Foto Challenge „Lieblings-Reiseerinnerungen“ – Palio Pyli

Da war also diese Foto Challenge meiner lieben Bloggerkollegin „Wanderlustig“. Die Aufgabe: ein ganz besonderes Reiseerlebnis mit maximal zehn Bildern. Da bin ich gerne dabei, dachte ich mir. Ich wusste auch gleich, welches besondere Reiseerlebnis es sein sollte, ein Moment, der gleich aus mehreren Gründen für mich etwas ganz besonderes war.

Meine Reise im Sommer 2019 auf die griechische Insel Kos war für mich vieles gleichzeitig: meine erste große Reise alleine nach langjähriger Beziehung und meine erste große Reise nach einem Unfall, bei dem ich mir mein Knie nachhaltig verletzt hatte. Obwohl die OP schon 2018 und die Trennung auch einige Monate her waren, hatte beides bei mir doch Spuren hinterlassen, die man am besten verarbeitete, in dem man sich auf einem Roller sitzend auf einer griechischen Urlaubsinsel den Wind um die Nase wehen ließ.

Über eine durchaus anspruchsvolle Pass-Straße durch das Dikeos-Gebirge ging es von Kos-Stadt, dem großen Hafen im Nordosten der Insel, vorbei am Asklepieion und der Geisterstadt Agios Dimitrios über Zia nach Pyli und von dort nach Palio Pyli und damit zum schönsten Blick von Kos, zumindest dann, wenn ich meinem Reiseführer von Dumont glaubte.

Vor Ort erwies sich der Aufstieg zum Aussichtspunkt als nicht ganz so einfach. Am Beginn des Weges zum Foto stand ein alter Mann in einer alten griechischen Uniform mit einem Falken. Ein Bild mit ihm und Falken und, so man will, einem selbst, kostete einen Euro und beinhaltete wahrscheinlich eine genauere Wegbeschreibung. Ich wollte kein Bild, gab ihm 60 Cent und bekam wohl deshalb auch nur 60% der zum Erreichen des Zieles notwendigen Beschreibung. So zielführend, wie 60% eines Buches, 60% einer Schallplatte oder 60% eines Puzzles…

Es war heiß, meine Wasservorräte schwanden, mein Knie schmerzte und ich war auf dem falschen Weg. Demoralisiert drehte ich um, schwang mich auf meinen Roller, fuhr ein Stück zurück und stoppte erst in der Aussicht auf leckere Keftedes und dem Blick auf Marmari und das weite Meer in der bereits beschriebenen Taverna Old Pyli. Dort ließ ich mir vom Wirt Georgos Stavropoulos den Weg genauer erklären. So gestärkt und mit einer knapp zur Hälfte gefüllten 1-1/2-Liter-Flasche Wasser ausgerüstet, machte ich mich auf den zweiten Ansturm.

Schon nach wenigen Metern über dem Parkplatz stehen die ersten Häuser Ruinen. Zu ihrer Blütezeit vor 500 Jahren muss das eine – für damalige Verhältnisse – große Stadt gewesen sein. Zuerst erreicht man eine von vier wieder aufgebauten Kapellen. Dann sind es nur noch einige Schritte bis zu einer Art Marktplatz. Hier soll im Mittelalter die Taverne gewesen sein, doch ist man noch lange nicht am Ziel. Hier beginnt der mühsamste Teil des Weges hinauf bis zur eigentlichen Burg, der steile Weg entlang der Felsen und durch das Tor aus byzantinischer Zeit. Schließlich geht es ums Ankommen und nicht um Haltungsnoten.

Erst von oben erkennt man wie weitläufig die Festungsanlagen einst gewesen sein müssen. Und, ja, der Blick entschädigt für so einige beim Aufstieg erlittene Unbill. Dann geht es wieder runter zur Taverne, deren letzter Gast allerdings vor der großen Cholera-Epidemie 1830 bedient wurde, denn erst danach wurde die seit dem Mittelalter bewohnte Stadt aufgegeben.

Schon beim Abstieg schallte griechische Popmusik über den Sattel. Eine entgegenkommende Touristin riet mir die Taverna Oria zu besuchen. Ich zweifelte, schließlich müsste ich auf der anderen Seite wieder hinauf und ich wußte nicht, ob mein Knie das bis zum Ende durchhielt. Ich war schon wieder unten bei der ersten Kapelle, als der Durst gewann: der nach Wasser, nach Kaffee und nach einer guten Kaffee-Geschichte.

Also wieder hinauf immer der Musik entgegen. Und ich wurde nicht enttäuscht, fand ich doch am oberen Ende des Weges ein traumhaftes Café mit einem ebensolchen Ausblick. Ein uraltes Holzhaus, ein wilder Garten mit Früchten, Kräutern, ein lustiger, freundlicher Wirt, der in Brocken alle Sprachen dieser Welt zu sprechen schien und endlich frisches kaltes Wasser. Dazu gab es einen Frappé und hausgemachten griechischen Joghurt mit Honig von eigenen Bienen und Rosinen – herrlich!

Der Kaffee ist auf dem letzten Bild zu sehen, eines mit ganz besonderer Bedeutung für mich. Ja, ich hatte den Berg überwunden, die Festung erobert, mein Knie besiegt und einen paradiesischen Garten erreicht, in dem Kaffee, Milch und Honig fließen. Bis heute für mich eine spezielle Reiseerinnerung.

12 Gedanken zu “Foto Challenge „Lieblings-Reiseerinnerungen“ – Palio Pyli

  1. Danke für den tollen Bericht, ich war vor 5 Jahren auf Kos u leider aber am falschen Ende irgendwie und wir haben ausser bei dem Ausflug zur Vulkaninsel Nisyros , wo mich die Stadt fasziniert hat , nicht viel gesehen (lag aber wohl auch am Partner damals noch) daher möchte ich super gerne irgendwann noch einmal hin und dann eben „anders“ und mehr erleben – ich war nämlich, da es mein erster Urlaub mit Flugzeug in die Sonne war, eigentlich eher enttäuscht, weil ich so andere Vorstellungen hatte – auf dem Marktplatz irgendwo sitzen wollte, Einheimische beobachten, dort essen und überhaupt… aber irgendwann hole ich das alleine oder mit meiner Jüngsten nach und werd dich nochmal auslöchern, wie ja schon angedroht 😉 herzliche Grüße Gaby

    Gefällt 2 Personen

      1. Nisyros wird wohl viel von den Reiseunternehmen dann angeboten und sonst war ich halt eher danach der Typ der sagte „lieber nächstes mal Rhodos oder Kreta“ und nun hast du das gekippt. Einen guten Start in die neue Woche

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        1. Kos hat zumindest den Vorteil, dass die meisten Urlauber in ihren Anlagen bleiben. Schon vor Corona war der Andrang an den touristischen Plätzen überschaubar, mit Ausnahme des Nachtlebens von Kos-Stadt und Zia. Das gute daran, wenn man mit dem Roller unterwegs ist, ist, dass man in so einem Fall einfach wegfahren kann….

          Auf der Rückfahrt zum Flughafen von Kos-Stadt mit dem Zubringer-Bus saß schräg hinter mir eine Familie, die zuvor wohl an ihrer Hotelanlage aufgesammelt wurden. Ein kleines Mädchen schaute aus dem Fenster und sagte: „Schau, Mami, was für eine schöne Stadt!“. Die Mama antwortete: „Da waren wir nicht!“

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