Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Agios Gordios

Kaum ist man über den Bergsattel, eröffnet sich einem die Bucht von Agios Giorgios. Ein weißer Strand, ein Dorf eingeklemmt zwischen Bergen, Hotelbunker, die von Weitem aussehen wie der Kühlergrill eines Autos. Steil stürzt sich die Straße den Hang hinunter, kaum mehr als drei oder vier sehr scharfe Kurven, dann geht es an Kiosken und Souveniergeschäften direkt zum Strand.

Benannt ist der Ort nach dem heiligen Gordius, einem Märtyrer aus dem kleinasiatischen Phrygien zur Zeit des 3. Jahrhunderts, dem hier eine Kirche gewidmet ist. Darüber hinaus ist Agios Gordios vieleicht genau das, was sich viele Touristen unter einem Griechenlandurlaub vorstellen: Hotels in direkter Nähe zum Meer, viele Tavernen im Ort und Cafés direkt am Strand; der Sand weiß und weich, die Wellen gebrochen durch die Felsen um die Bucht und Abendsonne – da Westseite – Sonnenuntergang inklusive.

Ich stelle den Roller direkt dort ab, wo die Straße in den Strand übergeht. Gleich im ersten Café bleibe ich hängen, obwohl der Name „Funkyland“ auf mich eher abschreckend wirkt. Ich bekomme einen Tisch direkt am Strand aber doch weit genug vom Wasser weg, um nicht Opfer einer vorwitzigen Welle zu werden. Eine sehr nette und humorige Bedienung ist schnell zur Stelle und mir scheint ein Cappuccino freddo am ehesten der Situation angemessen zu sein.

Ich atme noch einmal Tief die Luft ein, die nach Salzwasser und ein kleines bisschen nach Fisch und Algen riecht. Der Blick schweift über das Meer, den Horizont und weiter zu den Wolkengebilden, die einen Kampf mit der Sonne aufnehmen, einen ungleichen Kampf, den sie verlieren. So ziehen sie geschlagen weiter nach Osten. Sanft schlagen die Wellen ans Ufer um sich dann mit einem Zischen wieder ins Meer zu retten. Ein paar Badegäste plantschen im Wasser.

Ich könnte endlos hier sitzen Bleiben, die salzige Luft atmen, den vorüber eilenden Wolken zusehen, die Wärme auf der Haut spüren und die leichte Brise, die gerade kräftig genug ist um die Härchen auf meinem arm zum Zittern zu bringen. Dazwischen immer wieder dieses Blau, ein Blau, wie es nur auf griechischen Inseln zu finden ist.

Ich habe den weitesten Punkt meiner heutigen Fahrt erreicht – und gleichzeitig das Ende meiner Reise. Was jetzt noch kommen kann ist Abschied. Etwas Wehmut beschleicht mich, zu gerne würde ich bleiben. Die Bedienung reißt mich mit einem Lächeln aus meinen Gedanken: ob es noch etwas sein darf? Ich verneine, zahle und gebe vielleicht etwas mehr Trinkgeld, als üblich. Das ist dem Meer, der Sonne, der Brise und der Wehmut geschuldet – und natürlich ihrem Lächeln!

 

Auf dem Rückweg nehme ich Abschied von Kérkyra… natürlich mit Kaffee

3 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Agios Gordios

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