Korfiotisches Kaffee-Tagebuch: das Café Bristol in Kérkyra

Wäre Ernest Hemingway jemals in Kérkyra gewesen, das Café Bristol wäre seine Stammbar geworden. Auf der Insel dürfte es – neben der Garnisonskirche und dem Cricket-Feld – wohl kaum einen britischeren Ort geben, als dieses Café. Nicht, dass Hemingway Brite gewesen wäre! Aber er wäre der erste gewesen, der einen guten Cocktail und einen guten Café zu schätzen wüsste.

Vermutlich hätte er sich seinen Stammplatz links am Ende der Bar unter dem Hieronymus-Bosch-Gemälde gesucht, dem Garten der Lüste. Von dort hätte er einen guten Überblick über die Bar und das Café gehabt. Und er hätte die unvergleichliche Espressomaschine bewundern können, eine Elektra „Belle Epoque“, wie sie seit Anfang der 50er Jahre im italienischen Dosson di Casier hergestellt wird.

Maschinen dieser Art wurden von Umberto Fregnan entwickelt und stehen unter anderem im berühmten Caffè Florian am Plazza San Marco in Venedig oder bei Harrods in London und bereiten dort seit Jahrzehnten zuverlässig Kaffee zu, denn Langlebigkeit ist neben Design und Funktion eines der Markenzeichen von Elektra. Die Firma, die hauptsächlich für die Gastronomie produziert, ist bis heute in Familienbesitz und wird von den Brüdern Federico Fregnan und Andrea Fregnan geführt.

Diese Espressomaschine ist zwar ein Grund für einen Besuch im Café Bristol, aber beileibe nicht der einzige. Auch so ist ein Aufenthalt dort lohnenswert. Man muss sich allerdings entscheiden, ob man draußen unter den Arkaden sitzen und dem Treiben in der Altstadt zusehen möchte, oder ob man lieber im Inneren die sehenswerte Einrichtung in Augenschein nimmt. Die vielen Leuchter tun ihr eigenes, um diesem Ort seine zeitlose Faszination zu verleihen.

Mich trieb auch der einsetzende Regen nach drinnen. Nachdem plötzlich der Himmel seine Schleusen geöffnet hatte, stoben die Menschen, Einheimische wie Touristen, auseinander und suchten in den Cafés und Tavernen Unterschlupf. Ich war froh um einen trockenen Platz und um den wärmenden Cappuccino. Doch als der Regen etwas nachließ, machte ich mich wieder auf den Weg. Schließlich hatte ich für heute noch ein Ziel: Loukoumades!

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