Crema-Espressotest: das Fazit

Was für eine Woche! Ein Espresso-Highlight jagte das nächste. Ein guter Espresso aus Bremen mit Nuss- und Kakaoaromen, ein Otto-Gedenk-Espresso vom Irschenberg mit angenehmer Säure, ein Spitzenespresso aus der ältesten Rösterei der Schweiz – 1761 röstete man im Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ zu Leipzig noch mit der Pfanne auf dem heimischen Ofen – geht mit dem Huehuetenango als einem ganz besonderen Espresso an den Start. Doch wer macht das Rennen? Hier noch einmal eine Zusammenfassung der Tests:

Hoppenworth & Ploch, El Paraiso, Kolumbien

Der El Paraiso zeigt sich mit kleineren Bohnen, die für einen Espresso auffallend hell geröstet sind. Der Geruch der ungemahlenen Bohnen ist leicht säuerlich aber aromatisch, mit fruchtigen und floralen Tönen, wirkt aber leicht einseitig. Dafür bietet der El Paraiso eine schöne und stabile Crema. Allerdings wird der im Ganzen angenehme Geruch schon von säuerlichen Aromen überdeckt. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Geschmack: sauer, floral und irgendwie unreif. Schade, aber dieser Espresso trifft meinen Geschmack so gar nicht. So bleibt es bei gutwilligen 5,5 von 10 Punkten, aber für einen Espresso des Jahres reicht das sicher nicht. Und für das Paradies im Namen auch nicht.

Union Rösterei, Hansebrand Espresso

Die Bohnen sind etwas ungleichmäßig, aber von schöner Form. Die Röstung ist nussbraun und leicht hell und riecht auch leicht nussig mit Akzenten von Kakao. Die Crema ist reichlich und stabil. Der gebrühte Espresso riecht mild und nach ausgewogener Säure. Das bestätigt auch der Geschmack, der im Abgang angenehm herb ist. Allerdings könnte er etwas facettenreicher sein, aber das ist Jammern auf hohen Niveau. Tatsächlich läuft der Hansebrand Espresso in Verbindung mit Milch zur Höchstform auf. Hier reicht es für 7,5 von 10 Punkten – ein wirklich guter Espresso.

Dinzler, Otto, Bio-Fairtrade

Gleichmäßige, kleinere und etwas dunkler geröstete Bohnen mit der Farbe von nachgedunkeltem Mahagoni. Vom Geruch her kräftig, erdig, mit leichter Säure mit Anklängen von Schokolade und Keksen. Beim Mahlen weht ein Hauch von Popcorn durch den Raum. Bei stabiler Crema entwickelt der Otto einen kräftigen Geschmack mit Untertönen von Nüssen, Rauch und Holz und einer angenehmen Säure. Mit knappen 8 von 10 Punkten der bisherige Spitzenreiter.

Martermühle, Caffè Autostrada

Die Bohnen sind ungleichmäßig in Form und Farbe. Allerdings weht uns schon beim ersten Öffnen der Packung ein facettenreicher Duft von Schokolade entgegen. Die Crema ist sehr stabil und nachhaltig. Der fertige Espresso riecht genau so, wie wir uns einen typisch italienischen Espresso vorstellen. Auch der Geschmack überzeugt: leichte süße, angenehm bitter, rund und ehrlich. Die Gesamtnote von knappen 8,5 von 10 für einen sehr guten Espresso spiegelt das wider.

Turm Kaffee, Huehuetenango aus Guatemala

Ein gleichmäßiges Bohnenbild mit mittelbraun gerösteten Bohnen mit glänzender Oberfläche lässt viel erwarten. Die erste Nase Kaffeearoma präsentiert einen nussigen Geruch mit leichter Süße und Akzenten von Schokolade und Vanille. Die Crema bleibt ein Wenig unter den Erwartungen zurück. Aus dem frisch gebrühten Espresso riechen wir die fruchtigen Komponenten heraus. Der Geschmack ist kräftig mit einem Hauch von Süßholz und Lakritze, bleibt aber trotz der bereits entdeckten Aromen im Endergebnis etwas flach. Mit einer Gesamtnote knapp unter 8 von 10 Punkten ein sehr guter Espresso mit ganz kleinen Abzügen.

Caroma, Romeo

Schon die Verpackung macht neugierig. Im Inneren erwarten einen schöne und gleichmäßige Bohnen mit mitteldunkler Röstung. Die Bohnen duften angenehm. Rieche ich da Vanille und Honig? Der frisch gebrühte Espresso überzeugt mit stabiler Crema. Jetzt lassen sich die fruchtigen Aromen und der Tabak herausriechen. Der Geschmack ist dunkel, ehrlich mit leichter Säure und leichtem Anklang an Holz. Von der Vielfalt der Aromen einer der interessantesten Espressos im Test! So bleibt er mit knapp über 8 von 10 Punkten ein sehr guter Espresso!

And the Winner is…

… der Caffè Autostada von der Martermühle. Der Espresso aus Bayern hat sich knapp vor dem Romeo aus dem Hause Caroma gefolgt von Otto vom Dinzler und beinahe gleichauf der Huehuetenango der Schweizer Traditionsrösterei Turm. Qualitativ waren fünf von sechs Espressos weit über Durchschnitt, nur einer enttäuschte, weil deutlich zu sauer. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass viele Eindrücke ganz subjektiv sind, denn schließlich geht es dabei auch um den persönlichen Geschmack.

Den hat der Autostrada am genauesten getroffen. Wie er schmeckt? Das verrät die Vorstellung auf der Webseite des Anbieters: „Auf der Autobahn Richtung Süden. Die erste Ausfahrt hinter der Grenze verspricht Gutes: Endlich einen original italienischen Espresso und der Urlaub beginnt! Unser Espresso spiegelt genau dieses Gefühl wider. Ein kurzer, kräftiger Schluck, eine kleine Pause mit Gleichgesinnten und weiter geht’s. Ciao bella Italia, Ciao Caffè Autostrada!“

 

Morgen verraten wir, wie die Crema-Leser gewählt haben!

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