Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Pélekas und „Kaizer’s Throne“

Noch einmal geht es meine „Standard-Route“ nach Kérkyra, doch diesmal nicht über den Plateia Georgiou Theotoki, sondern vorher rechts ab Richtung Pélekas. Dann geht es kilometerlang durch Vorstädte, bei denen man nicht genau erkennen kann wo sie anfangen und enden, denn sie sind längst miteinander verschmolzen. Supermärkte, Tavernen, Tankstellen und die verschiedensten Geschäfte, die Straße ist gesäumt mit Läden für alles, was man für Stadt und Land braucht. Fast unmerklich nimmt die Bebauung ab und schließlich fahre ich über die gut ausgebaute Straße der Beschilderung hinterher.

Der Fahrt voraus ging eine Erfahrung, die ich lieber nicht gemacht hatte. Ich musste nämlich noch herausfinden, wann mich morgen der Bus zum Flughafen abholt. Die Tui-App ließ sich nicht auf mein Smartphone laden, zu groß war der benötigte Speicherplatz. Online kam ich auf der Webseite des Reiseveranstalters nicht mehr in den persönlichen Bereich und die Mappe, die in der Hotellobby ausliegt und in der man seine Abfahrtsdaten nachlesen kann, war an diesem Tag leer.

Der Concierge verwies mich an den Chef, der an die Reiseleitung, von der aber hier niemand wusste, wer oder was das sein sollte. Ob der Reiseleiter sich nicht bei mir gemeldet hätte? Ich musste das verneinen. Also blieb mir nur die Tui-Hotline. So verbrachte ich 25 (!) Minuten bei gemafreier Musik. Die offensichtlich eher unentspannte Call-Center-Mitarbeiterin verwies mich zuerst an die App, die ich nicht habe, dann an die Webseite, in die ich nicht hineinkomme und hängte dann auf. Im zweiten versuch kam ich, weil meine Nummer vom Computer gespeichert war, schon nach acht Minuten an einen bedeutend freundlicheren Menschen.

Auch er wollte mich auf die bekannten Wege an diese Information zu gelangen. Schließlich sagte zu ihm: „Wenn Sie einen Kunden haben, der nur telefonieren kann, was raten Sie ihm?“. Daraufhin gab er mir eine Telefonnummer. Die rief ich an, eine Computerstimme forderte mich auf meine Buchungsnummer einzugeben und verriet mir dann, dass ich um 6:50 Uhr angeholt werden würde. Alles in allem kostete mich diese Information zwei Stunden.

Jetzt aber los! Das Wetter war besser, als erwartet und statt zu bedauern, dass mir Páxos diesmal durch die Lappen gehen würde, machte ich mich lieber auf den Weg noch mehr von dieser Insel zu erkunden. Hat man den Speckgürtel von Kérkyra verlassen, findet man sich plötzlich in einer wilden, für Korfu typischen Landschaft wieder. Ein Olivenhain nach dem anderen, durchbrochen von Zypressen, die wie schwarze Spindeln in den Himmel ragen. Dazwischen die raren Laubbäume, vereinzelt Palmen und Büsche.

Über den Himmel schiebend sich drohend schwarze Wolken. Während sich die Straße immer weiter in die Höhe windet, eröffnet sich nach jeder Kurve ein erinnerungswürdiger Blick, nur um nach der nächsten Kurve von einem noch schöneren Blick abgelöst zu werden. Doch das alles ist nur die Ouvertüre zu einem ganz besonderen Aussichtspunkt, praktisch dem schönsten der ganzen Insel und Liebling des deutschen Kaisers Wilhelm II.

Nach etwa fünf, sechs Kilometern über Land erreiche ich Pélekas, ein Bergdorf, dass bisher nur wenig vom Tourismus erschlossen ist. Nicht, dass es auf der Westseite der Insel keinen Tourismus gäbe, nur ist er hier nicht so ausgeprägt wie im Osten oder ganz im Süden. Das kleine Bergdorf wurde früher als Geheimtipp unter den Hippies gehandelt. Die drei Strände der Gemeinde waren völlig unverbaut, der Ort ganz ursprünglich. Damit ist es jetzt vorbei, aber ein wenig von diesem Flair ist in Pélekas noch erhalten. Oben im Bergdorf wohnen vor allem junge Rucksackreisende, Restaurants und Cafés sind einfach und klein. Es gibt noch die typischen Gemischtwarenhandlungen mit redefreudigen Inhabern.

Scharf geht es um die Kurven in dem kleinen Dorf, zuletzt eine steile Straße in zwei Serpentinen auf den knapp 300 Meter hohen Gipfel. Das mag wenig spektakulär klingen, ist es aber doch. Auf den Gipfel hat sich Herr „Kaizer“ einen Aussichtpunkt bauen lassen, einer der wenigen Orte auf der Insel, von dem aus man gleichzeitig beide Küsten sehen kann: im Westen geht es in steilen Windungen hinunter zu den drei Stränden von Pélekas, im Osten sieht man bis Kérkyra und kann sogar die Alte Festung ausmachen, deren Burgberg sich über die Altstadt erhebt.

Den Norden beherrscht der Pantokrator, die mit 900 Metern höchste Erhebung des Eilands, mit seinen Nebengipfeln und -Bergen. Die dunklen Wolken, die der Wind von Italien über den Golf von Korfu nach Westen bläst, zerschellen am Gebirge, werden von Graten und Felsen zerfetzt oder wälzen sich die Hänge hinab ins Tal. Den Blick nach Süden versperren die Berge bei Sinarádes und Kastelláni den Blick, doch lächeln einem die beiden Dörfer verheißungsvoll zu.

Neben dem „Kaizer’s Throne“ gibt es ein Restaurant, dass heute leider Sunset Café heißt, doch die Einrichtung mit gemütlichen Sesseln, Kamin, hölzerner Bar und einer Pickelhaube auf dem Schrank wäre auch heute noch eines Kaisers auf Urlaub würdig! Und der Name dürfte durchaus Programm sein, von der westegewandten Terrasse lässt sich der Sonnenuntergang bestimmt kaiserlich beobachten. Für mich gab es keinen Sonnenuntergang, wohl aber einen Kaffee und das Schauspiel der Wolken, die sich Giganten gleich drohend näherten, nur um mich dann doch zu verschonen. Hoffentlich hält mein Wetterglück weiter an…

 

Hunger? Den stillen wir in einer traditionellen Taverne in Sinarádes

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