Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: die Festung Gardiki

Rasch lasse ich den Süden hinter mir. Während sich die Sonne langsam neigt, geht es vom romantischen Lefkími vorbei an Perivóli und Argirádes zurück nach Linea und dann weiter bis kurz vor Moraíta zügig voran über die Landstraße. An einer großen Rechtskurve halte ich mich links (der einzige Wegweiser führt zu einem Monument zur Ehren der serbischen Armee). Nun geht es durch Olivenbäume, deren Blätter im Nachmittagslicht golden glänzen.

Unvermittelt steht man vor den Mauern der Festung Gardiki. Der Kaiser Michael I. Paläologus von Byzanz hat sie im 13. Jahrhundert hier errichten lassen um seinen Anspruch auf diese Region zu festigen. Von den ursprünglich acht Wehrtürmen der Burg sind sechs noch mehr oder weniger gut erhalten. Die byzantinische Herkunft kann die Burg nicht verneinen: schon das Torhaus verrät den für Byzanz typischen Baustil.

Trotzt des ruinenhaftern Zustands lohnt ein Spaziergang innerhalb der Mauern. Eine unbeschreibliche Vielzahl von Kräutern und wilden Blumen haben sich hier ihr Terrain erobert, was ebenso viele kleine Reptilien und Insekten anlockt, darunter Eidechsen, Schmetterlinge, Libellen und Zikaden, die mit ihrem knirschenden Gesang den Blick auf die Feste stimmungsvoll untermalen. Als einzigem Touristen weit und breit gehört die Festung heute praktisch mir.

Kaiser Michael I. Paläologus von Byzanz hatte offenbar nicht nur ein Händchen für Strategisches, er hat sich für seine Burg auch eine der schönsten Gegenden der Insel ausgesucht. Umgeben von Olivenhainen und umrahmt von sanften Hügeln. Direkt hinter der Burg erhebt sich der Hausberg. In der Höhle unweit der Festung, der Grava Gardikiou, wurden Werkzeuge aus dem Jungpaläolithikum – die Zeit etwa 20.000 v. Chr. – gefunden. Sie sind heute im Archäologischem Museum in Korfu-Stadt ausgestellt und gehören zu den frühesten Zeugnissen der Besiedelung der Insel.

Mich aber zieht es mehr in die Burgschänke, den Castle Garden Gardiki, ein Kafenio einfacher Art, trotzdem aber Treff- und Anlaufpunkt für die Olivenbauern aus der Umgebung. Entsprechend Bodenständig geht es hier zu: bis auf eine Theke, einem Kühlschrank und einem kleinen Regal mit Alltagsprodukten ist der Gastraum so gut wie leer. Deshalb sitze ich auch draußen in einem verwilderten Garten.

Hier bekomme ich zu einem Spottpreis mit die größte Tasse griechischen Kaffees meines diesjährigen Inselaufenthalts. Noch ein Blick in die Karte – und einer auf die Uhr! – und ich beschließe weitere mögliche Ziele auf spätere Tage zu verschieben. Jetzt geht es also zurück zur Hauptstraße und dann zurück nach Kérkyra. Mal sehen, ob ich hier nicht noch einen Stopp einlege…

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