Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Abflug und letzter griechischer Kaffee auf Korfu

Im vollgestopften Bus geht es zum „Corfu Airport Ioannis Kapadistrias“. Der Flughafen ist benannt nach dem ersten griechischen Staatsoberhaupt nach der Unabhängigkeit von den Osmanen 1827 und gebürtiger Korfiote. Sein Konterfei zierte den 500-Drachmen-Schein. Nun ist die Drachme Geschichte, ihm aber bleibt noch der nach ihm benannte Flughafen. Vor dessen Eingang sich – nicht zuletzt wegen Corona – die Warteschlange fast bis ins Unendliche hinzieht.

War der Check-in gemeistert geht es zur Kontrolle. Dazu muss gesagt werden, dass das Packen meines Gepäcks eine logistische Meisterleistung war. Dabei mussten die Bücher und die jüngst erworbenen griechischen Schokoladen zur Entlastung der Reisetasche ins Handgepäck, wie auch zur Sicherheit die als Mitbringsel gedachten Porzellantassen. Vom Gewicht her ging sich das prima aus. Bis zur Kontrolle.

Dort war man sich über den Inhalt meiner kleinen Tasche uneins, weshalb sie mehrfach durch den Tunnel gefahren wurde. Teile des Inhalts stapelten sich schon daneben, als ich noch gut gelaunt den Vorschlag machte, gäbe man mir eine zusätzliche Wanne, ich würde meine Tasche komplett auspacken. Außerdem bekäme ich im jetzigen, halbdurchwühlten Zustand eh nicht mehr alles so hinein, wie es müsste.

Während ich also meine Tasche auspackte wurde ich von drei (!) Security-Mitarbeitern neugierig beobachtet. Als ich die Schokoladentafeln aus der Tasche nahm, ging ein Raunen durch die Security-Menge. Das war es also gewesen, was man beim Durchleuchten gesehen und nicht erkannt hatte: Schokolade und nicht ein Goldbarren! Inzwischen verteilte sich meine Habe, Jacke, Mütze, Gürtel, Kamera und Tascheninhalt, auf vier Trays. Ich wollte also – immer noch einigermaßen gut gelaunt, zumindest noch für Sekunden – meine Sachen wieder einpackte. Bis einer von der Security mich anherrschte, ich solle Platz machen, weil ich alles blockieren würde.

Hatte ich bisher alles klaglos, ja sogar freundlich über mich ergehen lassen, war es nun mit meiner guten Laune vorbei. Wie sollte ich bitteschön mit zwei Armen vier Trays wegtragen? Außerdem sei dieses Durcheinander ja nicht auf meinem Mist gewachsen. Statt mich anzumeckern könne er mir ja helfen meine Trays woanders hin zu schaffen, wo ich in Ruhe alles wieder einpacken könne. Was er zu meiner Verwunderung auch gleich tat. Ach, die Griechen sind halt doch nette Menschen!

Daraufhin brauchte ich jetzt dringend einen Kaffee! In der Abflughalle fiel mein Blick auf die Kaffee-Bar. Dort sollte es griechischen Kaffee geben. Da ich mich erinnerte, wie man am Flughafen von Kos den mittels der Dampflanze der Espressomaschine herstellte, war ich auf die Zubereitung hier gespannt. Kaffee, Zucker und Wasser kamen in eine Tasse und die nach gründlichem Umrühren in ein Gerät, was daraufhin den Kaffee selbständig kochte! Ich war verblüfft, denn ich sah zum ersten Mal eine Kaffeemaschine für griechischen Kaffee. Für mich war klar, sowas muss ich haben!

Die freundliche Bedienung erklärte mir noch wie es funktioniert und wie praktisch diese Maschine sei, dann konnte ich meinen leckeren Kaffee genießen. Hatte es eben noch geregnet, während ich auf das Boarding wartete, brach, als ich den Bus zum Flieger betrat, die Sonne durch und ein Regenbogen spannte sich über die Rollbahn. Kann es einen schöneren Abschiedsgruß geben?

Beim Start noch ein Blick auf Análipsi mit Kanóni und dem Tempel mit der Kardáki-Quelle, aus de ich wohl getrunken haben muss. Während die Maschine den Kurs auf das Festland im Norden über den Golf von Korfu nimmt, sehe ich die Insel langsam unter den Wolken verschwinden. Nein, das kann nicht das letzte Mal gewesen sein. Korfu, ich komme wieder…

4 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Abflug und letzter griechischer Kaffee auf Korfu

  1. Ich meine in den TUI Fliegern bekommt man auch einen vorzüglichen frisch Aufgegossenen. Den hatte ich bei meiner Rückkehr aus Venedig ich getrunken. Mußte einfach sein, auch wenn der Flug nur 45min. regulär war. Hab ihn erst kurz vor der Landung leer bekommen. „Dank der vorzüglichen Organisation“ des Airport Venedig sind wir ja satte 30min. später los. Der Pilot hat dann mal geschmeidig den Gashebel ganz fix nach vorne geschoben und uns so in Windeseile nach Düsseldorf katapultiert. In Ruhe Kaffetrinken? Ging nur ganz knapp.

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