Mit Hygge ins Jahr 2021 – der Hygge-Kalender

Angeregt wurde ich durch einen Beitrag einer ehemaligen Blogger-Kollegin mit Namen Nadine. Sie schrieb in ihrem Blog „Paw on my skin“: „Hygge kommt vom glücklichsten Volk der Welt, von den Dänen und lässt sich nicht wortwörtlich ins Deutsche übersetzen. Beschreiben lässt es sich am ehesten mit Begriffen wie Gemütlichkeit, herzliche Atmosphäre, Wohlfühlzeit und ähnlichem. Im Gegensatz zu dem Hype, der einen Glauben machen will, man könnte Hygge einfach so in den Alltag einbauen wie Yoga und Co, muss man Hygge lernen. Es ist eine Einstellung und vermutlich für viele von uns eine Umstellung.“

Das, was Nadine als Hygge beschreibt, kannte ich bereits als Fika. Fika – das ist die nordische Entsprechung zu Koffietijd und Coffee break. Doch die schwedische und finnische Fika ist mehr als nur eine kurze Arbeitsunterbrechung mit einem Schluck Kaffee. Fika ist eine soziale Institution, ein gesellschaftlicher Event und eine Tradition, die zwanglos zelebriert wird. So ist „Vill du fika?“ keine anzügliche Bemerkung, sondern die Einladung zu einer fast familiären Kaffeerunde.

Die Fika kann ein Plausch unter Kollegen, eine kleine Pause im Freien oder ein regelmäßig-spontanes Treffen der Familie am Esstisch sein. Auch Konditoreien eignen sich zur Kaffee-Auszeit. Zum Kaffee wird nämlich Fikabröd, ein Süßgebäck oder ein Kuchen, gereicht. Eine Fika dauert zwischen 15 Minuten, für eine „kopp fika“, eine Tasse Kaffee, und einer dreiviertel Stunde. In Finnland haben viele Arbeitnehmer sogar das Recht, zweimal am Tag eine 15-minütige „kahvipaussi“ zu nehmen.

Ich würde Kaffeetrinken unbedingt zu Hygge dazuzählen und deshalb von Kaffee-Hygge reden. Wichtig dabei ist aber, dass man sich dafür Zeit nimmt. Es ist ja ein Zeichen unserer Zeit, dass die gemütlichen, alteingesessenen Kaffeehäuser aussterben und ersetzt werden durch „zeitgemäße“ Kaffee-Ausgabe-Stationen. Zeitgemäß vielleicht, aber hygge? Also: sich Zeit nehmen, entschleunigen, Pause machen. Ob man das Fika, Hygge oder kahvipaussi nennen will ist eigentlich egal! 

Damit mir das Zeitnehmen für Kaffee-Hygge leicht fällt, habe ich mir für 2021 einen Hygge-Kalender besorgt. Der ist – wie so vieles bei Hygge – eigentlich ganz einfach. Es gibt Platz für die Kontakte zu den wichtigen Freunden (Hygge ohne Freunde geht nicht!), für Geburtstage und Urlaubstage. Eine Kompakte und übersichtliche Monatsplanung garantiert, dass wir die großen Ziele im Auge behalten. Dann gibt es für jede Woche eine Doppelseite mit viel Platz für Hygge, damit die nicht zu kurz kommt.

Gerade in der Corona-Krise oder während eines Lockdowns sollten wir uns genau dafür die Zeit nehmen. Klar, Cafés, Coffeeshops und Kaffeehäuser stehen uns in diesen Zeiten nicht oder nur als „To-go-Variante“ zur Verfügung. Umso wichtiger ist es, dass wir uns unsere eigenen Hygge-(frei)-Räume schaffen. Wie das geht steht in meinem Blog, zum Beispiel hier! Mit Hygge verschwindet die Pandemie nicht, aber uns bleiben kleine, wichtige Momente zum Auf- und Durchatmen. Und daran erinnert mich mein Hygge-Kalender.

 

Eine kurze Anleitung zum Kaffee-Hyggeln gibt es hier!

Literatur über Hygge findet sich hier!

22 Gedanken zu “Mit Hygge ins Jahr 2021 – der Hygge-Kalender

  1. Mal abgesehen, dass ich nicht wirklich glaube, dass die Dänen glücklicher sind, sondern nur, dass sie seltener sagen, sie wären es nicht, geht mir Hygge langsam auf den Geist – nicht das, was man darunter versteht, aber das Wort. Es erschlägt so viele schöne Be- und Umschreibungen.

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    1. Das dachte ich auch. Warum sich nicht mal auf die eigenen Traditionen besinnen. Immer muss es ein neuer heißer Scheiß bzw. hippes Trendwort sein. Deutsche Gemütlichkeit hat so viele Namen: Kaffeekränzchen, Kaffeeplausch, abschalten, mal Pause machen …

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      1. Für uns mag es ein Trendwort sein, für die Dänen ist es eine Lebenseinstellung. Gemütlichkeit trifft es fast, aber eben nur fast. Natürlich gibt es Kaffeepausen auch bei uns, aber in Finnland zum Beispiel ist sie gesetzlich verankert. Jetzt liegt es an uns daraus mehr, als nur eine Modeerscheinung zu machen.

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    2. Als ich 2018 hier im Blog das erste Mal über Hygge schrieb, da rollte der Trend langsam Richtung Süden. Du hast recht: wir neigen dazu aus allem eine (meist kurze) Mode zu machen. Das ändert aber nichts daran, dass ich bewusstes Hygge als Bereicherung empfinde.

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      1. Alles, was der Entspannung, und dem unverkrampften Nachdenken, und dem Genießen der kleinen Annehmlichkeiten dient, ist ganz zweifellos eine Bereicherung. Ich sagte ja, mich stört die Idee nicht. Die gab es aber auch bei uns schon vor dem Wort. Und wer es nicht drauf hat, der hat es auch dann nicht drauf, wenn er ein hippes Wort dafür kennt. Ich hygge, und wahrscheinlich chille ich auch hin und wieder. Ich nenne es bloß anders.

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        1. Sind Dänen glücklicher als die Deutschen? Nach dem „World Happiness Report 2020“ ja: Finnland auf Platz 1, Dänemark auf Platz 2, Norwegen auf Platz 5 und Schweden auf Platz 7. Ach ja, und Deutschland auf Platz 17! Dass das nur an der der Hygge liegt, will ich hier gar nicht behaupten. Ich werde mich aber des Themas annehmen und daraus einen eigenen Beitrag machen. Vielleicht gibt es ja auch eine Verbindung zum Kaffeegenuss…

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          1. Ich weiß, dass Du Dich auf den „World Happiness Report 2020“ bezogen hast, und auch die Resultate waren mir dunkel in Erinnerung. Es wird nur hierzulande gern auf hohem Niveau geklagt. Mit Unhappiness hat das aber wenig zu tun. Oft scheint mir, die Leute genießen es, sich zu beklagen – vielleicht weil es genug Leute gibt, die es genießen, zu bedauern. Das ist eine Frage, die man wirklich untersuchen sollte.

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  2. Aber der Ansatz und die Vorschläge in deinem Artikel sind schon gut! „Fika“ kannte ich nicht, das klingt lustig, leider auch für Italiener eher missverständlich. „Vill du fika?“ hätte ich vollkommen falsch verstanden und dem Fragenden eine runtergehauen. Wieder was dazugelernt.

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  3. Ich hatte früher ein Blog mit dem gleichen Namen. Ich kann den Unmut bezüglich Hygge verstehen. Wie KonMari oder Lagom wird alles hier immer sehr schnell verkommerziellt. Hygge ist aber, wie du sagst, eine Lebenseinstellung und Dänen sind glücklicher. das beweisen viele Studien, was vor allem an deren Arbeitsbedingungen liegt, was natürlich nicht heißt dass sie es 24/7 sind 😉 danke für den schönen Beitrag Tom! Den Kalender wollte ich auch erst kaufen, dann aber doch was für den Lütte geholt =)

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    1. Ja, die Kommerzialisierung kann einem durchaus auf die Nerven gehen. Allerdings halte ich den Kalender noch für eine vertretbare Investition, obwohl ich dabei tatsächlich ähnliche Gedanken hatte: gehe ich da nicht gerade einem Trend auf dem Leim? Was muss ich als nächstes kaufen? Eine Hygge-Tasse, Hygge-Kissen, Hygge-Kerzen? Es ist tatsächlich eine Medaille mit zwei Seiten. Aber wie Du richtig bemerkst sind die Dänen glücklicher als wir. Es schadet daher meiner Meinung nach nicht, sie zu kopieren. So lange der Kommerz dabei im Ramen bleibt…

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