Bosnische Kaffee-Momente: Gas Station „Ina Ježevo“

Es ist ruhig geworden im Bus. Das gleichmäßige Taka-Taka der Reifen hat müde gemacht. Jetzt, wo die Lichter von Zagreb den wolkigen Himmel anstrahlen, senkt sich bleierne Schwere auf die Reisenden herab. Los ging es um 19:00 Uhr vom Münchner ZOB mit dem Bus von Centrotrans, dem Partnerunternehmen von Touring-Eurotrans. Dann über Salzburg, Spittal an der Drau, Villach und schließlich Ljubljana nach Kroatien. Anfangs hat man sich noch rege unterhalten. Ab Salzburg werden dann zwei Filme gezeigt, deren Sprache ich ebenso wenig verstehe, wie die Durchsagen der Fahrer. Den ersten Halt gab es an einer Landhaus-Raststätte in Österreich. Dann reihen sich Tunnel an Tunnel. An den ehemaligen Grenzstationen sieht man noch die früheren Kontrollpunkte. Slowenien und Kroatien sind jetzt EU – die Grenzen nur noch gelbe Linien auf dem Asphalt.

Irgendwann kurz vor Morgengrauen macht die E70 einen Bogen um Zagreb. Dann ändert sie die Richtung nach Südosten. Zwischen den Ausfahrten Rugvica und Ivanić Grad wird der Bus auf einmal langsamer. Es geht auf den Parkplatz der Tankstelle „Ina Ježevo“. Zwanzig Minuten Pause kündigt der Fahrer an. Zeit genug, um sich ich der der Raststätte neben der Tanke einen Kaffee zu holen.

Als ich 2008 das erste Mal von München nach Sarajevo mit dem Gastarbeiterbus gefahren bin, war hier noch eine verrauchte Kaffeebar und statt des heutigen Automatenkaffees gab es den ersten richtigen Mokka. Mit Euro konnte man hier schon immer zahlen. Auch war einiges anders auf meiner ersten Fahrt. Es ging damals von alten Busbahnhof an der Allianz-Arena weg. Und Kroatien war noch nicht in der EU, was bedeutete, dass Slowenien Außengrenze war. Das bedeutete, dass alle Fahrgäste aussteigen mussten. Erst nachdem der Grenzer seine Bereitschaft signalisierte, durfte man – den Pass in Vorhalte – an seinem Kontrollschalter vorbeidefilieren. Das war aber erst die Ausreise aus Slowenien. Zur Einreise nach Kroatien wiederholte sich dieses Prozedere noch ein zweites Mal.

2017, also neun Jahre später, geht das schon etwas flüssiger. Und ich kenne diese Art des Reisens auch schon. Bei meiner ersten Fahrt hatte mich meine Sitznachbarin quasi adoptiert, mir die Durchsagen übersetzt und mich mit Keksen versorgt. Aber eines ist gleich geblieben: meistens bin ich der einzige Deutsche an Bord. So oder so, nach etwa acht bis neun Stunden Fahrt ist man an Zagreb vorbei und es gibt den ersten längeren Stopp an der Ina-Tankstelle. Dass muss aber nicht so sein. Aus Gründen fährt der Bus schon auch mal über Graz, Spielfeld und Maribor…

Wie auch immer, man hat sich mühsam aus seinem Sitz geschält und ist ausgestiegen. Die ersten Schritte sind noch etwas steif, schließlich saß man die letzten Stunden fast ununterbrochen. Dann tappst man auf das helle Licht der Raststation zu und sucht nach Kaffee. Der ist heute ein Cappuccino aus dem Automaten und kein Mokka – auf meinen speziellen Wunsch hin nicht im Pappbecher, sondern in Porzellan. Aber das macht nichts, denn der erste bosnische Kaffee ist nicht mehr weit…

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4 Gedanken zu “Bosnische Kaffee-Momente: Gas Station „Ina Ježevo“

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