Toms Kaffee-Moment: woanders

„Wenn du irgendwo auf dieser Welt leben könntest – eine Zeit lang oder auch für immer –, wo wäre das?“ Diese Frage stellt die Autorin des Blogs „Aequitas et Veritas„. Aufmerksam auf diese zweiwöchentliche „Challenge“ wurde ich durch einen Beitrag meine Blogger-Kollegin Kasia von Windrose.Rocks. Dort heißt es: „Alle zwei Wochen sucht sich die Autorin eine Frage aus ihrem Tagebuch heraus und lässt uns grübeln.“ Deshalb auch die Anführungszeichen bei „Challenge“, denn ich verstehe das eher als Denkanstoß.

Ja, wo wäre das, dieses „Woanders“ an dem man gerne leben würde. Das Schlimme ist, dass ich weiß wo das ist. Korfu.

„Ach Tom, das kennen wir alle. Nach jedem Urlaub möchten wir genau da leben, wo wir so eine schöne und unbeschwerte Zeit verbracht haben.“ So zumindest stelle ich mir die Reaktion manchen Freunde und Leserinnen/Leser vor. „Wenn es nur so wäre!“, möchte ich ihnen entgegnen. „Dann wäre die Sehnsucht nicht so groß!“.

Natürlich kenne ich das Gefühl, nach jedem Urlaub. Ich versuche dieses Gefühl ja nach Kräften am Leben zu erhalten. Man kocht aus dem mitgebrachten Kochbuch lokale Gerichte nach. Man bringt sich Tassen, Lebensmittel, Kaffee aus dem Urlaub mit. Man hört ausländische Radiosender, auch – beziehungsweise vielleicht gerade deshalb! – wenn man die Sprache nicht versteht. In der Regel legt sich das. Spätestens nach dem nächsten Urlaub, weil man dann eben dahin zurückwill. Alleine: Korfu ist anders. Korfu ist mehr. Korfu bleibt.

Man sagt, jeder Fremde, der einmal aus der Kardáki-Quelle getrunken hat, jener Quelle, die unterhalb des 1822 zufällig entdeckten Kardáki-Tempels entspringt, würde auf der Insel bleiben. Vermutlich wurde mein Cappuccino Freddo im Kafenion Kanóni – erbaut nur 42 Jahre nach der Entdeckung des Tempels – mit Kardáki-Wasser aufgebrüht. Der dorische Tempel auf der Halbinsel Analipsi mit seinen ursprünglich wohl 30 oder 32 monolithischen Säulen konnte keiner Gottheit zugeordnet werden und wurde deshalb nach der Gemarkung innerhalb des Parks von Mon Repos benannt, auf der er steht. Trotzdem ist er das eindrucksvollste Überbleibsel aus der Antike und ist, auch bei strömendem Regen, ganz hübsch anzusehen, von lauschigem Grün umhüllt und mit Blick aufs Meer.

Mein woanders wäre also in einem der schönen Cafés am Liston, einem Kafenion oder irgend einem Gyros-Imbiss an der Straße mit blauen Tischen und Stühlen und Papiertischdecken mit einer stark vereinfachten Karte der Insel. Mein woanders wäre mit einem Cappuccino, einem Frappé oder einem griechischen Kaffee, dessen Satz einem zwischen den Zähnen hängen bleibt. Mein woanders wäre mit einer Flasche Wasser, Zagori, Olympia oder Kostilatas, die so kalt ist, dass das Plastik beschlägt. Mein woanders riecht nach Meersalz und am Hafen nach Diesel und Fisch und in den Bergen nach Pinien, Kiefern und wildem Salbei. Mein woanders schmeckt nach sonnengereiften Tomaten, frischen Oliven und Käse aus salziger Lake. Und mein woanders fühlt sich an wie warme Sonne auf der Haut und einer leichten Brise, die sanft über die feinen Härchen streicht. Korfu halt.

Ein Sprichwort sagt: „Ein Kaffee – 40 Jahre Erinnerung!“

Ob ich mich wirklich so lange daran erinnern werde, bezweifle ich zwar, aber ich freue mich trotzdem, wenn Du mich auf einen Kaffee einlädst. Zum Beispiel mit einem freiwilligen Trinkgeld!

2,20 €

19 Gedanken zu “Toms Kaffee-Moment: woanders

  1. ja spontan würde ich auch gerne im Süden leben aber noch lieber in Florida, der Virus hat mich echt im Griff und meine Tochter auch, d. h. sie wird ihren Traum dort vielleicht wirklich noch leben dürfen und ich sie besuchen…

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  2. Aus deinem Text spricht die Sehnsucht und die Liebe zu diesem Fleckchen Erde. Und ja, ich kaufe es dir ab, dass es dieser eine Ort ist, der dich wohl für immer glücklich machen würde. Zugegeben, als du mir davon geschrieben hast (an dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die liebe Erwähnung), da dachte ich mir; ist wohl so eine Urlaubsschwärmerei vom lieben Tom. Es scheint mehr zu sein als das. Ich hoffe für dich, dass es dich irgendwann einmal für länger an diesen, deinen Lieblingsort verschlägt, auf welchen Wegen auch immer 😉

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  3. Was für eine schöne Liebeserklärung! Ich kann das Gefühl voll nachempfinden. Nur dass es sich bei mir nicht um Korfu dreht (dort war ich bisher noch nie), sondern um, ja, um welchen Ort eigentlich? Nun, bei mir gibt es mehrere. So leicht wie dir, mich da festzulegen, fällt es mir nicht.

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