Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: Achilleion III – La Nova Bella Vista

Ausgerechnet das Café Achilleion hat geschlossen – dem Zustand des Verfalls nach wohl auf Dauer. Doch nach so viel Kultur, Geschichte und Mythologie brauche ich erstmal einen Kaffee. Zur Auswahl stehen dann noch das San Marino Café, was aber eher eine Taverne ist, die Snack Bar, das Achilleion Snack Café und das La Nova Bella Vista. Letzteres besticht mit einer Terrasse und einem Blick besticht, wie ihn nur wenige Meter entfernt Kaisers beim Nachmittags gehabt haben.

Corona geschuldet wird man hier platziert, doch genügen einige freundliche Worte und ich bekomme meinen Wunschplatz direkt am Geländer. Im Norden erhascht man noch einen Blick auf Kérkyra und Kanoni, in der Ferne reicht er von Albanien und entlang der nordgriechischen Westküste bis zur Hafenstadt Igoumenitsa und darüber hinaus. Wer nie Fernweh kannte bekommt es hier!

Eine Kaisermelange oder Melange gibt es nicht. Deshalb entscheide ich mich für einen Filterkaffee zu Ehren Kaiser Willhelms II. Dessen Schreibtisch steht etwa 50 Meter Luftlinie im Achilleion. Dieser Ausblick ist unbestreitbar einer der schönsten der Insel und so wird klar, weshalb Kaiserin Sisi ausgerechnet diesen Ort zur Verwirklichung ihres Sehnsuchtsortes gewählt hat.

Vom Meer her weht ein sanfter Wind, die Luft ist würzig und riecht nach Salzwasser, Kräutern und Pinienharz. Die Sonne ist Ende September noch kräftig, wie bei uns im Hochsommer, doch macht die Brise selbst das erträglich. Am Horizont für der gegenüberliegenden Küste ziehen Schiffe ihre Bahn. Ein paar Vögel lassen sich von der warmen Luft nach oben treiben und segeln dann in weiten Bögen wieder zum Meer. Hier könnte man ewig bleiben.

Ich sitze wieder auf. In engen Serpentinen geht es hinunter zum Strand. Am Ufer angekommen fahre ich ein paar hundert Meter wieder Richtung Kérkyra. Hier glänzt der weiße Marmor der „Kaiser’s Bridge“. Hier legten früher die kaiserlichen Schiffe an, denn der Quai war mit einem Weg direkt mit der Gartenanlage des Achilleion verbunden. Die Brücke über die Straße wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, um großen Militärfahrzeugen Platz zu machen. Ironischer Weise waren es die Deutschen, die die Brücke ihres einstigen Kaisers zerstörten.

Jetzt geht es weiter: Benitses, Moraítika, Nótos und Lefkími liegen ja noch vor mir. Und natürlich eine byzantinische Festung. Doch davon in den nächsten Tagen mehr…

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