Fair statt mehr!

Ab heute bis zum 25. September findet unter dem Motto „Fair statt mehr“ die Faire Woche statt, die größte Aktionswoche des Fairen Handels. Organisiert wird die bundesweite Veranstaltung vom Forum Fairer Handel in Kooperation mit dem Weltladen-Dachverband und TransFair – Fairtrade Deutschland. Der Corona-Pandemie zum Trotz zelebriert die Faire Woche 2020 das fünfzigjährige Bestehen der Fair-Handels-Bewegung in Deutschland und rückt die ursprüngliche Vision des Fairen Handels mit neuer Dringlichkeit in den Fokus: allen Menschen unabhängig ihrer Herkunft ein gutes Leben zu ermöglichen.

Der Faire Handel ist Anfang der 1970er-Jahre in Europa als Antwort auf die Ungerechtigkeit des Welthandels entstanden. Als Initialzündung in Deutschland gelten die von kirchlichen Jugendgruppen organisierten „Hungermärsche“, an denen 1970 bis zu 30.000 Menschen teilnahmen. Ihr Protest richtete sich gegen die wachsende Benachteiligung von Produzentinnen und Produzenten aus dem Globalen Süden am Weltmarkt. In den Folgejahren boten immer mehr Aktionsgruppen und Weltläden fair gehandelte Waren an, die ersten Fair-Handels-Organisationen wurden gegründet.

Heute profitieren rund 2,5 Millionen Kleinbäuerinnen, Kleinbauern, Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker sowie deren Familien vom Fairen Handel. „Wir haben in den vergangenen fünfzig Jahren viel erreicht. Doch gleichzeitig sind die Herausforderungen auf dem Weg zu einem gerechten Welthandel gewachsen“, sagt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. „Die Auswirkungen der Corona-Krise, der Klimawandel sowie der Preisverfall bei Kaffee, Kakao und anderen Rohstoffen gefährden die Existenz von Millionen Kleinproduzentinnen und Produzenten. Es wird immer deutlicher: Wir brauchen dringend effektive politische Lösungen im Kampf gegen diese Entwicklungen“, sagt Fütterer. 

Ein Leben in Würde für alle Menschen ist auch die Vision der Agenda 2030, die die Vereinten Nationen vor fünf Jahren verabschiedet haben. Für eine nachhaltige Entwicklung definierte die internationale Staatengemeinschaft insgesamt zwölf Ziele, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDG). Bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele spielt der Faire Handel eine entscheidende Rolle – speziell für Ziel Nummer zwölf, nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion. Die Frage, wie Produktion und Konsum in Zukunft aussehen müssten, um möglichst vielen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen, beantwortet die Faire Woche mit ihrem diesjährigen Motto „Fair statt mehr“. Was es braucht, sind faire Produktionsbedingungen statt Massenkonsum. „Qualität und Nachhaltigkeit sind nicht zum Schnäppchenpreis erhältlich“, stellt Andrea Fütterer fest. 

Noch drängender wird die Frage nach einem guten Leben vor dem Hintergrund der globalen Corona-Krise. Gerade die Menschen am Anfang der Lieferketten leiden aufgrund von Ausgangsbeschränkungen, Einkommenseinbußen und fehlender Absicherung am meisten unter den Auswirkungen der Pandemie. „Es kann keine Rückkehr zur weltweiten Normalität der Globalisierung geben“, sagt Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, Schirmherr der Fairen Woche. „Wir müssen in vielen Bereichen umdenken, was wir tatsächlich für ein gutes Leben brauchen und wie wir dieses gestalten wollen. Die Pandemie zeigt, wie wichtig Gerechtigkeit in der Globalisierung ist: mit klaren Spielregeln, Gesundheitsstandards, Arbeitsschutz und sozialen Sicherheitsnetzen. Das Wohl der Menschen ist nicht verhandelbar“, sagt Müller. 

Bundesentwicklungsministerium auf der Grünen Woche 2020

In diesem Sinne rufen die Veranstalter der Fairen Woche die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger dazu auf, die Krise als Zäsur zu nutzen, um Rahmenbedingungen für den Aufbau widerstandsfähiger und fairer Lieferketten zu schaffen. Dazu gehört ein verbindliches und starkes Lieferkettengesetz ebenso wie die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) der Vereinten Nationen.

Dass Handelspartnerschaften, die sich am Gemeinwohl orientieren, funktionieren können, beweist der Faire Handel seit 50 Jahren. „Wir verhalten uns auch in Krisenzeiten solidarisch mit unseren Handelspartnern und versuchen sie auf jede erdenkliche Art zu unterstützen“, erklärt Andrea Fütterer. Diese Solidarität gilt es in Zukunft auf den gesamten Handel auszuweiten: „Wir haben die einmalige Chance, den sozial-ökologischen Wandel, den wir als Fair-Handels-Bewegung schon lange leben, auf die ganz große internationale Agenda zu heben. Mit Blick auf die Klimakrise bleiben uns keine weiteren fünfzig Jahre, um den Welthandel gerechter zu gestalten und die Vision eines guten Lebens für alle umzusetzen“, so Fütterer weiter.

Das Ziel muss eine Lebensweise sein, in der Menschenrechte geachtet, die Grundbedürfnisse aller befriedigt werden und ein respektvoller Umgang mit der Natur gelebt wird. „Als starke Bewegung lädt der Faire Handel Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Politik ein, gemeinsam nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu entwickeln und zu etablieren“, fasst Andrea Fütterer zusammen.

Obwohl die Faire Woche in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise etwas kleiner als sonst ausfallen wird: Die Organisatoren bedanken sich bei allen Aktionsgruppen – darunter Weltläden, Kirchengemeinden, Schulen und Fairtrade-Towns – die mit über 1.500 Veranstaltungen während der Fairen Woche 2020 den Fairen Handel in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik rücken. Den Veranstaltungskalender finden Sie unter www.fairewoche.de/kalender.

Bildrechte: Weltladen-Dachverband/A. Stehle, TransFair e.V./Christoph Köstlin, TransFair e.V./Ilkay Karakurt, TransFair e.V./Christoph Köstlin, TransFair e.V., obs/Messe Berlin GmbH/Janine Schmitz / photothek.ne, TransFair e.V./Sean Hawkey, TransFair e.V./Ilkay Karakurt; Quelle: Forum Fairer Handel, Fairtrade Deutschland, TansFair e.V., faire-woche.de.

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