Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Café Vino

Ich bin schon auf dem Weg zurück zum Hotel. Doch kurz nach dem Plateia Georgiou Theotoki überlege ich es mir anders. Ich bin noch nicht bereit den Roller zurück zu geben und so meinen Urlaub zu beenden. So geht es stattdessen wieder in die Altstadt und ich tauche noch einmal in den abendlichen Berufsverkehr von Kérkyra ein.

Südlich des Spianada schließt sich ein Viertel an, dessen großzügiger geometrischer Grundriss verrät, dass es erst nach der Altstadt hinter dem Liston in dieser Form bebaut wurde. Hier lassen die Häuser etwas Platz für eine langgezogene Uferpromenade mit einem breiten Grünstreifen. Erst dahinter beginnt die Bebauung. Tatsächlich ist es die größte der drei Buchten von Kérkyra. Dahinter schließt eingeklemmt zwischen Meer und Flughafen bereits die Halbinsel Análipsi an.

Hier komme ich, dank der komplizierten Einbahnstraßenregelung, noch an der Kirche der Heiligen Jason und Sosipatros vorbei, die wichtigste Kirche auf Korfu aus byzantinischer Zeit. Sie ist nicht nur aus den Steinen der Tempel der alten Stadt Paleopolis erbaut worden, es wurden auch Anleihen an der archaischen Tempelarchitektur genommen.

Sie wurde im „Distyle“ erbaut, eine Tempelstruktur mit zwei zentralen Säulen in der Mitte der Stirnseite. Geweiht ist sie Jason und Sosipatros, zwei Apostel und Jünger von Paulus, die im Jahr 48 das Christentum auf die Insel brachten, so die Sage. Die Kirche, die im 11. Jahrhundert auf den Ruinen eines Klosters gebaut wurde, stellt eines der wenigen noch existierenden Beispiele der byzantinischen Architektur dar.

Von dort geht es – wieder eine Einbahnstraße, die Küste entlang wieder zurück zur Bucht. An deren Südspitze, von den Korfioten Anemomilos genannt, steht die namensgebende Windmühle, wie sie eher für die Kykladen typisch wäre. Dort und am Steg, an dem die kleinen Boote Einheimischer festgemacht werden, herrscht reges Badevergnügen – und das alles mit einem sensationellen Blick auf Bucht, Altstadt und die Alte Festung.

Ich suche mir ein Café am Park und finde mich im Café Vino wieder. Bei einem Cappuccino habe ich einen Blick auf die Festung und natürlich auf das Treiben der Leute. In dem schmalen Park spielen einige Leute Basketball, andere gehen spazieren oder führen ihre Hunde aus. Der Verkehr ist unaufdringlich und leise, das größte Chaos dürfte sich rund um den Plateia Georgiou Theotoki als allabendliche Aufführung einer klassischen Tragödie abspielen.

Ach, was war das für ein Urlaub! Gierig sauge ich die letzten Sonnenstrahlen auf. Die – natürlich freundliche – Bedienung muss jedes mal, wenn sie etwas bringt, die Straße überqueren. Damit der „Aufstieg“ in den etwas höher liegenden Park nicht zu schwer ist, wurde eine Holzstufe an den Rand gestellt. Der Besitzer sitzt während dessen direkt am Eingang vor seinem Lokal, grüßt Passanten oder wird gegrüßt, wechselt mit dem einen oder anderen ein paar Worte und raucht dabei.

Zwei Touristinnen wollen ihren Wagen direkt am Durchgang zur Terrasse im Park abstellen. Sie werden freundlich aber mit Nachdruck verscheucht. Tatsächlich ist das Halterverbot hier sogar ausgeschildert, der Parkversuch also von vornherein zum Scheitern verurteil. Ich zögere das Austrinken meines Cappuccino hinaus. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, heißt es. Doch nähert sich die unvermeidliche Stunde des ebenso unvermeidlichen Abschieds.

Schweren Herzens breche ich auf. Noch einmal geht es am Spianada vorbei, durch das St.-Georgs-Tor am Palast, entlang der kleinsten der drei Buchten und weiter zum Hafen und schließlich die Straße hinaus nach Gouvia. Dort gebe ich bei Alex‘ Bike Shop meinen treuen Roller ab, der mich nicht einmal im Stich gelassen hat. Das hat schon so etwas endgültiges.

 

Morgen früh geht es zurück nach Deutschland…

5 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Café Vino

  1. Zwei Geschichten gibt es ja noch, nämlich morgen und übermorgen. Abreisen muss ich ja auch noch. Außerdem plane ich im nächsten Jahr ältere Griechenland-Geschichten auszugraben. Wie das allerdings nächstes Jahr mit dem Reisen wird, das steht in den Sternen… Vielleicht, wenn meine Leserinnen und Leser zusammenlegen?

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