Toms Kaffee-Moment: Taxi und Corona

Es ist Sonntag und ich bekomme von der Zentrale einen Auftrag mit zwei Zusätzen, nämlich „Patientenfahrt“ und „mit Trennscheibe“. Eigentlich mag ich Fahrten, die mit Trennscheibe geordert werden, da ich davon ausgehen kann, dass mir Diskussionen über Corona-Regeln und Maskenpflicht erspart bleiben. Ich sollte mich irren…

Erst, als meine Fahrgästin sah, dass der Beifahrersitz mit Tasche, Jacke, Putzzeug und Desinfektionsmittel belegt ist, stieg sie hinten ein. Ich hatte, wie immer, bereits während der Anfahrt meine Maske aufgesetzt. Ob sie denn hinten auch eine Maske tragen müsste, fragte sie, was ich bejahte. Also bei ihrem Stammfahrer, der sie sonst zur Dialyse fährt, ginge das auch ohne!

Das mit Corona sei ja auch alles Schmarrn, fuhr sie fort. Wie soll das denn alles weiter gehen? Jetzt haben wir schon die Delta-Variante und äh… „Eta, Kappa und Lambda“, ergänzte ich. Ja genau. Und das wird IMMER so weiter gehen. Bei jeder Grippewelle. Sie werden es sehen! Das wird nie mehr enden.

Wir kamen inzwischen an die Kreuzung Franziskanerstraße und Gebsattel. Nach rechts zum Gebsattel ist das Abbiegen derzeit verboten, da dort eine Baustelle ist und die Spur derart verengt, dass man, wenn man trotzdem um die Baustellenbarken herumzirkelt, unweigerlich in den Gegenverkehr steuert. Wo ich denn langfahren würde, fragt sie mich. Ich entgegnete, dass, da das Abbiegen hier unmöglich sei, ich statt des Gebsattelbergers die nächste Gelegenheit nehmen würde, nämlich den Nockherberg. Also ihr Stammfahrer würde hier immer abbiegen.

Ich erkenne ein Muster. Kollegen, die eine Abneigung gegen Corona-Maßnahmen haben, gehen offenbar gerne auch höhere Risiken im Straßenverkehr ein! Er ist beileibe nicht der einzige. Ich kenne einen Kollegen, der nicht nur die Corona- und Desinfektionsregeln konsequent verweigert, er schließt auch den Gurt hinter seinem Rücken, damit ihn nicht das unweigerliche Gepiepse stört. Ich vermute eine gewisse Unentschlossenheit gegenüber der eigenen Todesumstände. Anders gesagt: ob es Corona oder ein Autounfall sein soll.

Bis zur Dialyse begleitete mich noch das Abspulen aller Verschwörungstheorien bezüglich Corona Seitens meiner Fahrgästin. Ich verkniff mir zu sagen, dass ich diesen ganzen Aufwand ja unter anderem auch deshalb betreibe, damit vulnerable Fahrgäste – wie sie eine ist – eine bessere Überlebenschance haben. Nach der Fahrt suchte ich mir erstmal einen Platz an der Sonne und gönnte mir eine Portion Kaffee aus meiner Thermoskanne.

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16 Gedanken zu “Toms Kaffee-Moment: Taxi und Corona

    1. Danke, danke. Gott sei dank sind die meisten Fahrgäste einsichtig. Mit den Lockerungen sinkt allerdings die Bereitschaft zur angemessenen Vorsicht im Taxi. Da man hier auf engstem Raum sitzt und die Luft schnell knapp wird, ist das Risiko hier besonders groß. Aber ich lasse nicht locker…

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  1. Du Armer. Als Fahrgast könnte ich einem so saublöd schwätzenden Taxifahrer sagen, er möge bitte rechts ranfahren. Als Fahrer darf man einen Fahrgast vermutlich nur rausschmeißen, wenn … Ja, wann eigentlich? – Das mit der Trennscheibe habe ich nicht verstanden. Muss wohl eine Idee der Zentrale gewesen sein (wegen Dialyse, Patientenfahrt oder so).

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    1. Ich habe da schon psychologische Hürden eingebaut. Der Beifahrersitz ist ganz vorne und auf dem Sitz liegen Putz- und Desinfektionsmittel, meine Tasche und meine Jacke. Das ganze zwar noch recht geordnet, aber mit einer unmissverständlichen Botschaft: „Hier sitzt man nicht!“. Eine Dame begrüßte mich mal mit den Worten: „Räumen Sie hier mal frei!“, woraufhin ich ihr eine Alternative anbot: „Wie wär’s, wenn Sie einfach hinten einsteigen?“ Es ist erstaunlich, wie viele Leute beteuern, dass sie hinten niemals reinkommen würden, es dann aber doch geht. Klar, es ist manchmal mühsam, aber ein Aufenthalt auf einer Intensivstation ist es sicher auch…

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  2. Ich weiß, es ist nicht einfach, mit solchen Fahrgästen und solchen Theorien/Meinungen umzugehen. Ein Teil meines Kundenstammes gehört auch zu überzeugten Corona-Hinterfragern (will jetzt nicht sagen: Leugnern..) und, na ja… Am besten man lässt sie erzählen und macht trotzdem sein Ding. Manche Dinge lassen sich eben nicht wegdiskutieren. Ich fühle mit dir und kann verstehen, dass du erstmal ne Pause brauchtest…

    Liebe Grüße und Kopf hoch!
    Kasia

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    1. Ja, es ist ein Festival gepflegten Halbwissens. Vielleicht ist die YouTube-Universität der falsche Ansprechpartner. Ich hatte schon vor einiger Zeit ein längeres Gespräch mit zwei guten Freunden, die in der Forschung eines großen Pharmaunternehmens arbeiten und habe es mir erklären lassen, von Virus bis Impfung. Seitdem ist mein Standpunkt nicht nur klar, sondern auch fundiert. Leider kann ich es nicht so gut referieren, was bei uneinsichtigen Mitmenschen vermutlich eh keinen Sinn hätte. Die Pause habe ich aber gebraucht!

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      1. Es ist immer die Frage, ob sich jemand etwas erklären lassen will. Bei Menschen, die fest entschlossen sind, an ihrer Überzeugung wider besseren Wissens festzuhalten, da wäre es schade um deine Zeit und Mühe 🙂

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