Mit einem Lieferkettengesetz wäre das nicht passiert: Land Grabbing in Uganda

Wenn wir unter dem Lichterbaum unseren leckeren Kaffee genießen, dann verschwenden wir oft keinen Gedanken an die, ohne die wir nur heißes Wasser in der Tasse hätten, die Kaffeebauern in fernen Ländern. Nicht nur, dass der Kaffeepreis auf dem Weltmarkt zu niedrig ist, um ein Einkommen zu generieren, mit den man vernünftig leben und Kinder zur Schule schicken kann, es geht noch schlimmer: viele werden auch noch von ihren Farmen vertrieben. Das nennt man „Land Grabbing“.

Ein gut dokumentiertes Beispiel: 2001 werden im Distrikt Mubende in Uganda 4.000 Menschen durch die Armee von ihrem Land vertrieben. Man wollte Platz schaffen für eine neue Plantage der Neumann Kaffee Gruppe aus Hamburg. Die ugandischen Soldaten walzten in vier Dörfern Häuser und Hütten nieder. Sie zerstörten Felder und Lebensmittelvorräte der Kleinbauern, legten Feuer. Die Menschen verloren ihren gesamten Besitz, es gab sogar Tote. Die Menschen flüchteten zunächst in die angrenzenden Wälder. Später ließen sie sich auf freiem Land neben der Plantage nieder, in der kleinen Siedlung Kyengeza – dem Dorf der Vertriebenen. Dort lebten sie jahrelang in notdürftigen Behausungen – ohne sauberes Wasser, medizinische Versorgung und ohne ausreichende Ernährung. 2002 begannen sie, sich juristisch gegen die Vertreibung und den Raub ihres Landes zu wehren.

Der Prozess zieht sich seit 18 Jahren hin. Auch eine 2019 initiierte Schlichtung zieht sich in die Länge. Zwar gäbe es dann eine Entschädigung durch die Regierung, deren Höhe entspricht aber bei weitem nicht dem erlittenen Verlust. Die Neumann-Kaffee-Gruppe, für deren neue Großfarm das Land geraubt wurde, lehnt bis heute jede Verantwortung – und damit auch Ausgleichszahlungen – rigoros ab. Man will, auch vor Ort, nichts von der Zerstörung der Dörfer und der gewaltsamen Vertreibung seiner Bewohner bemerkt haben. Zu sehen ist das auch in der Dokumentation „Bitterer Kaffee“ von Michael Enger, die am 07.05.2020 auf Phönix gesendet wurde.

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4.000 Menschen wurden 2001 im Bezirk Mubende vertrieben, teils von der Armee mit Gewalt, damit die ugandische Regierung mit der Neumann-Kaffee-Gruppe einen Pachtvertrag abschließen konnte. Die Neumann-Gruppe in Hamburg verweigert bis heute aber jegliche Zahlung. Mit einem Lieferkettengesetz wäre das Unternehmen dazu verpflichtet, Risikoanalysen für ihre globalen Lieferketten durchzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Risiken für Menschenrechte und Umwelt zu verhindern. Und würden Menschenrechte verletzt, wie in Mubende geschehen, dann müsste auch die Neumann-Gruppe dafür einstehen.

Aktivisten protestierten deshalb letzte Woche in der HafenCity Hamburg. Sie kritisieren den Hamburger Weltmarktführer im Rohkaffeehandel. „Vertreibung in Uganda verhindern, Lieferkettengesetz jetzt!“ steht auf Plakaten. „Vertrieben klagen ihre Rechte ein. Neumann-Kaffee-Gruppe verweigert Entschädigung“ kritisiert die Hamburg Initiative für ein Lieferkettengesetz, ein breites Bündnis aus Kirchen, Menschenrechtsgruppen oder Umweltverbänden. Mitgebrachte Grabsteine und zerstörte Häuser machen auf die Menschenrechtsverletzungen des Konzerns aufmerksam.

„Wir fordern von dem Geschäftsführer David M. Neumann, sich deutlich zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Unternehmen zu bekennen und sich öffentlich für ein Lieferkettengesetz auszusprechen. Mit einem Lieferkettengesetz hätten die Kleinbauern unter menschenwürdige Bedingungen ihr Land übertragen. Der Neumann-Gruppe wäre ein jahrelanger Rechtsstreit und ein erheblicher Imageschaden erspart geblieben“, so Dr. Thomas Dürmeier von Goliathwatch.

„Die Neumann-Kaffee-Gruppe profitiert seit 19 Jahren davon, Landflächen in Uganda für den Kaffeeanbau nutzen zu können, während viele Menschen auf Grund der Vertreibung in bitterer Armut leben. Wir fordern die Neumann Kaffee Gruppe auf, die Vertriebenen angemessen zu entschädigen. Auch Unternehmen, die Kaffee von Neumann beziehen, sollten sich dringend dafür einsetzen“, so Julia Sievers von der Agrar Koordination.

Bildrechte: goliathwatch.de, Bild von Siggy Nowak auf Pixabay, goliathwatch.de (2x); Quellen: ots, goliathwatch.de, Original-Content von: PHOENIX, übermittelt durch news aktuell, phoenix.de; Original-Content von: Goliathwatch, übermittelt durch news aktuell.

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