Mehrwegbecher: der Kunde solls richten!

Das Problem ist bekannt: Plastik- und Verpackungsmüll belastete nicht nur die heimische Abfallverwertung, sondern auch Wälder, Flüsse, Meere und Tiere, kurz gesagt die ganze Natur. Von Müllbergen bis zu Müllinseln, der Mensch hinterlässt den Eindruck, als könne er mit seinen Hinterlassenschaften nicht so recht umgehen. Da wäre jetzt entschlossenes Handeln gefragt um Schlimmeres zu verhindern. Doch scheint gerade die Corona-Pandemie dafür zu sorgen, dass noch mehr Verpackungsmüll durch das zusätzliche To-go-Geschäft und Lieferdienste entsteht. In der Corona-Krise sorgen Abhol- und Lieferdienste in so manchem Haushalt für eine wahre Verpackungsflut.

Was will unsere Regierung dagegen unternehmen? Zumindest Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will die Vorgaben für Plastikverpackungen verschärfen, um zukünftigen Müll zu vermeiden. Ihr Vorschlag: wer Kaffee oder Speisen außer Haus verkauft, soll demnach ab Januar 2023 auch eine Mehrwegvariante anbieten müssen. Dabei darf die Mehrweg-Alternative nicht mehr kosten, als Wegwerf. Und es soll Ausnahmen geben, zum Beispiel für Betriebe unter 80 Quadratmetern und wenige Mitarbeiter. Allerdings sollen diese Ausnahmen nicht für Ketten oder Franchise-Filialen gelten.

„Noch ist Wegwerfplastik in vielen Restaurants, Imbissen und Cafés die Regel“, sagte Ministerin Svenja Schulze gegenüber FAZ. „Mein Ziel ist, dass Mehrweg to go der neue Standard wird. Daher will ich die Gastronomie verpflichten, künftig neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen anzubieten.“ Wenig begeistert ist die Dehoga, der deutsche Hotel- und Gaststättenverband. Diese Maßnahmen kämen zur Unzeit. Gerade jetzt bräuchte das Gastro-Gewerbe die Unterstützung der Bundesregierung und nicht neue Regeln und Pflichten.

Naturgemäß anders sieht das die DUH, die Deutsche Umwelthilfe. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband fordert eine Lenkungsabgabe von mindestens 20 Cent für to-go-Becher und Essensboxen aus Einwegplastik, die gezielt zur Förderung von Mehrwegsystemen eingesetzt werden soll. Der bisherige Gesetzentwurf sieht lediglich eine Angebotspflicht von Mehrwegbehältern vor, die nach Einschätzung des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes jedoch leicht durch symbolische Mehrwegangebote unterlaufen werden kann.

Ärgerlich ist aber in jedem Fall, dass die Verantwortung ob die Müllflut eingedämmt wird oder nicht, alleine beim Kunden liegt. Der kann Mehrwegbecher verlangen oder Mehrweggeschirr bestellen – oder eben nicht. Das wäre in etwa so, als wenn nur die einen Fahrschein oder ein Parkticket lösen, die das eben wollen und alle anderen lassen es bleiben. Ein entschlossener Vorstoß sieht anders aus. Wie toll das funktioniert, wenn man sich auf die Vernunft der Mitbürger verlässt, belegt zum Beispiel die zehnmonatige Anlaufzeit der Maskenpflicht.

Bildrechte: Titelbild von Tania Van den Berghen auf Pixabay, lassedesignen/Fotolia.com, weixx/Fotolia.com; Quellen: FAZ, Münchner Merkur, DUH.

6 Gedanken zu “Mehrwegbecher: der Kunde solls richten!

  1. Ein Dilemma! Man kommt derzeit auch als Kunde in Gewissensnot, wenn man Essen nach Hause bestellt, um den Gastronomen zu helfen, aber dann den Verpackungsmüll in Kauf nehmen muss. Wenn der Kunde die Wahl hat, dann muss die Mehrwegvariante finanziell vorteilhafter sein, auch, weil man ja von ihm erwartet, dass er diese Behälter wieder zurückgibt, ein gewisser „Aufwand“ ist unvermeidbar.

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    1. Ja ein Dilemma. Ich denke nur, dass klare Regeln vermutlich besser funktionieren würden, als dem Kunden die Wahl zu überlassen. Eine Mehrwegvariante, die dabei auch noch billiger ist, wird es nicht geben können. Ist die Einwegverpackung allerdings billiger, dann ist klar wofür sich der Verbraucher entscheiden wird. Eine Zusatzsteuer auf Einwegverpackung könnte das wieder ins richtige Verhältnis setzen…

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