuten verpassen. Wir sind nirgends absolut sicher – und trotzen ist die Wahrscheinlichkeit, dass es uns erwischt, so verschwindend gering, dass wir uns eigentlich keine Gedanken darüber machen müssten…

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  5. Das ist natürlich völlig krass einen Bombenanschlag miterleben zu müssen wenn auch nicht direkt sondern eben ein Stück entfernt. Trotzallem möchte das sicherlich niemand und ein Urlaub sollte andere Erlebnisse bereit halten.
    Von dem Platz habe ich schon viel gehört und solche Orte sind von der Wirksamkeit natürlich genau das was Terroristen suchen. Viele Menschen und sehr Medienwirksam.
    Ist für euch nichts schlimmeres passiert aber ich würde solche Orte glaub immer ein bisschen meiden bzw. hätte immer ein ungutes Gefühl.

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