Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: „En Plo“ und Campiello, Kérkyra

Das Café in Kérkyra mit einem der schönste Ausblicke der Stadt. Die venezianische Stadtbefestigung zog sich einst die Küstenlinie entlang. Übrig davon sind das St.-Georgs- und das St.-Michaels-Tor rechts und links des von den Briten für den Gouverneur 1819 erbauten Palastes, der größte seiner Art in Griechenland nach dem Palast König Ottos I. in Athen, der heute das Parlament beherbergt.

Durch das St.-Georgs-Tor – griechisch St. Nicolaos – kommt man von der Stadt ans Meer. Das Bauwerk enthielt früher noch ein Lazarett und ein Magazin. Auf dem Ausleger dürfte früher ein Vorposten gewesen sein. Später gab es hier ein Kloster mit der Kirche, die ebenfalls nach dem Heiligen benannt wurde.

Heute gibt es hier die gehobene Taverne „En Plo“, die sich vor allem durch den Blick auf die Alte Festung auszeichnet. Von dort hatte ich die bestuhlte Terrasse bereits gesehen und beschlossen, dass der Besuch dort ein Muss ist. Um es vorweg zu nehmen: den Blick zahlt man natürlich – wie fast überall auf der Welt – mit.

Verstörend allerdings war eine Dame mit sächsischem Stammesdialekt, die konsequent versuchte mit dem Kellner deutsch, beziehungsweise Sächsisch zu reden. Der war dieser Herausforderung allerdings kaum gewachsen. Gut, dass Karte, Bier und Wasser Begriffe sind, die ein schneller Geist noch zuordnen kann. Als ihr Mann einwandte, sie sollte doch besser englisch mit dem Kellner sprechen, entgegnete sie, dass hier ja schließlich Touristen herkommen. Da könne man schließlich erwarten, dass die Bedienung deutsch versteht. Wenn sie meint.

Vom St.-Georgs-Tor bahne ich mir meinen Weg in die Altstadt, genauer gesagt in den Stadtteil Campiello. Mich erwartet ein Gewirr aus Gassen, Stiegen, Durchgängen. Die Häuser zeigen alle Grade des Verfalls von gut in Schuss bis Ruine. Dazwischen alte Stromzähler, Wäscheleinen, Mülltonnen, Tavernen, Souvenirläden und Cafés.

Einen richtigen Plan von diesem Gelände gibt es nicht. Ich halte mich erst hangaufwärts, komme an Kirchen vorbei oder auch nur an einem Glockenturm, bei dem auf dem ersten Blick schwer zu erkennen ist, wozu er gehört. Von der Kuppe geht es etwas sanfter in den belebteren Teil der Altstadt.

Je näher ich dem Spianada komme, desto breiter werden die Gassen. Allerdings wird es hier auch touristischer. Über mit Marmor gepflasterte Sträßchen geht es nun an der einen oder anderen Sehenswürdigkeit vorbei: Kirchen, Rathaus, verschiedene Museen. Hier haben alle Besatzer ihre Spuren hinterlassen. Manchmal könnte man denken, man wäre in Italien, manche Gassen könnte man so auch in Frankreich finden.

Beim Streunen durch die Gassen entdecke ich einen Laden mit Gewürzen. Hier decke ich mich später für die Zeit nach dem Urlaub ein. Ebenso finde ich ein Geschäft mit schönen Tassen. Schließlich nähere ich mich wieder dem Spianada und dem Liston. Letzteres ist übrigens der Rue de Rivoli in Paris nachempfunden.

Zeit für einen Kaffee? Natürlich! Den gibt es erst unter den Arkaden des Liston. Und wir begegnen den Brüder Durrell… 

11 Gedanken zu “Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: „En Plo“ und Campiello, Kérkyra

    1. Wie schon gesagt: für den Blick zahlt man im „En Plo“ mit – aber das macht man gerne. Tatsächlich ist das eines meiner liebsten Kaffee-Bilder. Gerade jetzt, wo alle Cafés geschlossen haben und es für Kaffeetrinken im Park zu kalt ist, bleiben uns die Erinnerungen an besondere Momente und die Hoffnung darauf, dass wir bald wieder neue erleben dürfen!

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        1. Das erinnert mich etwas an Frederick die Maus, ein Bilderbuch von Leo Lionni. Ich weiß nicht, ob Du es kennst. Aber – kurz gesagt – während die anderen Feldmäuse arbeiten und Vorräte sammeln, sammelt Frederick Eindrücke, Bilder, Farben, Gerüche. Als sie dann im Winter alle in ihrem Bau festsitzen und sie sich von ihren Vorräten ernähren, steuert auch Frederick seine gesammelten Eindrücke bei. Die letzten Jahre konnte ich viele Eindrücke sammeln. Und die letzte Geschichte ist noch lange nicht erzählt…

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            1. Wir hatten das Buch im Kindergarten. Mich hat das so beeindruckt, dass ich es unbedingt haben wollte. Meine Eltern haben es mir dann geschenkt. Ich erinnere mich heute noch daran. Vielleicht liegt mir die Geschichte so, weil ich immer wie Frederick sein wollte…

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    1. Ich glaube Korfu ist die italienischste unter den griechischen Inseln. An manchen Ecken glaubt man in Palermo zu sein. Aber es gibt auch französische und britische Szenerien. Gerade diese Abwechslung macht Kérkyra so besonders. Die Fotos machen sich dort übrigens fast von selbst. Und ich hätte noch Stunden weiterknipsen können.

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