Griechische Kaffee-Momente: Ioannis auf Patmos

Die „heilige Insel“ Patmos ist vieles: klein, karg, von apokalyptischer Schönheit, gut besucht und kaum besiedelt. Sie wirkt typisch kykladisch – also würfelige, weiße Häuser mit blauen Türen – selbst, wenn sie es nicht ist, denn sie gehört geografisch zu den Sporaden und politisch zu den Dodekanes. Johannes, Jünger, Evangelist und Verfasser der christlichen Version des Weltuntergangs, soll hier in Verbannung gelebt haben. Und man kann auf ihr, trotz Kargheit, Heiligkeit und räumlicher Begrenztheit den klassisch griechischen Inselurlaub machen.

Der kleine Fährhafen des Örtchens Skala stammt aus italienischer Besatzungszeit und muss jede Menge Tagestouristen bewältigen. Direkt am Landungssteg im Gebäude der Hafenmeisterei, einem Paradebeispiel italienischer Kolonialromantik, bekommen wir vom Municipal Tourist Information Office unbürokratisch ein günstiges Zimmer vermittelt und die Koffer waren noch nicht ansatzweise ausgepackt, da hatte wir uns schon in das Hafenstädtchen verliebt.

Nur wenige Schritte von unserem Quartier lag eine einladende Taverne. Von der Terrasse aus konnte man abends den Fischern zusehen, wie sie ihren Fang an den kleinen Pier brachten. Der Fischer- und Jachthafen liegt etwas oberhalb des Fähr- und Handelshafen ein Stück weit geschützt durch die natürliche Bucht. Zusammen mit den Fischen kamen auch die Oktopoden, die von Kindern unermüdlich auf die Kaimauer gedroschen wurden, damit sie weich bleiben. Dann wurden die Tiere an einer Leine aufgespannt.

Schließlich kamen die kleinen Kraken zu Ioannis, den Grillmeister der Taverne. Sein Job war es die Arme der Weichtiere als Vorspeise und allerlei Fleischstücke als Hauptspeise über Holzkohlen zu grillen. Zu den krossen Tentakeln brauchte man nichts als eine Scheibe Weißbrot, ein Achtel Zitrone und eine Plastikflasche mit Essig, fertig war der erste Gang. Das ist so lecker, dass ich mich daran gewöhnte und vermutlich jeden Abend bei Ioannis bestellte.

Ioannis war eigentlich damals schon in Rente. Ob er den Grill-Job als Zuverdienst oder aus Spaß machte, konnte ich nicht herausfinden. Allerdings kamen wir durch den gegrillten Oktopus ins Gespräch und wenn wir uns abends auf den Weg zur Taverne machten, grüßte er uns schon von Weitem. Aus dem losen Kontakt wurde so etwas wie Freundschaft. Rückblickend war Ionnis der erste Grieche, den ich näher kennenlernte und von dem ich erfuhr, was es mit der griechischen Freundlichkeit auf sich hat.

Ioannis empfahl mir die Insel doch mit einem Roller zu erkunden. Ich saß noch nie auf sowas und Ioannis zeigte mir alles, was ich dazu wissen musste – auf seinem „Mechanaki“, seinem Roller und „free of charge“. Ich hätte seine Honda 50 ccm wahrscheinlich tagelang nutzen können, doch ich wollte mir lieber einen offiziell ausleihen, da er kein Geld von mir annahm. An einem Tag zeigte er uns sein Haus mit den drei Apartments, die er vermietete. Die waren natürlich wunderschön, kosteten aber das Dreifache von dem, was wir gerade zahlten.

Wer jetzt meint, Ioannis hätte das alles nur gemacht, um mich als Kunden anzuwerben, der tut ihm Unrecht. Natürlich hätte er nichts dagegen gehabt, wenn wir uns bei ihm einquartiert hätten, aber das war nicht der alleinige Zweck der Übung. Er wollte uns zeigen, was sich seine Frau und er aufgebaut haben. Aber wenn nicht jetzt, vielleicht würden mir ja später einmal seine Gäste sein. Dann gab es griechischen Kaffee – von Ioannis lernte ich meinen Kaffee auf Griechisch zu bestellen – und von seiner Frau gebackene pappsüße Kekse.

Wenn ich an Patmos zurückdenke, dann fällt mir sofort die Taverne am Hafen ein, die heimkommenden Fischer, die Kinder mit den Oktopoden und natürlich Grillmeister Ioannis. Und genau dieser Kaffee mit den süßen Keksen auf dem Balkon von seinem Vorzeige-Apartment. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft – zu Griechenland, seinen Menschen und zum griechischen Kaffee…

 

Bildrechte: Titelbild Bild von Norbert Krauße-Rosenberger auf Pixabay, Bild von Greg Montani auf Pixabay, Bild von Ronny Roosen auf Pixabay, Bild von Ralf Kronenberger auf Pixabay.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.