Dinzler: dicke Luft am Irschenberg

Man mag es kaum glauben: nicht jeder liebt den Duft frisch gerösteten Kaffees. Oder vielleicht nicht unbedingt täglich. Die Rede ist von den Nachbarn der Kaffeerösterei Dinzler am Irschenberg. Die hatten sich in der Vergangenheit immer wieder über einen „unerträglichen Gestank“ beschwert. „Wenn der Nordwind wehte, soll es besonders schlimm gewesen sein: dichte Nebelschwaden, die über die Wiese ziehen, begleitet von einem unangenehmen Geruch“, berichtete 2012 der Merkur.

Damals hatte sich das Unternehmen dafür entschieden die komplette Filteranlage auszutauschen, obwohl schon davor alle gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte eingehalten wurden, schließlich war die Rösterei erst drei Jahre zuvor mit Anlagen auf der Höhe der Zeit eröffnet worden. „Beim Rösten fallen eben Rauchgase an, die einen bestimmten Geruch haben“, erklärte 2012 Martin Kainz, der Maschinenbauer der neuen Anlage dem Merkur. „Jetzt gibt es eine biologische Filterung.“

Der riechende Rauch wurde in einen gut zwei Meter großen Edelstahl-Behälter gedrückt. In dessen Innerem befindet sich Rindenmulch, also zerkleinerte, unfermentierte Baumrinde. Dort wiederum wohnen Bakterien, die die Geruchspartikel – vereinfacht gesagt – zersetzen. Man müsse nur darauf achten, die Rindenmulch-Schichten permanent feucht zu halten. Der Rauch, der am Ende in die Luft steigt, sei weitgehend geruchsneutral.

Aber offenbar für die Bewohner des Irschenberger Ortsteils Wendling nicht geruchslos genug. Denn diese beauftragten den neuen Bürgermeister Klaus Meixner gleich bei der ersten Bürgerversammlung nach dessen Amtsantritt damit, endlich etwas gegen den unerträglichen Gestank zu unternehmen. Auch wenn die Wahrnehmung subjektiv sei – „Für den einen duftet es, für den anderen stinkt’s“ – habe er das Gespräch mit der Dinzler-Firmenleitung, mit der Familie Richter, gesucht, berichtet Meixner. Sein Ziel war ein Kompromiss: „Die Kaffeerösterei muss gut und wirtschaftlich arbeiten können, die Leute im Ort sollen aber auch zufrieden sein.“

Viel Überzeugungsarbeit war wohl nicht nötig, schließlich sind die dauernden Beschwerden der Anwohner schlecht fürs Umwelt-Image der Rösterei. Die nahm noch einmal einen sechsstelligen Betrag in die Hand und tauschte kurzerhand nacheinander die beiden Röstanlagen komplett aus. Mit Erfolg, denn jetzt bestätigen das Landratsamt und ein unabhängiges Gutachterbüro dem Unternehmen eine nochmalige und „ganz erhebliche“ Geruchsreduzierung. Die Restimmission wird einhellig als „zumutbar“ eingestuft. Bleibt zu hoffen, dass damit der Abluftstreit endlich beigelegt ist.

 

Bildrechte: Dinzler; Quellen: Merkur, Mangfall24, Unternehmensseiten.

20 Gedanken zu “Dinzler: dicke Luft am Irschenberg

    1. Ich bin in München-Bogenhausen aufgewachsen. Wenn man das Malz von der Hofbrauerei an der Isarhangkante riechen konnte, hieß es damals, wird das Wetter schlecht. Da war was dran, wie ich mir später habe erklären lassen und die Details wieder vergessen habe. Hat wohl was mit dem Luftdruck zu tun.

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    1. Ich vermute mal, dass da auch Einbildung dabei ist. Immerhin wurde nur acht Jahre vorher eine moderne Abgasanlage installiert. Aber auf dem Land darf halt nichts mehr riechen, kein Schwein, keine Kuh und am besten hört man weder Hahn noch Glocken irgendwelcher Art. Das ist dann das pure Landleben…

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  1. Man darf ja schon fast mutmaßen, daß es sich bei dieser Art von Leuten um verwöhntes P*ck handelt, oder auch typisch deutsch. Unerträglicher Gestank. Hier im Ruhrpott hätte man mal vor 10 Jahren an der Escher vorbei gehen oder Radfahren sollen. Und damals war sie schon geklärt, hat aber immer noch gestunken wie Teufel. Nicht aus zu denken, wie die Brühe vor 20 Jahren gestunken haben muß. Hat aber niemanden gestört, war ja normal.

    Egal was iss, es gibt immer was zum meckern. Leider ist die Rösterei, Recht haben oder nicht, wieder im Zugzwang gewesen und wenn es nur des Image wegen ist. Bedauerlich so etwas.

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