Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Wetter

Mein vierter Beitrag für die Fotochallenge von ROYUSCH-UNTERWEGS. Er schreibt in seinem Blog: „Bei diesem Projekt soll des darum gehen, dass ich einmal pro Woche (Sonntags) einen Begriff vorgebe und Ihr dann die Woche über Zeit habt für Euch einen Beitrag zu erstellen und auf meinen zu verlinken; aber das kennt Ihr ja schon. Hier jetzt der elfte Begriff, der lautet: Wetter.“

Und weiter: „Das Wetter (v. althochdt.wetar = Wind, Wehen) charakterisiert den Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort der Erdoberfläche, der unter anderem als Sonnenschein, Bewölkung, Regen, Wind, Hitze, oder Kälte zu einem bestimmten Zeitpunkt in Erscheinung tritt. Kennzeichnend sind die meteorologischen Elemente Strahlung, Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind, sowie die daraus ableitbaren Elemente Bewölkung, Niederschlag, Sichtweite etc. Das Wetter ist das augenblickliche Bild eines Vorganges (Wettergeschehen), das sich hauptsächlich in der Troposphäre abspielt. Es kann sich – im Gegensatz zur Wetterlage und Witterung – mehrmals täglich ändern. Quelle: Wikipedia

Für mich immer eine doppelte Herausforderung. Schließlich muss ich den Begriff der Challenge mit dem Thema meines Blogs kombinieren, nämlich Kaffee. Diesmal würde es aber einfach sein, denn ich dachte sofort an ein Bild, öffnete den entsprechenden Ordner, sah es an – zu sehen hier – nur um es wieder zu verwerfen. Dann fiel mir ein anderes ein, nur um auch wieder verworfen zu werden. Das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir, schließlich ist doch immer und überall irgendwie Wetter. Nach längerer Suche entschied ich mich für folgendes Bild – natürlich wieder eines mit einer Geschichte!

Ende September war ich für eine Woche auf Korfu. Trotz vieler Sonnenmomente war mir recht schnell klar, warum Korfu „die grüne Insel“ genannt wird, beziehungsweise woher das viele Grün kommt. Eigentlich klar, denn während es zum Beispiel auf Santorin den Sommer über gar nicht regnet, tut es das auf Korfu recht gerne. Und so verfolgte ich misstrauisch allabendlich den Wetterbericht im griechischen Fernsehen. Über Korfu war meistens eine große schwarze Wolke zu sehen und der Meteorologe blickte betrübt in die Kamera, wenn er auf die entsprechende Region deutete. So auch am Abend meines vierten Urlaubstages. Ich gab nicht viel darauf, den bisher war ich trocken davongekommen. Wenn man mit dem Roller unterwegs ist, vielleicht ganz gut.

Ich erinnere mich an den mahnenden Blick des Meteorologen in den Abendnachrichten am Vortag. Wenn ich mich richtig erinnere hatte er für diesmal eine besonders dunkle Wolke für Korfu ausgesucht. Dann lehnte er sich zurück, streckte beide Arme nach vorne und machte mit der rechten Hand eine Drehbewegung, als würde er ein Motorrad oder einen Roller fahren. Dazu sagte er: „óchi, óchi, óchi!“ Die Sonnencreme werde ich heute kaum brauchen…

Ich erwache am Morgen des fünften Urlaubstages vom Plätschern des Wassers, ein Rauschen, als wäre die Toilettenspülung kaputt oder die Badewanne übergelaufen. Doch es ist kein sanitäres Problem: draußen wütet ein Sturm. Der Himmel bleigrau voll wütender Wolken, die schwarz und drohend vorüber eilen, der Regen wie eine Wasserwand. Ein kleines Ziegeldach gegenüber hat sich in einen Brunnen verwandelt. Wie über eine Kaskade ergießt sich das Wasser die Stufen hinab um dann mit einem Brausen auf die Terrasse zu spritzen und die Palmen werden von wechselnden Winden hin und her gerissen.

Da ich die Kiemenatmung kaum beherrsche, hieß das wohl erstmal daheimbleiben. Zeit, sich das griechische Frühstücksfernsehen zu Gemüte zu führen. Um einen langen Tisch herum sitzen mehrere Frauen und Männer. Immer, wenn irgend ein Jingle läuft, dann ahmen sie im Sitzen Tanzbewegungen nach. Anders als bei uns: läuft ein Filmbeitrag, dann haben die Studiogäste nicht etwa Pause! Sie werden dabei gefilmt, wie sie sich den Beitrag anschauen und werden im Split-Screen eingeblendet.

Dabei versuchen sie durch ihre Mimik zum Ausdruck zu bringen, dass sie dem Geschehen dort aufmerksam folgen, was an frühe Stummfilme erinnert und auf mich unfreiwillig komisch wirkt. Dann wird über den Beitrag diskutiert, der, wieder im Split-Screen in Endlosschleife tonlos weiterläuft. Vor der Werbung dann wieder Musik und alle zucken rhythmisch auf ihren Stühlen…

Das Plätschern hat ebenso unvermittelt aufgehört, wie es begonnen hat und ich traue mich aus dem Hotel. Kurz darauf reißt der Himmel auf und ich beschließe mich auf den Weg in Richtung Norden zu machen. Hier warten noch etliche Wunschziele auf mich, darunter der Hafen von Kassiópi. Einer der heißesten Anwärter für Odysseus Landeplatz liegt ganz im Nordosten der Insel, dort, wo Korfu Albanien am nächsten liegt. Tatsächlich sind es hier nur etwa zwei Kilometer bis zum Festland. Mit Pause in Ípsos ging es durch eine atemberaubende Küstenlandschaft hinauf in den Norden der Insel und am frühen Nachmittag erreichte ich das Ziel des heutigen Tages.

Der südliche Teil von Kassiópi ist etwas moderner, hat etwas vorstädtisches. Wo sich die Hauptstraße nach Westen wendet, geht es zur Altstadt, zum eigentlichen Kassiópi mit seinem Hafen, über den eine byzantinische Festung wacht. Könnte Odysseus hier an Lang gespült worden sein? Man kann sich gut vorstellen, wie an der Stelle der Festungsruine einst der Palast von König Alkinoos, dem Herrscher der Phäaken, gestanden haben könnte. Auch haben Taucher schon in den 30er Jahren Spuren eines antiken Hafens im Hafenbecken entdeckt. An einer Bergung war man aber nicht interessiert, da man eine Einschränkung des Hafenbetriebs befürchtete. Zwei Dinge sprechen aber gegen Kassiópi als einstiger Hafen des Alkinoos: es fehlt das zu Stein gewordene Schiff der heimkehrenden Phäaken und wenn der Palast in Sichtweite liegt, dann müsste Odysseus Nausikaa wohl kaum nach dem Weg dorthin fragen. Außerdem ist der Weg ausgeschildert.

Ich stelle den Roller am Hafen ab und mache mich die paar Schritte auf zur Festung. Schon der Torbogen enthüllt den byzantinischen Ursprung. Von der Festung selbst steht fast nur noch die Außenmauer. Dabei ist die rechteckige Anlage – typisch für ein Kastell jener Zeit – recht groß. Heute wachsen im Inneren die Oliven.

Ungefähr an dem verbliebenen Tor – und damit auch meinem Roller – am weitesten entfernten Ecke schlug das Wetter plötzlich um. Schwarze Wolken wälzten sich die nahen Berghänge herunter. Das stahlgraue Meer peitschte wütend gegen die Küste und die Olivenbäume ächzten unter der Böh. Dann öffneten sich die unsichtbaren Himmelsschleusen, Regen prasselte herunter und der Weg entlang der Festungsmauer wurde zum reißenden Bach. Der einzig mögliche Unterschlupf war im schmalen Torhaus – hier war ich auch wenigstens etwas vor dem kalten Wind geschützt – doch die Stufen verwandelten sich in eine Reihe von Wasserfällen und ich stand bis über die Knöchel im Strom. Besser nasse Füße, als nass bis auf die Haut! Also hieß es abwarten.

Das Unwetter verschwand so schnell, wie es gekommen war. Der Himmel riss wieder auf und die Sonne begann sofort die Pfützen aufzulecken. In Dampf und Nebel wrang ich als erstes einmal meine Socken aus und schlüpfte mit bloßen Füßen in meine Stoffschuhe, die so wohl am ehesten wieder trocknen würden. Jetzt entschädigte mich das Sonnenlicht, wie es rein und strahlend nur nach Wolkenbrüchen scheint, für den erlittenen Unbill. Zurück am Hafen suchte ich mir die schönste Taverne mit dem besten Blick auf Meer und Hafen. Jetzt war eine Stärkung fällig. Vor dem obligatorischen griechischen Kaffee gab es deshalb Bauernbratwurst mit Paprika und Feta in Tomatensauce. Ein kritischer Blick zum Himmel ließ mich noch verweilen. Und in der Tat prasselte kurz darauf ein weiterer Schauer herunter. Gut, dass man hier durchsichtige Plastikplanen runterkurbeln konnte, die vor Wind, Regen und Spritzwasser schützen.

Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt der Straße noch etwas weiter nach Westen zu folgen um dort ein verlassenes Kloster zu besuchen. Das Wetter hielt mich nun endgültig davon ab. Ich bestellte mir stattdessen noch einen griechischen Kaffee und war froh geschützt von Wind und Regen erstmal trocknen zu dürfen. Diesen Moment habe ich mit meiner Handycam eingefangen. Nach Essen und Kaffee drehte ich noch eine Runde um den Hafen. Wirklich ein schöner Ort. Dann entdeckte ich in einem Laden für nur wenige Euro ein gelbes Ölzeug. Damit müsste ich meinen Rückweg einigermaßen trocken bewältigen können. Es blieb beim frommen Wunsch, aber das Ölzeug leistet mir bis heute gute Dienste.

In der Challenge ist nur ein Bild erlaubt. Weitere Bilder aus Kassiópi gibt es hier!

Diesmal hat mich besonders beeindruckt:

awapi

Nicht der Wind…

Mein neuer Fotoblog

Freidenkerin

Mannis Fotobude

Richards Fotoseite

 

16 Gedanken zu “Royusch Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #Wetter

  1. Vielen Dank Tom, dass auch du wieder mit diesem herrlichen, „verregneten“ Beitrag bei meiner Challenge dabei bist 😊
    Es ist doch auch mal herrlich, mit einem Kaffee dazusitzen und dem Regen zuzusehen 😀
    Liebe Grüße
    Roland

    Gefällt 2 Personen

  2. Eine schöne Geschichte 🙂 die abrupten Sommerschauer sind oft die, die man am wenigsten erwartet. In einem Augenblick scheint noch fröhlich die Sonne, und im nächsten schon will einen der Regen dem Erdboden gleich machen 😉 Der Kaffee hat dich ja für die Strapazen belohnt…

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

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